Mittwoch, 22. Mai 2024

WM im Winterschwimmen | „Rekorde sind nicht alles. Bei uns darf jeder mitschwimmen.“

Lars Mack ist Athletensprecher der International Winter Swimming Association und bei der WM in Bled sportlich dabei. Im Interview berichtet der Polizist von einem coolen Wettbewerb mit Spaßfaktor.

IWSA Das deutsche WM-Team in Slowenien.

Fast eine Woche WM im Winterschwimmen ist vorbei. Was bleibt? Der Lake Bled war eine wahres Winter-Wonderland. Überall lag Schnee. Viele glückliche Schwimmer aus aller Welt. Und für mich persönlich war die Reise auch die Rückkehr an den Ort, an dem ich vor fast genau drei Jahren meine Frau Sandy aus Schottland kennengelernt habe.

Wie viele Schwimmerinnen und Schwimmer waren in Bled am Start? Etwa 450. Aus 35 Ländern, unter anderem aus Argentinien und aus der Mongolei. Die jüngste Schwimmerin kam übrigens auch aus der Mongolei, sie ist erst zehn Jahre alt. Der älteste Teilnehmer war 88!

IWSA Lars Maack war in sportlicher und offizieller Mission in Bled dabei.

Bei den gerade erst zu Ende gegangenen Weltmeisterschaften im Eisschwimmen fielen etliche Rekorde. Wurden auch in Bled Bestmarken geknackt? Rekorde sind für die IWSA nicht alles. Aber klar, jeder und jede freut sich über persönliche Bestzeiten. Zu den erfolgreichen WM-Athleten gehören Alisa Fatum aus Leipzig, Tobias Wybierek aus Burghausen und Michael Perl aus Polen. Das Team aus Burghausen war sehr stark. Speziell in den jüngeren Altersklassen habe die Burghausener manche Wettbewerbe komplett dominiert.

Du bist auch geschwommen. Zufrieden? Ich bin zweimal Erster in meiner Altersklasse und fünfmal Zweiter geworden. Aber ich bin mir sicher: fast alle waren zufrieden. Auch, weil es vor Ort Teilnehmerurkunden gab, die man sich nicht selbst ausdrucken musste, sowie schöne Medaillen aus Holz.

Nach der WM ist vor der WM. Wo finden die nächsten IWSA-Weltmeisterschaften statt? Wir haben einen ganz heißen Kandidaten für die coolen Wettkämpfe im Februar 2024. Ich kann aber nur so viel sagen: sicherlich in Zentraleuropa.

Es gibt zwei internationale Verbände, die Weltmeisterschaften ausrichten, die IWSA und die International Ice Swimming Association, die IISA. Warum die Konkurrenz? Wir sehen keine Konkurrenz, sind ganz relaxed. Wir machen unser Ding, bei der IWSA darf jeder und jede mitschwimmen. Wer zum Beispiel über 25 Meter Kraul starten will: welcome! Wer die langen Strecken schwimmen möchte, muss allerdings nachweisen, dass er die 1.000 Meter schon mal geschwommen ist.

IWSA WM-Teilnehmer: Michał Perl, Tobias Wybirek und Kilian Franke.

Manche Eisschwimmer träumen von Olympia, sie wünschen sich, dass Eis- beziehungsweise Winterschwimmen winterolympisch wird. Was sagt die IWSA dazu? Olympia ist für uns kein Thema.

Darum müsste sich also die IISA bemühen? Das wäre doch sinnvoll. Bei der IISA spielen Rekorde eine größere Rolle. Auch die Frage, ob das Wasser weniger als fünf Grad hat oder etwas mehr als fünf – das ist für uns zweitrangig. Der Lake Bled hatte jetzt zwischen 5 und 5,5 Grad. Kein Problem. Bei unserer Weltcupwertung gibt es für eine bestimmte Zeit, die in kälterem Wasser geschwommen wird, eben mehr Punkte als für diese Zeit in wärmerem Wasser. Ganz einfach.

Die IWSA-Saison ist noch nicht zu Ende. Wie geht es weiter? Das letzte IWSA-Weltcuprennen findet am 11. Februar im schwedischen Skeleftea statt. Außerdem stehen noch Wettkämpfe in Belgien und in Schottland auf dem Programm. In naher Zukunft hoffentlich wieder ein Wettkampf in Argentinien.

Letzte Frage: wo schwimmt der Eisschwimmer Lars Mack eigentlich im Sommer? Auf jeden Fall beim 24 Kilometer Downhill-Schwimmen in Finnland im Juli. Und fast den ganzen Juni vor der kleinen, schottischen Insel Colonsay, wo mein Schwiegervater Austern züchtet.

Alle Ergebnisse von der Winterschwimm-WM in Bled gibt es hier.

Martin Tschepe
Martin Tschepehttp://www.bahn9.de/
Martin Tschepe ist freier Autor, Swimguide, Freiwasser- und Eisschwimmer des SV Ludwigsburg.

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