Schwimmen in der Alster – wer das als Hamburger bisher einmal erleben wollte, musste sich für einen Triathlon anmelden. Im Zuge der Olympiabewerbung der Hansestadt nimmt nun auch die Idee einer permanenten Badestelle Gestalt an.
Was lange nach Wunschdenken klang, nimmt in Hamburg nun Gestalt an. Der Senat der Freien und Hansestadt sowie der Badbetreiber Bäderland haben erste Visualisierungen für eine neue öffentliche Badestelle am Standort Schwanenwik vorgestellt. Geplant ist ein modernes Naturfreibad nach skandinavischem Vorbild, das Schwimmen, Aufenthalt am Wasser und Naturschutz zusammenbringen soll.
Senat zeigt erste Pläne fürs Naturfreibad an der Alster
Die Planungen für eine Badestelle in der Außenalster werden konkreter: Am Montag präsentierten Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, die zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank sowie Sportsenator Andy Grote gemeinsam mit Bäderland erste Bilder und Grundideen. Der Standort Schwanenwik gelte dabei als besonders geeignet, weil er historisch bereits als Badeort genutzt wurde – und weil sich dort, so die bisherigen Prüfungen, ein Konzept entwickeln ließe, das mit Naturschutz und den vielfältigen Nutzungen auf der Alster vereinbar ist.
Inhaltlich setzen die Entwürfe auf ein „Naturbad“ statt klassischem Chlorbecken: Das Wasser soll aus der Alster kommen und für den Badebetrieb biologisch aufbereitet werden. Der Ansatz erinnert an urbane Hafenbäder in Kopenhagen oder an Badezonen in Oslo – Orte, die nicht nur im Sommer funktionieren, sondern als öffentliche Räume am Wasser ganzjährig Anziehungspunkte sind. Auch in Hamburg ist diese Perspektive Teil der Idee: ein Ort zum Schwimmen, Begegnen und Verweilen, bewusst niedrigschwellig und „kein Edeltempel“, wie Bäderland-Geschäftsführerin Susan Zetzmann betont.
Politisch wird das Projekt zugleich als Baustein für mehr Lebensqualität und mehr Schwimmangebote gelesen. Tschentscher spricht von einer „realistischen Perspektive“, einen historischen Ort wieder zu öffnen und Hamburg als „attraktive Stadt am Wasser“ weiter zu stärken. Fegebank knüpft daran die Erwartung, dass „bald wieder sicher in der Alster zu schwimmen“ für viele Menschen in der Stadt ein echter Gewinn wäre – vorausgesetzt, Wasserqualität und Schutz der Natur werden dauerhaft verlässlich gewährleistet. Sportsenator Grote wiederum verknüpft die Dynamik auch mit der Olympiabewerbung: Die Alster spielt dort als Kulisse und Wettkampfort eine Rolle, gleichzeitig soll die Schwimmausbildung gestärkt werden – im Idealfall könnten Kinder später sogar in der Alster schwimmen lernen.
Schwanenwik im Fokus: Filter, Becken und Alsterwiese neu
Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Am Schwanenwik eröffnete bereits 1869 eine öffentliche Badeanstalt, die später – im Zweiten Weltkrieg – zurückgebaut wurde. Nun soll an diese Tradition des innerstädtischen Badens angeknüpft werden, allerdings mit einem zeitgemäßen, ökologisch gedachten Konzept. Zentral ist dabei ein biologisches Filtersystem, das das Alsterwasser für den Badebetrieb aufbereiten soll, ohne den Charakter des Gewässers und der Uferzonen zu beeinträchtigen.
Konkret ist eine Kombination aus Schilfzonen am Ufer und ergänzender Filtertechnik im Bereich der Steganlagen vorgesehen. Die Idee: Natur und Technik sollen gemeinsam dafür sorgen, dass die Wasserqualität stabil bleibt und sensible Uferbereiche geschützt werden. Architektin Magdalena Weiss beschreibt den Ansatz als „wenige Eingriffe“ mit großer Wirkung: Die Schilfzone soll bestehen bleiben, unter dem Becken könnte ein geschützter Raum für Fische entstehen. Zudem ist eine Konstruktion aus Holz und Stahl angedacht, die rückbaubar wäre. Das Filtersystem könnte mit Solarenergie betrieben werden, das Bad selbst wäre bewusst unbeheizt.
Die Visualisierungen zeigen ein Schwimmbecken sowie zwei separate Kinderbecken. Damit der beliebte Charakter der Schwanenwikwiese als Treffpunkt erhalten bleibt, ist die Anlage in der Landschaft zurückhaltend platziert. Ergänzend wird ein begehbarer Hügel im nordöstlichen Bereich diskutiert, der neue Aufenthaltsqualität schaffen und einen weiten Blick über die Außenalster ermöglichen könnte. In diesem Bereich soll auch die nötige Infrastruktur Platz finden: Umkleiden, Duschen, Sanitäranlagen und ein gastronomisches Angebot.
Mit der Vorstellung der ersten Bilder beginnt allerdings erst die entscheidende Detailphase. Als nächste Schritte stehen vertiefte Machbarkeits- und Sicherheitsprüfungen an – von Wasseraufbereitung und Naturschutz über Betriebskonzepte bis hin zur Finanzierung. Außerdem müssen andere Nutzungen der Außenalster sinnvoll integriert werden, etwa die weiße Flotte der Alsterdampfer oder die Interessen von Ruderern, Seglern und weiteren Wassersportlern. Parallel prüfen Bäderland und die Behörden zusätzliche Standorte im Stadtgebiet – von Stadtentwicklungsgebieten wie Harburger Binnenhafen oder Billebogen bis hin zu weiteren grundsätzlich geeigneten Wasserflächen.
Mit dem Naturfreibad am Schwanenwik könnte Hamburg ein Stück Alster-Geschichte in die Gegenwart holen – als offener, öffentlicher Badeort mitten in der Stadt. Entscheidend wird sein, ob das ökologische Versprechen hält: sauberes Wasser, geschützte Ufer, sichere Abläufe und ein Betrieb, der für viele nutzbar bleibt. Gelingt das, wäre das Alsterbad nicht nur ein neues Sommerziel, sondern ein Signal dafür, dass die „Stadt am Wasser“ ihr wichtigstes Element wieder stärker gemeinschaftlich erlebbar macht.