Handstellung:
Achtung Schaufelgefahr!

Das Wasserfassens umschreibt den Moment, in dem die Antriebsflächen zum ersten Mal Druck aufnehmen und damit für Auf- und Vortrieb sorgen. Die hohe Dichte an feinen Rezeptoren an der Handfläche erhöht jedoch die Gefahr, zu sehr über die Hand zu schwimmen und diese wie eine Schaufel zu wölben. Ein fataler Fehler!

„Versuche, die Hand zu Beginn der Zugphase im Wasser zu verankern!“, lautet eine der Handlungsanweisungen, wenn es um das Wasserfassen geht. Allein schon die Umschreibung des Wasserfassens impliziert, dass man das Wasser greifen, also umschließen soll. Genau dieser Auftrag widerspricht jedoch dem Ziel, eine möglichst große Antriebsfläche zu erzeugen und gewinnbringend zu platzieren.

Diese Antriebsfläche besteht aus der Hand und dem Unterarm. Greift man nun das Wasser buchstäblich mit der Hand und beugt das Handgelenk, wird die gemeinsame Fläche gestört. Die Folge: Die Abdruckimpulse zielen in verschiedene Richtungen. Ein weiterer Nachteil: Selbst wenn die Impulse in die falsche Richtung gehen, muss der Schwimmer immer noch viel Kraft aufwenden, um gegen den Wasserdruck anzugehen. Energie, die falsch investiert wird, mit dem Resultat einer minderen Geschwindigkeit.

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Marco Di Carli Unterwasser
Frank Wechsel / spomedis Optimalerweise bilden Hand und Unterarm unter Wasser eine gemeinsame Fläche.

Schauen Sie sich Ihre Antriebsflächen einmal in dem Moment an, wenn Sie Ihr Handgelenk gebeugt halten. Sie sehen, wie aus einer gewünschten verbundenen Fläche aus Hand und Unterarm zwei unabhängige Antriebsflächen entstehen. Formen Sie die Hand dabei sogar noch zu einer Schaufel, wie es schnell einmal passieren kann, limitieren Sie Ihre Möglichkeiten noch einmal zusätzlich.

20 Prozent kleinere Abdruckfläche

Blicken Sie nun in die gewölbte Hand. Sicher kennen Sie noch die Gesetze von Einfalls- und Ausfallswinkeln. Wirkt das Wasser nun bildlich gesprochen wie ein Druckstrahl auf die gewölbte Innenfläche der Hand, so wird schnell deutlich, wie chaotisch sich die Ausfallswinkel darstellen. Es herrscht ein ziemliches Durcheinander von eintreffenden und ausgehenden Kraftimpulsen. Im Grunde handeln Sie wie ein Parabolspiegel, der versucht, die Strahlen in seiner Mitte zu bündeln. Damit wird die effektive Abdruckfläche folgerichtig jedoch immer kleiner. Sie reduzieren Ihre Antriebsfläche!

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In vergleichbaren Studien aus der Aerodynamik kann man von einer Reduzierung der Antriebsfläche um etwa 20 Prozent ausgehen. Hier gilt es deshalb aufzuhorchen und das Augenmerk neben einer geraden Handfläche, vor allem auch auf ein stabiles Handgelenk zu legen. Damit erzeugen Sie die größtmögliche Fläche. Drücken Sie dann gezielt und kraftvoll gegen das Wasser, sorgt dieser Impuls für einen wirkungsvollen Gegendruck. Dieser Gegendruck ermöglicht es Ihnen, den Abdruck optimal zu platzieren und Vortrieb zu erzeugen.

Kontraproduktiv wirken hierbei übrigens Hilfsmittel wie Neoprenhandschuhe mit eingeschlossenen Schwimmhäuten oder Paddles mit gewölbter Form. Sie provozieren die Schaufelposition und das Abknicken des Handgelenks. Trennen Sie sich deshalb – mindestens temporär – von diesen Artikeln, um nicht Gefahr zu laufen, mit Ihren Antriebsflächen zu schaufeln und den damit verbundenen Kraftaufwand während der Unterwasserphase bei allen Schwimmarten ins Leere laufen zu lassen.

Holger Lüning
privat Holger Lüning (50) ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit über 25 Jahren Erfahrung im Hochleistungssport. Als Aktiver schwamm er in der Bundesliga für den EOSC Offenbach, später gewann er im Masterbereich zahlreiche Meistertitel. Lüning ist Dozent in der Trainerausbildung und Autor von Fachbüchern und DVDs.
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