Dienstag, 18. Juni 2024

„Frieren, um zu wärmen“ | Eisbaden mit Haltung

Beim Schwimmen und Baden in eisigen Gewässern muss es nicht immer um länger, kälter oder schneller gehen. Die „Eisbademeisters“ frieren jede Woche für den guten Zweck.

Peter Jacob Jede Woche unterstützen die Eisbademeisters ein anderes Projekt.

Eben stehen alle noch warm eingepackt am Strand, einen warmen Tee in der Hand. Dann geht es plötzlich schnell. „7,6 Grad hat die Elbe heute – dreieinhalb weniger als letzte Woche“, verkündet Klaus von den Eisbademeisters Hamburg. Kurzes Seufzen bei den Umstehenden, dann fallen die Handtücher auf den Elbstrand und ruckzuck stehen die ersten bis zu den Knien im kalten Flusswasser. Jetzt hat jeder sein eigenes Rezept. Kilian, ein junger Mann, sagt, ihm falle das Reingehen leichter, wenn er dabei singt. Finn und Maja, ein Paar aus der Gegend, versuchen es Hand in Hand. Während die einen erst Arme und Schultern benetzen und sich Schritt für Schritt hineinwagen, wählen andere die Hau-Ruck-Methode: schnell rein, schnell wieder raus.

Es ist November und das erste richtig kalte Wochen­ende in Hamburg mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Aber die Sonne strahlt über die Hafenkräne hinweg aufs Wasser und die Menschen kommen. 91 sind an diesem Samstag bei dem Happening dabei, manchmal kommen auch 200 und mehr. Sie alle sind bereit für ein kurzes Eisbad. Motto: Frieren, um andere zu wärmen. Denn mit dem Bad in der Elbe werden soziale Projekte unterstützt und diesmal ist es eine Organisation, die sich für Obdachlose einsetzt. Das Geld, 25 Euro pro Eisbader, spendet heute eine Gerüstbaufirma. Insgesamt kommen 2.275 Euro zusammen. Ob Arztmobil, Kältebus, Palliativ-Verein oder Tafel, jede Woche wird eine andere Hilfsorganisation unterstützt und Mitte Januar gab es beim „Eisbaden gegen Rechts“ eine Special Edition. 1,5 Grad war das Wasser an diesem Tag kalt, trotzdem kamen 120 Menschen und ein TV-Team. Den Bericht gibt es hier.

Peter Jacob Auf „Los!“ geht’s los: Gemeinsam überwinden die Teilnehmer den Schweinehund.

„Wir ­leiden, damit ihr nicht leiden müsst“

„Wir sind jede Woche hier, von November bis März“, sagt Franziska, die wie Klaus zu den Initiatoren gehört. Geschwommen wird im Wechsel samstags um 11 und freitags um 16 Uhr. Die genauen Termine gibt es auf der Website. Die Teilnahme ist kostenlos. Aber warum eigentlich das kalte Wasser? „Die Idee stammt aus Rostock, wo es ebenfalls Eisbademeisters gibt. Das Motto dahinter: Wir ­‚leiden‘, damit ihr nicht leiden müsst“.

An der Elbe ist die Show nach 30 Minuten vorbei. Ohnehin halten es nur wenige länger als ein paar Minuten im Wasser aus. Jetzt wird heißer Tee aus Thermosbechern geschlürft und erzählt, wie es war. Maja sagt, sie habe Schlimmeres befürchtet, und Kilian war sogar zweimal drin. Beide betonen, dass sie normalerweise niemals im November in die Elbe springen würden. Für den guten Zweck tun sie es trotzdem. Und nächste Woche ­wollen sie wiederkommen.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.