Mittwoch, 24. April 2024

Rückhaltebecken, Kläranlagen und Glück | So soll in der Seine geschwommen werden

In weniger als 100 Tagen beginnen die Olympischen Spiele in Paris. Die Freiwasserwettkämpfe sollen in der Seine stattfinden, der Weltcup an gleicher Stelle wurde vergangenes Jahr wegen schlechter Wasserwerte abgesagt.

Frank Wechsel / spomedis

Bei den Olympischen Spielen in Paris soll in der Seine geschwommen werden. Das klingt nach einem guten Plan, um die Wettkämpfe der Bevölkerung nah zu bringen, aber es gibt ein Problem: Das Wasser im Fluss ist nicht sauber genug. Der Freiwasser-Weltcup 2023 wurde deswegen abgesagt, nach einem kurz darauf ausgetragenen Triathlonrennen klagten mehrere Athleten über Durchfall.

Bis zum Sommer soll sich das ändern. Unterirdische Bunker sollen das Abwasser zurückhalten, das sonst ungefiltert in die Seine fließen würde. Denn das ist eines der Grundprobleme für den Schmutz in der Seine: Bei starken Regenfällen laufen die Abwassersysteme über und das verschmutzte Wasser läuft ungefiltert in den Fluss. Ein Rückhaltebecken soll das verhindern, die Wassermassen nach und nach durch das Klärsystem zu leiten.

„Das Wichtigste ist jetzt, dass wir vorbereitet sind“

Vier Jahre hat es gedauert, das Auffangbecken im Bahnhof „Gare d’Austerlitz“ im fünften Pariser Arrondissement zu bauen. Im April soll es fertiggestellt werden und 50.000 Kubikmeter Wasser fassen. Weitere Becken gibt es in angrenzenden Départements. „Das Wichtigste ist jetzt, dass wir vorbereitet sind für die offiziellen Wettkämpfe dieses Sommers – das Marathonschwimmen, den Triathlon und den Paratriathlon“, erklärt Pierre Rabadan, ehemaliger Rugby-Nationalspieler und bei der Stadt Paris verantwortlich für die Olympischen Spiele dem Deutschlandfunk. „Und dass das Baden in der Seine als Erbe der Olympischen Spiele ermöglicht wird. Unser Ziel ist es, die Bewohner von Paris wieder mit ihrem Fluss zu verbinden.“ Im Januar sagte Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, sie wolle im Sommer in der Seine baden.

Das Bad im Fluss hat der ehemalige Rugybspieler bereits im vergangenen Jahr getestet. „Wir haben jeden Tag Proben aus dem Fluss genommen, um zu sagen: ja, man kann darin baden. Die Werte sind unter der Regelgrenze der europäischen Norm“, sagt Rabadan. „Ich werde vor den Olympischen Spielen wieder baden gehen, zusammen mit der Pariser Bürgermeisterin. Natürlich in einem geregelten Rahmen. Man kann in der Seine nicht einfach baden, wo und wie man will.“ Einen Plan B für die olympischen Wettkämpfe gebe es nicht. „Aber wir können die Wettkampftage verlegen. Wir wissen, wie die Seine funktioniert. Bei Sportarten im Freien spielen die Wetter-Bedingungen immer eine Rolle. Die Wettkampfstätte in der Seine ist einmalig, am Fuße des Grand Palais und an der Seite der Pont Alexandre trois“, so Rabadan.

Ein Restrisiko bleibt

1,4 Milliarden Euro seien nötig gewesen, um die Seine für die Wettkämpfe schwimmbar zu machen. „Ohne die Olympischen Spiele wäre diese gemeinsame Anstrengung nicht möglich gewesen. Wir hätten zehn Jahre länger gebraucht, um all das zu realisieren, was wir gerade tun. Wir haben also zehn Jahre gewonnen bei der Verbesserung der Wasserqualität der Seine“, erklärt Antoine Guillou im Deutschlandfunk. Bei der Stadt Paris ist er zuständig für die Abwasserreinigung. Neben den unterirdischen Rückhaltebecken sollen bis zu Beginn der Olympischen Spiele Hausboote und schwimmende Kaffees an das Klärsystem der Stadt anschließen lassen und auch bei Wohnungen, die bisher nicht an das Abwassersystem angeschlossen sind, soll nachgebessert werden. Entscheidend über die Wasserqualität am Wettkampftag wird außerdem der Wasserstand der Seine sein. Es bleibt also ein Restrisiko, wie es bei Wettkämpfen in offenen Gewässern immer ist.

Jule Radeck
Jule Radeck
Jule Radeck studierte Sportwissenschaften, bevor sie als Volontärin nach Hamburg zog. In ihrer Freizeit findet man sie oft im Schwimmbecken, manchmal auf dem Fahrrad und selten beim Laufen.

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