Nur ein „Weltrekord“ und viele Fragezeichen: Die sportliche Bilanz der Doping-Spiele ist ernüchternd

Was bleibt von den sogenannten Doping-Spielen? Ein „Weltrekord“, der keiner ist, Zweifel an der Zeitmessung – und die Erkenntnis, dass Doping keine Garantie für Weltklasseleistungen ist.

Jo Kleindl Marius Kusch nahm als einziger deutscher Sportler an den Wettkämpfen teil.

Die große Revolution des Sports blieb aus. Nach den ersten „Enhanced Games“ in Las Vegas fällt die sportliche Bilanz ziemlich ernüchternd aus. Zwar schwamm der Grieche Kristian Gkolomeev über 50 Meter Freistil 20,81 Sekunden und damit 0,07 Sekunden schneller als der offizielle Weltrekord. Anerkannt wird die Zeit wegen erlaubter Dopingmittel und verbotener Hightech-Anzüge allerdings selbstverständlich nicht.

Und selbst dieses eine spektakuläre Resultat, erzielt im allerletzten Wettbewerb der sechsstündigen Show mit Gewichtheben, 100-Meter-Lauf und Schwimmen, sorgte sofort für Diskussionen. Viele Zuschauer wunderten sich darüber, dass die Uhr auf den TV-Bildern bereits vor dem letzten Zug des Schwimmers stoppte. In sozialen Netzwerken machte daraufhin schnell der spöttische Kommentar die Runde, bei den Enhanced Games seien womöglich nicht nur die Athleten „enhanced“, also „verbessert“, sondern auch die Zeitmessung. Die Organisatoren weisen jeden Verdacht auf Manipulation zurück.

Keine Leistungsexplosion

Noch schwerer wiegt, dass die angekündigte Leistungsexplosion komplett ausblieb. Die Veranstalter hatten im Vorfeld den Eindruck erweckt, pharmakologische Unterstützung werde den Sport in neue Dimensionen katapultieren. Tatsächlich passierte eher das Gegenteil. Viele Athleten blieben deutlich hinter früheren Bestleistungen zurück, manche wurden sogar von angeblich „sauberen“ Konkurrenten geschlagen und wären mit ihren Zeiten nicht einmal in die Nähe eines olympischen Finals gekommen. Die Erkenntnis: Doping allein macht eben noch keinen Ausnahmeathleten.

Gerade im Schwimmen zeigte sich eindrucksvoll, dass Weltklasseleistungen aus weit mehr bestehen als aus Testosteron, Wachstumshormonen oder anderen verbotenen Substanzen. Technik und Wassergefühl lassen sich nicht einfach ersetzen.

Imageschaden, aber viel Geld für Kusch

Aus deutscher Sicht rückte vor allem Marius Kusch in den Fokus. Der frühere Europameister hatte sich offen zu dem Projekt bekannt und dafür in Deutschland viel Gegenwind bekommen. Der 33-Jährige machte kein Hehl daraus, hauptsächlich wegen der Aussicht auf viel Geld mitzumachen. Den Imageschaden nahm er dafür in Kauf. Finanziell dürfte sich der Auftritt gelohnt haben. Neben einer Antrittsgage kassierte Kusch für seinen Sieg über 100 Meter Schmetterling und Rang drei über 50 Meter Schmetterling insgesamt 325.000 Euro Preisgeld.

Die Veranstalter der Enhanced Games wollen langfristig von einer Gesellschaft profitieren, die an Optimierung glaubt. Die Sportlerinnen und Sportler dienten für sie als Werbemittel. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Aus sportlicher Sicht bleibt von den ersten Doping-Spielen allerdings nicht viel übrig: viel Lärm, um fragwürdige Wettbewerbe, ein inoffizieller Weltrekord und die Erkenntnis, dass Spitzenleistungen mehr brauchen als ein paar unerlaubte Pillen.

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Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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