Montag, 22. April 2024

Deutsche Meisterschaften im Eisschwimmen | Zollhaus Open mit Rekordbeteiligung

Bei den Deutschen Meisterschaften im Eisschwimmen waren am letzten Februarsamstag knapp 200 Sportlerinnen und Sportler aus 13 Nationen am Start. Ein neuer Rekord. Geschwommen wurde in einem kleinen See in Sachsen. Unser Autor war dabei.

Die Sonne lacht vom tief blauen Himmel – sieht aus wie im Sommer. Das Wasser in dem keinen See, der zum Hotel Altes Zollhaus in Neuhermsdorf in Sachsen gehört, ist trotzdem ganz schön kalt. Speziell für die Schwimmerinnen und Schwimmer, die zum Auftakt der Deutschen Meisterschaften im Eisschwimmen die Mammutstrecke absolvieren: die 1.000 Meter. Falls bei diesen Zollhaus Open indes neue Rekorde geschwommen werden sollten, die gelten nicht. Leider. Das Wasser ist mit rund sechs Grad nämlich nicht kalt genug. Unter fünf Grad wären nötig. Egal. Wer bei diesem Wettbewerb gewinnt, ist Deutscher Meister beziehungsweise Deutsche Meisterin.

Den Titel über die 1.000 Meter in der offenen Wertung bei den Frauen holt sich Kerstin Thomas vom SV Cannstatt (15:53 Minuten), bei den Männern gewinnt ein bestens bekannter Wiederholungstäter: der deutsche Mister Eisschwimmen, Christof „Wandi“ Wandratsch vom Eisschwimmverein KeepFrozen (13:50 Minuten).

Martin Tschepe Für die Zollhaus Open werden Leinen in einen See gespannt.

Die wahren Helden brauchen länger

Für viele – Zuschauer wie Sportler – sind indes ganz andere die wahren Helden und Heldinnen des Tages: jene Männer und Frauen, die richtig langsam schwimmen, viel, viel länger im Wasser sind als die Stars und dennoch in Ziel kommen. Martina Liu zum Beispiel, sie ist fast eine halbe Stunde lang im eiskalten See – und steigt nach dem Anschlag mit einem breiten Grinsen im Gesicht aus dem Wasser. Der Wandi sagt zu dieser Glanzleistung lapidar: „Ich war noch nie länger als 21 Minuten im Eiswasser“ – bei einer Eismeilen (1.609 Meter).    

Auch die Veranstalter sind happy: Gerrit Curcio, der Betreiber des Alten Zollhauses und selbst seit Jahrzehnten Topschwimmer, erzählt von einer Rekordteilnehmerzahl. Am Start seien insgesamt 181 Eisschwimmer und Eisschwimmerinnen aus 13 Ländern. „Wir sind in diesem Winter das zweitgrößte Eisschwimm-Event weltweit, nach den Europameisterschaften in Rumänien.“

Mit dabei sind auch Sportlerinnen und Sportler aus Griechenland, Israel, Spanien und Großbritannien, sowohl Immer-wieder-Schwimmer wie Christof Wandratsch und Kerstin Thomas, aber auch Neulinge wie Uwe Stammer von der Nordseeinsel Föhr. Der Mann hat erst in diesem Sommer angefangen, regelmäßig zu schwimmen. Regelmäßig ist eigentlich untertrieben, denn der Kaufmann aus der Inselhauptstadt Wyk ist seit Anfang September tagtäglich im Meer. Er hat auf Föhr einen kleinen Hype ausgelöst und wird von immer mehr Insulanern bei seinen Abenteuern in der kalten Nordsee begleitet. Zu den Zollhaus Open hat er zwei Damen von Föhr mitgebracht: Steffi Potthoff-Sewing und Bea von Reusner. Alle drei schwimmen 100 Meter Brust, Uwe Stammer zusätzlich die 50 Meter Freistil.

Nächstes Jahr wieder!

Samstagnachmittag, die 50 Meter Freistil und die 50 Meter Delfin sind längst geschwommen. Gerrit Curcio hat die kurze Freistilstrecke in der offenen Klasse gewonnen (30,3 Sekunden), sein Sohn Aaron Curcio den Delfinsprint (32,9 Sekunden). Uwe Stammer von Föhr hat für die allerersten 50 Meter Freistil seines Lebens 39 Sekunden benötigt – und ist top zufrieden. Gegen 15 Uhr steht er schon wieder am Start. 100 Meter Brust. Nach 1:59 Minuten ist auch seine zweite Strecke geschafft. Uwe Stammer strahlt jetzt quasi mit der Sonne am Himmel um die Wette – und sagt, er werde sicherlich wieder kommen zu den Zollhaus Open und im nächsten Jahr vielleicht ein paar mehr Insulaner mitbringen ins sächsische Erzgebirge.

Zu den erfolgreichsten Männern und Frauen bei den Zollhaus Open 2024 gehören Sarah Anne Richter von der SSG 81 Erlangen. Sie gewinnt mehrere Rennen in der offenen Wertung, unter anderem die 100 Meter Brust (1:28,4 Minuten). Zudem sammeln die Para-Schwimmer Tina Deeken und Joseph Rothenaicher fleißig Titel.

Staffel zum Abschluss           

Zum Abschluss des grandiosen Wettkampfs im deutsch-tschechischen Grenzgebiets stehen die Mixed-Staffel über 4×50 Meter Freistil an: Der Sieg geht – wie im Vorjahr – an den Nord-Süd-Express (2:19 Minuten). Am Abend bei der Siegerehrung verkünden die Veranstalter, dass die Zollhaus Open im kommenden Winter wieder am letzten Wochenende im Februar ausgetragen werden sollen, eventuell am zwei Tagen statt an nur einem Tag – und womöglich mit weiteren Stecken, etwa 25 Meter und 500 Meter.

Unser Swim-Autor verlässt die Zollhaus Open übrigens auch mit einem Grinsen im Gesicht – und als Deutscher Meister. Martin Tschepe, Anne Sarah Richter sowie Kathrin Runge und Stefan Runge sind der Nord-Süd-Express, der alle anderen 15 Staffel-Team abgehängt hat.

Martin Tschepe
Martin Tschepehttp://www.bahn9.de/
Martin Tschepe ist freier Autor, Swimguide, Freiwasser- und Eisschwimmer des SV Ludwigsburg.

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