DSV-Präsident Troll
„Wir steuern auf eine Situation zu, in der wir nicht nur einen Jahrgang verlieren“

Wie geht weiter mit dem Lockdown und den Bädern? DSV-Präsident Marco Troll befürchtet langfristige Folgen und warnt davor, eine Generation von Schwimmern zu verlieren.

Am Mittwoch berät Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten über eine Fortsetzung des Lockdowns. Erwartet wird Medienberichten zufolge eine Verlängerung der bisher verhängten Maßnahmen mindestens bis Ende des Monats. Lediglich für Schulen und Kitas werde wohl über Öffnungen und Hybridunterricht beraten, falls die Infektionszahlen weiter sinken, heißt es. Mit Ausnahme des Hochleistungssports wird der Schwimmsport damit wohl noch einige Wochen länger pausieren. In einem Brief an die Kanzlerin und die Regierungschefs der Länder hat DSV-Präsident Marco Troll nun vor langfristigen Auswirkungen der Pandemie gewarnt, die mit einem Weiter-so-wie-bisher auf den Sport und die Gesellschaft zukämen. „In der aktuellen Situation reicht es nicht mehr, nur nach Sichtweite zu steuern“, sagt Troll in einem aktuellen Interview. „Es müssen schon jetzt Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, die uns davor bewahren, langfristig vor Problemen zu stehen, die wir nicht mehr lösen können.“

“Schwimmbäder als Schulen betrachten”

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Troll befürchtet, dass pandemiebedingte Sparmaßnahmen das Bädersterben in Deutschland weiter beschleunigen könnten. „Diese Entwicklung muss unter allen Umständen gestoppt werden. Schwimmbäder sind eine Investition in die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung, sie müssen also eher wie Schulen betrachtet werden“, fordert Troll. Deutschland drohe nicht nur einen Jahrgang zu verlieren, weil dieser in den letzten Monaten nicht schwimmen lernen konnte, sondern eine ganze Generation von Kindern. Viele hätten überhaupt keine Chance mehr, „Schwimmen zu lernen und den Lebensraum Wasser ohne Gefahr für Leib und Leben zu nutzen“.

Troll sagt, in seinem Brief stelle er drei konkrete Forderungen: „ein grundsätzliches Bekenntnis der Bundesregierung zum Kulturgut Schwimmen, die besondere Förderung des organisierten Vereinssports in Pandemiezeiten und das Vertrauen in den organisierten Schwimmsport als Teil der Problemlösung in Zeiten der Pandemiebekämpfung“.

Kein Kreislauf von Öffnungen und Lockdown

Auf eine schnelle Öffnung aller Bäder drängt Troll, der rund 600.000 in den Vereinen organisierte Schwimmerinnen und Schwimmer vertritt, indes nicht. „Die Virus-Mutationen sollten natürlich absolut ernst genommen werden. Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist ein ständiger Kreislauf von Öffnungen und Lockdown.“ Jedoch könne der Vereinssport mit seinen Hygienekonzepten ein Helfer in der Pandemiebekämpfungen sein. Troll fordert kreative Lösungen, „die die Sicherheit der Menschen gewährleisten und gleichzeitig eine Öffnung des Vereinssports ermöglichen.” Es gebe bereits Ansätze, von frühzeitiger Öffnung der Freibäder bis hin zu steuerlichen Erleichterungen für Vereine.

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