"Sicher Schwimmen Können" | Höhere Anforderungen bei Seepferdchen & Co.

Seit dem 1. Januar gilt eine neue Prüfungsordnung für die deutschen Schwimmabzeichen. An einigen Stellen wurden die Anforderungen verschärft.

Ins Wasser springen und 25 Meter schwimmen, nach einem Gegenstand tauchen und einige Baderegeln aufsagen – für fast jedes Kind in Deutschland ist die Seepferdchenprüfung die erste Leistungsüberprüfung seines jungen Lebens und etwas ganz Besonderes. Selbst Erwachsene können sich oft 20, 30 oder 40 Jahre später noch an die aufregende Situation im Schwimmbad erinnern. Mal mit Graus, häufiger hoffentlich mit Freude.

Wichtigstes Ziel: sicher schwimmen können

- Anzeige -

Seit 1977 galt die bekannte Prüfungsordnung, nach der wohl die meisten von uns ihr Seepferdchen oder ihr Schwimmabzeichen in Bronze, Silber oder Gold erworben haben. In einem über fünf Jahre dauernden Prozess hat der Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS) zusammen mit der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) nun einige Änderungen beschlossen. Sie traten am 1. Januar 2020 in Kraft, wobei für dieses Jahr eine Übergangsfrist gilt, in der auch die alten Pässe und Urkunden noch verwendet werden dürfen. Im BFS haben sich sieben wichtige Schwimm-Organisationen zusammengeschlossen. Dazu zählen neben dem Deutschen Schwimm-Verband und der DLRG der Arbeiter-Samariter-Bund, der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister, das Deutsche Rote Kreuz, der Deutsche Turner-Bund sowie der Sporttaucher-Verband.

“Nach über 40 Jahren war es an der Zeit das System kritisch zu hinterfragen und an aktuelle Entwicklungen anzupassen”, schreibt BFS-Vorsitzende Helmut Stöhr im Vorwort der neuen Prüfungsordnung. Ziel des 2013 initiierten Prozesses sei es gewesen, “die Definition des ‘Sicher Schwimmen Könnens’ zu präzisieren und in den Prüfungsbedingungen abzubilden.” Als Standard für sicheres Schwimmen gilt ab sofort das Bronze-Abzeichen mit den gestiegenen Anforderungen. Auch namentlich gibt es eine Anpassung. Das bisherige “Deutsche Jugend-Schwimmpass” heißt nun “Deutscher Schwimmpass”. Er gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Die Unterschiede zwischen den alten und neuen Anforderungen sind zum Teil marginal, im Detail aber fast immer anspruchsvoller als bisher. Häufig wurden die bisherigen Texte eins zu eins übernommen oder sprachlich präzisiert. Die neue Prüfungsordnung wird durch Ausführungsbestimmungen ergänzt, an die sich die Prüfer halten sollen.

- Anzeige -

Seepferdchen

  • Es wird klargestellt, dass der Sprung vom Beckenrand und die 25 Meter Schwimmen in einer Abfolge zu erfolgen haben.
  • Das Schwimmen in Bauch oder Rückenlage muss nun in der Grobform beherrscht werden. Entscheidet sich der Prüfling für das Schwimmen in Bauchlage, muss ab sofort erkennbar ins Wasser ausgeatmet werden.

Bronze

  • Der Sprung vom Beckenrand muss kopfwärts erfolgen (bisher: “Sprung vom Beckenrand”). Es folgt ein Dauerschwimmen über 15 Minuten, bei dem mindestens 200 Meter zurückgelegt werden müssen (bisher waren 200 Meter in weniger als 15 Minuten gefordert. Das Schwimmen konnte danach beendet werden).
  • Neu ist, dass der Schwimmstil nicht beliebig ist, sondern 150 Meter in Bauch- oder Rückenlage und 50 Meter in der anderen Körperlage geschwommen werden müssen. Der Wechsel zwischen Bauch- und Rückenlage erfolgt während des Schwimmens ohne Festhalten.
  • Eine Schwimmart muss erkennbar sein.
  • Beim Sprung vom Startblock oder 1-Meter-Brett wird ein Paketsprung verlangt (bisherige Formulierung: “Sprung aus 1 m Höhe”).

Silber

  • Auch hier gibt es jetzt ein Dauerschwimmen. Die Prüflinge müssen 20 Minuten am Stück schwimmen und dabei mindestens 400 Meter zurücklegen. Bisher war eine Strecke von 400 Metern in höchstens 25 Minuten gefordert.
  • Ob 300 Meter in Bauch- und 100 Meter in Rückenlage absolviert werden oder andersrum ist ab sofort freigestellt. Der Wechsel zwischen Bauch- und Rückenlage erfolgt während des Schwimmens ohne Festhalten.
  • Eine Schwimmart muss erkennbar sein.
  • Das 10-Meter-Streckentauchen erfolgt mit einem Abstoß.

Gold

  • Die neue Prüfungsordnung sieht ein Dauerschwimmern über 30 Minuten vor, bei dem mindestens 800 Meter zurückgelegt werden müssen (650 Meter in Bauch- oder Rückenlage und 150 Meter in der anderen Körperlage). Bisher waren 600 Meter in höchstens 24 Minuten verlangt.
  • 50 Meter Brustschwimmen in höchstens 1:15 Minuten (bisher: 1:10 Minuten).
  • 10-Meter-Streckentauchen ohne Abstoß (bisher: 15 Meter mit Abstoß).

Die komplette Prüfungsordnung mit den Anforderungen für die Rettungsschwimmabzeichen können Sie hier als PDF downloaden. Noch mehr Informationen finden Sie auf der Website des Bundesverbands zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS).

Erhalte Updates direkt auf dieses Gerät – abonniere jetzt.

20 Kommentare
  1. Kati

    Hallo,
    grundsätzlich gut überarbeitet👍🏻 das Kinder sicher schwimmen können ist mehr als wichtig.
    Mir fehlt nur eine Richtlinie für Menschen die als geistig behindert gelten.
    Meine Tochter zählt dazu, sie taucht wie eine Weltmeisterin und macht unter Wasser perfekte Schwimmzüge. Leider fällt ihr die Koordination mit Kopf über Wasser sehr schwer und auch der Sinn im Bahnen schwimmen ist ihr nicht recht nahe zu bringen.
    Sie würde es problemlos schaffen 15 min im tiefen Wasser ohne Beckenrandberührung zu schwimmen (letztes Jahr im Sommer ist sie mit mir 30 min in der Adria geschwommen) bzw zu tauchen aber in Reihe mit Drehung halt nicht.
    Sie holt problemlos Ringe aus 2m Tiefe und ist im Sommer vom 5m Brett gesprungen.
    Seit 4 Jahren geht sie regelmäßig zum Schwimmkurs, wird es aber bei diesen komplexen Anforderungen wohl nicht schaffen ihr Bronze Abzeichen zu bekommen.
    An wen kann man sich wenden um ein inklusives Überarbeiten der Richtlinie für eine gelungene Teilhabe geistig behinderter Menschen anzuregen?
    Viele Grüße,
    Kati

    1. Peter Jacob

      Hallo Kati,
      schön, dass deine Tochter so viel Spaß im Wasser hat. Das klingt wirklich toll. Vielleicht gibt es einen Weg zu einem Abzeichen. In der Prüfungsordnung steht nämlich Folgendes:

      “Menschen mit Behinderung werden in die Schwimmausbildung einbezogen, soweit dies ihre Beeinträchtigung erlaubt. Erbrachte Einzelleistungen der Schwimmabzeichen können bescheinigt werden. Der Prüfungsberechtigte befindet darüber, ob bei Erfüllung der Grundsätze des sicheren Schwimmens ein Deutsches Schwimmabzeichen (jeweils in den Stufen Bronze, Silber, Gold) zuerkannt wird.”

      1. Kati

        Hallo Peter,
        Danke für Deine schnelle Antwort, das klingt tatsächlich nach einer Option. Ich bespreche das mal mit ihrem Schwimmlehrer, hieße das er könnte auch entscheiden das 15 min schwimmen ohne Randkontakt ausreichen für den Schwimmteil? Eine Bescheinigung übers Springen und tauchen hat sie schon aus dem letzten Sommer.
        Viele Grüße, Kati

        1. Peter Jacob

          Ich denke, es gibt für den Prüfer einen Ermessensspielraum, in dem er selbst entscheiden kann, ein Abzeichen auszustellen.
          Übrigens muss die gesamte Prüfung innerhalb von zwei Monaten durchgeführt werden. Es kann also sein, dass deine Tochter zum Springen und Tauchen noch einmal ran muss.

  2. Astrid

    An sich eine gute Idee.. nur ist es egal was für Anforderungen es gibt, wenn viele Schwimmbäder schließen und man einen Tagesausflug planen muss um mit den Kindern ins Schwimmbad zu gehen 😔😔!!

  3. Maike Jungwirth

    Hab grad die neuen Anforderungen für die Schwimmabzeichen gelesen. Das Seepferdchen find ich über trieben, ausatmen im Wasser, wem ist das denn eingefallen? Für die Kinder, die grad das schwimmen gelernt haben, ist es das größte. Jetzt kommt noch das Ausatmen dazu. Es wird gesagt, das immer weniger Kinder schwimmen können, so ist es nicht gerade hilfreich.

    1. Markus Schwarz

      Das die Kinder direkt die Ausatmung ins Wasser lernen ist mehr als sinnvoll. Das bessere Hundepaddeln, was bisher ausreichte hat mit Schwimmen kaum was zu tun, verhindert eine korrekte Wasserlage und führt zu Verspannungen. Wenn’s partout nicht geht reicht fürs Seepferdchen ja dann auch erstmal das Rückenschwimmen.

    2. Uwe Schiessel

      Genau meine Meinung. Das Seepferdchen ist ein toller Anreitz, um Kindern das Schwimmen näher zu bringen. Beim Seepferdchen schon Schwimmstile (Z.B. ausatmen ins Wasser) zu fordern, wird viele dazu bringen, das nicht mehr anzustreben.
      Auch die Anforderung, in Bauch und Rückelage zu Schwimmen, hindett eher. Besser wären verschiedene Stufen (nicht nur 4 vom Seepferdchen zum Gold) gewesen, um Schrittweise immer neue Dinge zu lernen und so in kleinen Schritten vorwärts zu kommen.

  4. Katja

    Mein Sohn hat letztes Jahr auch das Seepferdchen absolviert. Es war ein guter Ansporn. Dass das mit Schwimmen können noch nichts zu tun hat, ist auch klar. Ich finde man hätte sich lieber noch eine Zwischenstufe einfallen lassen sollen, um die Kinder zu motivieren. Von 25m auf 200m ist halt gleich ein großer Sprung, wenn man nicht im Verein ist oder das Bad um die Ecke. Bei der Zwischenstufe hätte man dann meinetwegen schon auf Schwimmstil achten können.

    1. Thomas Beckers

      Hallo Katja,
      es gibt noch einen Zwischenschritt! Das Seeräuber-Abzeichen: 100m Schwimmen – 5m Antauchen und dabei einen Ring aus ca. 2m rauftauchen.

      1. Katja

        Hallo Thomas, danke für den Hinweis. Hab gleich mal nachgelesen. Diese DSV Schwimmabzeichen kannte ich bisher nicht. Das ist tatsächlich eine Option.

  5. Mami2+1

    Bei meinen Kindern hat der Prüfer beim Seepferdchen auch Gefahrensituationen gestellt und ist mit kleiner Arschbombe ein Stück vor dem schwimmenden Kind ins Wasser gesprungen. Oder er hat das Kind ein Stück weggeworfen und es sollte zu ihm nach dem Auftauchen zurückschwimmen. Das Kind sollte zeigen, dass es trotzdem weiterschwimmen und sich orientieren kann. Das fand ich super, denn das sind alltägliche kritische Situationen für Schwimmanfänger. Solche Dinge hätte ich mir gewünscht bei der Überarbeitung.

  6. Marco

    Ich habe in den 80ern meine Abzeichen gemacht, und in meinem Ausweis stehen noch strengere Vorgaben als die jetzt neu gültigen . Z.b. Dauerschwimmen 15/30/60 Minuten. Also müssen irgendwann mal die Anforderungen bereits gesenkt worden sein .

  7. Julia

    Was genau bedeutet denn “Die Änderungen traten am 1. Januar 2020 in Kraft, wobei für dieses Jahr eine Übergangsfrist gilt, in der auch die alten Pässe und Urkunden noch verwendet werden dürfen” ?
    Mein Sohn hat bereits in 2018 seinen ersten Schwimmkurs gemacht, damals aber das Seepferdchen noch nicht bestanden. Im Nov / Dez 2019 fing er einen weiteren Anfänger-Schwimmkurs an. Durch die Weihnachtsferien zog sich das ganze bis in den Januar. Gestern war er mit seinem Vater im Schwimmbad und ist ganz locker mehrfach hintereinander eine ganze Bahn geschwommen. Tauchen war eh kein Problem.
    Ganz stolz zeigte er alles der Bademeisterin, die ihn lobte, aber sagte, dass sie ihm das Seepferdchen nicht geben könne, da sich die Anforderungen geändert haben!!!
    Das ist mal Motivation für einen 7jährigen, der so lange auf ein Ziel hingearbeitet hat!
    Ich werde ihm das Seepferdchen nun selbst verleihen und ihm eine Urkunde basteln.
    Daher nun meine Frage, was genau diese Übergangsfrist bedeutet?

  8. Martin

    Sollte es nicht das Ziel sein, den Prozentsatz jener Kinder, die sicher schwimmen können, zu vergrößern? Dass nun die Hürden für den Erwerb eines Abzeichens erhöht werden, dürfte wohl eher bewirken, dass immer mehr Kinder (bzw. Eltern) darauf verzichten werden. Insofern eine m.M.n. eher kontraproduktive Maßnahme.

    1. Karsten Aurich

      Ins Wasser ausatmen finde ich total übertrieben. Warum musste diese Änderung sein? Es motiviert weder Kinder noch Eltern das Seepferdchen abzulegen. Am Wichtigsten ist doch meines Erachtens, dass die Kinder ein realisierbares Ziel haben und dadurch motiviert sind das Schwimmen zu erlernen.
      Man wird sehen, wie sich die Zahl der abgelegten Seepferdchen entwickelt.

  9. Claudia Eppinger

    Typisch deutsch. Für alles ein Abzeichen. Ich kann sehr gut schwimmen und habe mein ganzes Leben weder ein Bronze, Silber oder Goldabzeichen verschwommen und ich habe es überlebt.

  10. Marc

    Seepferdchen:
    Ist den “Entscheidern” eigentlich klar das da 5 Jähre i.d.R. dieses Abzeichen machen?
    Diese sollen alternativ Rückenschwimmen machen?
    Bei uns im Kurs schwimmen alle Brust und sowas wie “Hundepaddeln” gibs da nicht. Das jetzt aber darauf geachtet wird das Unterwasser ausgeathmet wird…. Das machen nicht mal die meisten Erwachsenen….

    Klar kann man sagen die sollen es gleich richtig lernen…aber in der Schule dürfen die Kinder losschreiben wie sie lustig sind da interessiert keinen die Rechtschreibung. Hauptsache es sieht nicht aus wie Runenschrift…

    Man hat als Elternteil eh manchmal zu tun das Kind zu motivieren. Und jetzt das…Da hat das Kind ja richtig Lust gleich noch den zweiten Schwimmkurs zu machen wenns praktisch niemand schafft.
    Doch lieber mehrere kleine Anreize als die wenigen die dann auch noch schwer erreichbar sind.

    Klar man muss ja was ändern sonst ist die Organisation ja ohne Zweck. Aber ihre Webseite bekommen sie nicht lauffähig…wenn man das ITPferdchen nicht schafft sollte man es besser lassen…

    1. Karsten Aurich

      Dem ist meines Erachtens nichts hizuzufügen. Was soll diese Verschärfung?

  11. lars

    Mein Sohn (6) ist einer der Ersten, der in den Genuss der neuen Verordnung kommt. In seinem Schwimmkurs Bronze sind 10 Kinder im Alter zwischen 6 und 8 Jahre. Jetzt zur Kurs-Halbzeit, haben die Schwimmlehrer uns mitgeteilt, das kein Kind diesen Schwimmkurs bestehen kann/wird.
    Gut, der Schwimmkurs wird bei meinem Sohn das Schwimmen deutlich verbessern, aber ist das Sinn dabei, wenn es kein Kind mehr schafft, die Prüfung zu bestehen ? Da wundert es ja auch nicht, wenn es heißt, die Kinder können nicht mehr schwimmen – reine Definitionsfrage oder überhöhtes Anspruchsdenken.

Kommentar verfassen