Beine schwimmen für mehr Stabilität und Speed

Große Muskelgruppen, die viel Energie verbrauchen und dabei auch noch relativ wenig Anteil am Gesamtvortrieb haben. Die Meinung über die Beinarbeit im Schwimmen ist häufig nicht die beste. Zu Unrecht.

| 26. Februar 2015 | TRAINING

Füße im Open Water

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Beine schwimmen für mehr Stabilität und Speed

Wenn es im Training ums Beine schwimmen geht, sieht man nur selten begeisterte Gesichter. Man liebt es, oder man liebt es eben nicht. So einfach könnte man sich die Sache machen, wenn da nicht einige Aspekte wären, die ein neues Licht auf die Arbeit der unteren Extremitäten werfen könnte.

Das könnte vor allem dann passieren, wenn man die Beinarbeit einmal gar nicht unter dem prüfenden Licht des Vortriebs betrachtet. Denn das ist es nicht allein, was die Beine zur schwimmerischen Gesamtleistung beitragen. Das merkt man besonders dann, wenn „die Beine nicht da sind“, wie der Schwimmer so sagt, wenn die Beine schwer sind.

Gute Beine verbessern die Waserlage

Die Widerstandskomponenten sind im Schwimmsport eine der größten Hürden, wenn es um schnelles und effizientes Schwimmen geht. Das zähe Medium bremst, wo es nur kann. Und nur mit Geschick und guter Athletik gelangt man als Schwimmer in eine strömungsgünstige Position. Dabei wird häufig vergessen, dass im Schwimmen ähnliche Gesetzmäßigkeiten gelten wie beim Fliegen. Wollen wir buchstäblich abheben, muss an der Unterseite mehr Druck herrschen als auf der oberen. Dann nämlich bewegt sich der Körper oben an der Wasseroberfläche. Jedoch hängt dieser „Anpressdruck“ wesentlich vom Tempo des Körpers ab. Ein Flugzeug benötigt dafür eine recht lange Startbahn. Wer schnell schwimmt, liegt also höher im Wasser! Das ist jedoch manchmal einfacher gesagt als getan.

Taining | Beine-Training sorgt nicht bei allen Schwimmern für Begeisterung.

Beine-Training sorgt nicht bei allen Schwimmern für Begeisterung.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Und da kommen die Beine wieder ins Spiel. Tempo entsteht vor allem dann, wenn der Schwimmer in der Lage ist, seine eingesetzte Armkraft am richtigen Ort und zur richtigen Zeit zu platzieren. Ist der Wasserwiderstand durch hängende oder inaktive Beine zu hoch, verpufft die Investition. Oder anders gesprochen: Sie bremsen sich selbst ab.

Schlau ist also, wer die Beinarbeit so einsetzt, dass er eine optimale Wasserlage erzeugt. Kommt aus der Bewegung sogar noch ein wenig Vortrieb, liegt der Vorteil klar auf der Hand. Folgerichtig trainieren Spitzenschwimmer sehr gezielt die Beinarbeit unter ermüdetem Zustand. Zum Beispiel Katie Ledecki. Die Weltrekordlerin über 400, 800 und 1.500 Meter Freistil platziert intensive Beine-Intervalle wie 8 x 100 Meter oder 16 x 25 Meter ganz bewusst an das Trainingsende, um die Fähigkeit der Beine verbessern, trotz starker Gesamtermüdung noch eine stabile Leistung erbringen zu können.