Mittwoch, 17. Juli 2024

Wellbrock „rettet“ WM-Bilanz mit 1.500-Meter-Medaille | „Irrer Ire“ eine Klasse für sich

Florian Wellbrock hat die Schwimm-WM in Doha mit Silber über 1.500 Meter Freistil beendet und seine ersten medaillenlosen Titelkämpfe seit 2017 verhindert. Gegen Daniel Wiffen war kein Kraut gewachsen.

Frank Wechsel

Nach fast 15 Minuten Schwerstarbeit im Becken fiel Florian Wellbrock ein Stein vom Herzen. „Die Silbermedaille ist sehr wichtig für mich, erst recht nach den Open-Water-Rennen und dem verpassten Finale über 800 Meter“, sagte der erleichterte Olympiasieger im Interview mit dem Hallensprecher. Über 1.500 Meter Freistil hatte der Magdeburger kurz zuvor in 14:44,61 Minuten angeschlagen, damit Silber gewonnen und die erhoffte Olympiaqualifikation über diese Strecke perfekt gemacht. „Es ist schön, wieder auf dem Podium zu stehen. Die Zeit von 14:44 Minuten im Februar ist nicht schlecht. Bis Paris habe ich noch viel Arbeit vor mir.“

Schneller als Wellbrock war nur der Ire Daniel Wiffen, der das Finale von der ersten Bahn an dominierte und lange auf Weltrekordkurs lag. In 14:34,07 Minuten untermauerte Wiffen mit seinem zweiten WM-Gold in Doha seine Ambitionen auf Olympiamedaillen in Paris. Auf Platz drei schwamm der Franzose David Aubry, der im Schlussspurt mit Wellbrock den Kürzeren zog (14:44,85 Minuten). Sven Schwarz aus Hannover wurde in starken 14:47,89 Minuten WM-Sechster hinter Mykhailo Romanchuk aus der Ukraine (14:47,54 Minuten). Das Olympiaticket hat Schwarz bereits als Vierter über 800 Meter Freistil gesichert.

Zehnte WM-Medaille für Wellbrock

Deutschlands Vorzeigeschwimmer Wellbrock drohte die erste WM ohne Medaille seit 2017, doch der Magdeburger zog seinen Kopf mit einem couragierten Auftritt im 1.500-Meter-Finale noch einmal aus der Schlinge. In Gwangju 2019 war der Stern des inzwischen 26-Jährigen auf der weltweiten Schwimmbühne mit zwei WM-Goldmedaillen aufgegangen. Es folgten die überragenden Titelkämpfe in Budapest 2022 mit fünf Medaillen, davon zwei in Gold, und die Titelkämpfe in Fukuoka 2023, bei denen er im Freiwasser über 5 und 10 Kilometer triumphierte, ehe es im Pool überhaupt nicht laufen wollte. In Doha stemmte sich Wellbrock zunächst im 1.500-Meter-Vorlauf mit der Topzeit aller Teilnehmer gegen die nächste Pleite, dann behielt er im Finale im Kampf um Silber stets die Kontrolle über seine Rivalen. Ab der 1.000-Meter-Marke schwamm er stets auf Platz zwei und hielt diese Position auch im harten Finish. Mit 26,40 Sekunden absolvierte Wellbrock die schnellere Schlussbahn als Aubry und machte seine insgesamt zehnte WM-Medaille perfekt.

Daniel Wiffen im Alleingang zu Gold

In einer ganz eigenen Liga unterwegs war Wiffen, der den Endlauf fast wie von Sinnen gestaltete. Schon nach 200 Metern lag der 22-Jährige weit vor den anderen Mitfavoriten, einzig der erst 16 Jahre alte Kuzey Tuncelli aus der Türkei, der am Ende Achter wurde, ging das enorme Tempo eine Zeit lang mit. Meter um Meter brachte der Ire zwischen sich und die anderen und spätestens bei der Hälfte des Rennens war abzusehen, dass Wiffen das Rennen einsam nach Hause schwimmen würde.

Zeitlich bewegte er sich stets auf dem Niveau des Weltrekords von Sun Yang (14:31,02 Minuten). Erst auf den letzten Bahnen konnte er dem imaginären Tempo des Chinesen nicht mehr folgen. Am Ende schwamm Wiffen in 14:34,07 Minuten persönliche Bestzeit und die siebtbeste Zeit der Geschichte. Schon jetzt darf man gespannt sein auf die Olympischen Spiele, wenn Athleten wie Bobby Finke (USA), Gregorio Paltrinieri (Italien), Ahmed Hafnaoui (Tunesien) sowie Wellbrock und Romanschuk den neuen Weltmeister herausfordern werden.

Starkes 50-Meter-Finale von Ole Braunschweig

Über 50 Meter Rücken gelang Ole Braunschweig mit Platz fünf ein versöhnlicher WM-Abschluss. Der Berliner, der zu Beginn der WM-Woche das erhoffte 100-Meter-Finale noch verpasst hatte, erzielte in 24,74 Sekunden ein starkes Resultat. Den Titel sicherte sich in 24,13 Sekunden Isaac Cooper aus Australien. Silber gewann Hunter Armstrong (USA) in 24,33 Sekunden vor Ksawery Masiuk aus Polen (24,44 Sekunden). „Fünfter der Welt, wieder ein Stück voran. Im Vergleich zu Fukuoka habe ich Plätze gut gemacht, damit bin ich erstmal zufrieden“, sagte Braunschweig. Bei den letzten Weltmeisterschaften in Japan war er über diese Strecke Achter geworden.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.