Freitag, 7. Juni 2024

16, 18, 20 Grad | Welche Temperaturregeln gelten bei Freiwasserschwimmen und Triathlon?

Die Meinungen über Neoprenanzüge gehen auseinander. Fakt ist: Wenn das Wasser kalt ist, ist der Wetsuit eine große Hilfe.

Michael Rauschendorfer Geliebt und gehasst: Der Neoprenanzug im Freiwasserschwimmen.

Neopren ist das Material der Wahl, wenn das Wasser kalt ist. Beim Sprung ins Wasser bildet sich auf der Innenseite des Gummianzugs ein dünner Film, der sich durch Hautkontakt aufheizt und den Schwimmer oder die Schwimmerin wärmt. Auf diese Weise lässt es sich deutlich länger, angenehmer und auch sicherer im kalten Wasser aushalten. Nebenbei hat der Neoprenanzug durch die eingeschlossenen Luftbläschen im Material einen starken Auftriebseffekt.

Die verbesserte Wasserlage beim Schwimmen mit Neoprenanzug und die spezielle Oberflächenbeschichtung des Materials sorgen in der Summe für schnelle Schwimmzeiten. Pro Hundert Meter bringt ein guter Wetsuit schon mal mehrere Sekunden Zeitvorteil. Hinzu kommt, dass der Organismus weniger Energie für die Thermoregulation aufwenden muss. Die genannten Vorteile des Neoprenmaterials spalten die Open-Water-Community seit der Zulassung der Anzüge im Jahr 2017. Während Freiwasser-Puristen auf die Tradition pochen und häufig die Meinung vertreten, es liege im Kern der Sportart, auch mit schwierigen Bedingungen zurechtzukommen, sehen andere Athletinnen und Athleten die Sache pragmatischer. Sie wollen niemanden vom Freiwasserschwimmen abhalten und verweisen außerdem auf den Sicherheitsaspekt.

Offizieller Wettkampf oder Jedermannschwimmen?

Kurz gesagt: Bei einem Jedermannrennen bestimmt der Veranstalter die Spielregeln und dieser kann einen Neo vorschreiben oder verbieten. Geht es um ein Meisterschaftsrennen gelten die klaren Vorgaben des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV). Um sicherzugehen, hilft ein Blick in die Wettkampf-Ausschreibung. Zwei Beispiele: Beim Glücksburger Fördecrossing ist das Tragen eines Neoprenanzugs für alle Teilnehmenden Pflicht. Die ausrichtende DLRG gibt die erwartete Temperatur für das Schwimmen in der Flensburger Förde mit 15-22 Grad Celsius an. Beim Sundschwimmen der DLRG Stralsund wird dagegen traditionell ohne Wetsuit in der Ostsee geschwommen. Hier richten sich die Veranstalter nach den Vorgaben des DSV.

Bei allen offiziell über den DSV ausgerichtete Veranstaltungen, dazu zählen in jedem Fall die jährlichen Deutschen Freiwasser-Meisterschaften und die Landesmeisterschaften, muss am Wettkampftag die Wassertemperatur bestimmt werden, und zwar zwei Stunden vor dem ersten Start, in der Mitte des Kurses und in einer Tiefe von 0,4 Metern. Dabei muss ein Schiedsrichter anwesend sein. Das Messergebnis ist den Athletinnen und Athleten vor dem Start mitzuteilen.

DSV-Regularien zur Wassertemperatur

TemperaturFolgen
unter 16 Grades findet kein Schwimmen statt
16-18 Gradein Neoprenanzug ist Pflicht
18 GradMindesttemperatur für Masters
über 18 Gradein Neoprenanzug ist verboten
über 31 Grades findet kein Schwimmen statt

Durch die 18 Grad Mindesttemperatur bei reinen Masters-Wettkämpfen sind Neoprenanzüge bei diesen Rennen nicht zugelassen. Dies gilt nicht, wenn Masters in der offenen Klasse an den Start gehen. Welche konkreten Anforderungen an einen Schwimm-Neoprenanzug bestehen und wie du den richtigen Wetsuit für dich finden kannst, kannst du hier nachlesen.

Triathlon: Bis 24 Grad mit Neo

Im Triathlon sind die Regeln anders und richten sich nach Wettkampfklasse, Alter und Streckenlänge. Generell darf im Triathlon auch bei höheren Wassertemperaturen noch im Neoprenanzug geschwommen werden.

Regularien zur Wassertemperatur im Triathlon

DistanzAltersklasseWassertemperturFolgen
bis 1.500 mElite14-15,9 GradNeo-Pflicht
16-19,9 GradNeo optional
ab 20,0 GradNeo-Verbot
bis AK5514-15,9 GradNeo-Pflicht
16-21,9 GradNeo optional
ab 22,0 GradNeo-Verbot
ab AK6014-15,9 GradNeo-Pflicht
16-24,5 GradNeo optional
ab 24,6 GradNeo-Verbot
ab 1.501 mElite14-15,9 GradNeo-Pflicht
16-21,9 GradNeo optional
ab 22,0 GradNeo-Verbot
alle AKs14-15,9 GradNeo-Pflicht
16-24,5 GradNeo optional
ab 24,6 GradNeo-Verbot
Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.