Neckarsulm stellt Training ein | In Hamburg und Magdeburg wird noch geschwommen

Selbst innerhalb Deutschlands unterscheiden sich die Trainingsmöglichkeiten drastisch. Während an einigen Stützpunkten weiter geschwommen wird, sitzen andere auf dem Trockenen.

Finden die Olympischen Spiele statt oder wird aus Tokio 2020 Tokio 2021 oder 2022? Das IOC hat sich selbst ein vierwöchige Frist gesetzt, bis wann diese Entscheidung fallen soll. Für die Sportler, die im Juli in Japan Höchstleitungen bringen wollten, ist das eine schwierige Situation. Viele berichten über Motivationsprobleme im Training, weil sie nicht mehr wissen, wofür sie sich eigentlich schinden. Während in manchen Sportarten zu Hause mit Notprogrammen trainiert wird, stehen viele Schwimmer auf dem Trockenen. Zwar können auch sie sich mit Zugseiltraining, Athletikübungen, Yoga oder Pilates etwas fit halten, doch für Sportler, die es gewohnt sind, zehnmal in der Woche ins Wasser zu springen, ist an eine effektive Olympiavorbereitung in der Coronakrise nicht mehr zu denken.

Traingsstopp in Neckarsulm

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Fast überall in Deutschland sind die Bäder dicht. Dennoch gibt es für ein paar Handverlesene weiter die Möglichkeit, die Einrichtungen der Olympiastützpunkte zu nutzen – auch die Schwimmbäder. Es gibt auch Stimmen, die sagen, es gleiche einem Berufsverbot, wenn man Sportler nicht trainieren lasse. Bei der Neckarsulmer Sport-Union, dem Team von Bundestrainer Hannes Vitense, hat man sich dagegen entschieden, die Olympiavorbereitung komplett abzubrechen. Letzte Woche erst war die Mannschaft mit der zweifachen Olympiateilnehmerin Annika Bruhn kurzfristig und zwei Tage früher als geplant aus dem Höhentrainingslager in Spanien nach Hause zurückgekehrt. Nun teilte der Club mit, dass man die laufende Olympia-Vorbereitung beenden und einen neuen Anlauf starten werde. “Aus Fairness gegenüber allen Athleten weltweit, setzen wir uns für einen neuen Kurs ein”, heißt es. Und weiter: “Die derzeitige Krise ist größer als Schwimmen und Sport.”

Alexandra Wenk in Essen
Thomas Stuckert Alexandra Wenk schwamm am vorletzten Wochenende noch bei den Fun-Days in Essen.

Wellbrock und Köhler im Wasser

In Hamburg und Magdeburg wird dagegen weiter im Wasser trainiert. In der Hansestadt erhielten die Sportler des Olympiakaders eine Ausnahmegenehmigung, dazu zählt unter anderem die Tokio-Hoffnung Julia Mrozinski. In Magdeburg, wo Bundestrainer Bernd Berkhahn mit Florian Wellbrock, Sarah Köhler, Finnia Wunram und Rob Muffels vier bereits für Tokio qualifizierte Sportler trainiert, erhielt der Stützpunkt von der Stadt grünes Licht zum Weitermachen, berichtete letzte Woche die Magdeburger Volksstimme. “Wer jetzt einen Trainingsausfall von zwei bis drei Wochen hat, der hat auch geringere Chancen auf einen Spitzenplatz bei den Sommerspielen”, sagte Berkhahn dem Blatt.

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Wenk läuft

Alexandra Wenk, Olympiateilnehmerin 2012 und 2016, hat ihr Training auf Homeoffice umgestellt. Die Münchnerin, seit zwei Jahren für Neukölln Berlin aktiv, ist derzeit bei ihren Eltern zu Besuch, wo ihr immerhin ein Fitnessraum mit Laufband, Ergometer und ein paar anderen Geräten zur Verfügung steht. Der Süddeutschen Zeitung sagte die 25-Jährige, dass sie so viel laufe wie nie zuvor in ihrem Leben uns sie davon bereits Muskelkater habe. Von Olympia in diesem Jahr hält sie nichts mehr, diese seien in der jetzigen Situation “absurd und völlig irrelevant”. “Wenn wir wochenlang nicht im Wasser waren, wie sollen wir dann Qualifikationen schwimmen? Da ist keine Basis, kein Fair Play. Und es ist respektlos. Gerade müssen Ärzte in Italien Triage-Entscheidungen treffen, Menschen sterben dort bei vollem Bewusstsein, diese Situation gab es noch nie.”

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