Kraul rückwärts

Rückwärtsschwimmen ist eine tolle Übung für mehr Wassergefühl und bessere Koordination. Doch sie hat es in sich: Beim Schwimmen im Rückwärtsgang fühlen sich Profis wieder wie Anfänger.

| 21. März 2018 | TRAINING

Beim Rückwärtsschwimmen führen Sie alle Bewegungen rückwärts aus.

Beim Rückwärtsschwimmen führen Sie alle Bewegungen rückwärts aus.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Haie und Delfine stehen hoch im Kurs, wenn wir Schwimmer an unsere tierischen Vorbilder denken. Scheinbar mühelos sausen diese Superschwimmer durch die Ozeane, mit harmonischen Flossenbewegungen schweben sie elegant und schnell durchs Wasser. Doch wussten Sie, dass weder Haie noch Delfine in der Lage sind, rückwärts zu schwimmen? Es klingt absurd und ist trotzdem wahr: 24 Stunden am Tag machen sie nichts anderes als schwimmen, und dennoch ist es ihnen nicht vergönnt, einmal im Leben in die entgegengesetzte Richtung zu schwimmen. Dasselbe gilt für Wale und die meisten Fische. Nur Tiere, die sich wellenartig fortbewegen, schaffen das. Aale zum Beispiel.

Sehen Sie im Video: Philip Heintz schwimmt rückwärts

Koordination und Gefühl

Woran liegt das? Vielleicht hat es Mutter Natur einfach nicht vorgesehen, Haie und Delfine rückwärts schwimmen zu lassen. Oder sie schwimmen vorwärts bereits so gut, dass sie es nicht brauchen. Für uns Menschen ist die Technikübung „Rückwärtsschwimmen“ nämlich eine Möglichkeit, bessere Vorwärtsschwimmer zu werden. Dazu bedarf es allerdings etwas Geduld, denn Rückwärtsschwimmen zählt eindeutig zu den schwierigeren Technikübungen und verlangt im Training etwas Hartnäckigkeit. Hinzu kommt, dass sich der Sinn dieser Übungen nicht jedem sofort erschließt, denn gerade zu Beginn kann leicht das Gefühl aufkommen, man befände sich zum ersten Mal überhaupt im Wasser. Selbst erfahrene Athleten fangen dann wieder bei null an.

Es geht um Koordination und ­Orientierung, um Wasserlage und ganz viel Gefühl. Wenn Sie versuchen, den tausendfach geübten Ablauf des Kraularmzugs umzudrehen und fußwärts zu schwimmen, werden Sie viel nachdenken müssen – bewusst und unbewusst. Wie erzeugen Sie Druck und Vortrieb? Wie führen Sie die Arme möglichst effektiv durchs ­Wasser und danach zurück in die Ausgangsposition? Was machen die Beine und der Kopf? Fast zwangsläufig stellen Sie sich diese Fragen über den optimalen Bewegungs­ablauf und machen sich bewusst, ­worauf es beim Armzug eigentlich ankommt. Lassen Sie sich nicht davon abhalten, dass Sie zunächst kaum vorwärtskommen und die Übung vielleicht sogar frustriert verfluchen. Es lohnt sich, dranzubleiben! Wenn Sie wieder in die richtige Richtung schwimmen, werden Ihnen die neuen Eindrücke und Bewegungserfahrungen nach einiger Zeit zugutekommen.

Alle Schwimmstile

Rückwärtsschwimmen ist koordinativ anspruchsvoll, dazu anstrengend und ziemlich langsam. Allzu viele Meter müssen es im Training deshalb nicht sein. Hin und wieder zwei- bis viermal 25 Meter reichen völlig aus. Wenn Sie Geschmack an dieser Übung finden, werden Sie es bald auch in den anderen drei Schwimmstilen versuchen wollen. Und wenn nicht? Dann können Sie trotzdem ­etwas, das Haie und Delfine nicht können.

So geht’s

Führen Sie die Kraultechnik in exakt umgekehrter Richtung durch. Schwimmen Sie also mit den Füßen voran und führen Sie Ihre Arme über Wasser aus der Streckposition vor dem Kopf bis zum Oberschenkel. Von dort ziehen Sie unter Wasser zurück in die Ausgangsposition, wobei Sie die Handflächen und Unterarme als Antriebsflächen nutzen. Unterstützen Sie die Wasserlage durch einen ganz leichten Beinschlag. Bleiben Sie dran, wenn es nicht gleich läuft und sie sehr langsam schwimmen. Es ist noch kein Rückwärts-Schwimm-Meister vom Himmel gefallen.

Übungen

4 x 50 m Kraul (25 m rückwärts +  25 m vorwärts)

2 x 25 m Kraul rückwärts ge­steigert

400 m Kraul (jede 4. Bahn rückwärts)

100 m Lagen rückwärts