Das effektivste Hilfsmittel der Welt: die Videoanalyse

Schwimmbrett, Pull-Buoy, Kurzflossen und Schnorchel kennt jeder. Doch wussten Sie, dass die Videoaufnahme das effektivste Hilfsmittel der Schwimmwelt ist?

| 17. November 2016 | Training

Videoanalyse | Videoanalyse

Eine Videoanalyse ist mit moderner Technik schnell gemacht.

Foto > Silke Insel / spomedis

Schwimmen ist ein Sport, der stark von Fleiß und Disziplin geprägt ist. Ab einem gewissen Punkt, den man noch durch sein viel beschriebenen Talent erreichen kann, zählt aber vor allem eins: der Wille zum regelmäßigen Training und die Bereitschaft, Grenzen zu verschieben.

Auf diesem Wege, ganz gleich ob als Leistungsschwimmer, Hobbyschwimmer oder Triathlet, begegnen einem viele Theorien und Meinungen. Eines ist den meisten Ansätzen gemein, sie alle setzen auf Hilfsmittel. Und das aus gutem Grunde. Schließlich dient ein Trainingsmittel wie das Schwimmbrett mehreren Einsatzzwecken. Auf der einen Seite lassen sich durch punktuelle Belastungen sehr effektive Trainingsreize setzen. Auf der anderen Seite dient das Hilfsmittel, wie es der Name verrät, aber auch als Hilfestellung zur Verfeinerung der Teilbewegung.

Sehen, wie man wirklich schwimmt

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich aus den Basis-Trainingsmitteln eine ganze Industrie entwickelt und die Vielfalt an Produkten und Einsatzmöglichkeiten ist deutlich variabler geworden. Training wurde damit sowohl interessanter als auch effektiver. Doch bei aller Freude über diese Entwicklung gerät das effektivste Hilfsmittel gerne mal in Vergessenheit. So gibt es nur ein Hilfsmittel, welches dem Schwimmer erlaubt, ein detailgetreues Abbild dessen zu gewinnen, was er im Wasser tatsächlich tut: die Videoaufnahme.

Das Schwimmen hat auf allen Leistungsebenen nämlich eine Eigenschaft, die es so lebhaft wie kompliziert macht. Schwimmtechnik ist ein ständiger Prozess. Weder ein Olympiasieger noch ein Hobbyschwimmer werden in ihrem Leben an einen Punkt kommen, wo man behaupten könnte: dieser status-quo ist in Stein gemeißelt. Viel zu viele variable Faktoren bestimmen die schwimmerische Leistung. Nicht nur mittel- und langfristig, sondern fast täglich ist Leistung und Technik diesen Variablen unterworfen.

Über das Gleiche sprechen

Aus diesem Grunde ist die regelmäßige Synchronisierung der realen Technik und des subjektiven Gefühls, der Kinästhetik, ein absolutes Muss auf dem Weg der persönlichen Weiterentwicklung. So kann die Vorstellung vom realen Abbild dessen, was man glaubt zu tun, mitunter recht stark abweichen. Allein die Tatsache, dass man sich in einem quasi-schwerelosen Bereich befindet und in diesem ungewohnten Umfeld sogar noch nach der Präzision in der technischen Ausführung unter Leistungsaspekten und einer maximalen individuellen Geschwindigkeit trachtet, verdeutlicht die komplexe Situation des Schwimmers.

Doch auch Trainer und insbesondere kommerzielle Seminar- und Camp-Anbieter sind hier gefragt. Schließlich muss sichergestellt sein, dass das, was er sagt auch tatsächlich so ankommt wie geplant. Nur so können didaktische Zielsetzungen effizient umgesetzt werden. Oder anders formuliert: Sieht der Trainer etwas anderes als es der Sportler fühlt, gibt es ein schwerwiegendes Kommunikationsproblem! Dann wird die Botschaft zwar korrekt versendet, landet aber in einem anderen Kontext und wird damit anders interpretiert. Der Trainingsprozess gerät ins Stocken.

Über- und Unterwasseraufnahmen

Was tun? Die Videoanalyse ist folgerichtig das wichtigste Trainingstool der Schwimmwelt und ein absolutes „Muss“. Wichtiger als jede Leistungsdiagnostik und jeder Test an Land oder im Wasser, stellt die Videoanalyse schließlich auch sicher, dass Schwimmer und Trainer über dasselbe sprechen. Glücklicherweise sind die Investitionen in wertige und wasserdichte Kameras längst nicht mehr so hoch wie sie einmal waren und stellen damit keine finanzielle Hürde mehr dar.

Stellen Sie als Sportler und als Trainer sicher, im Idealfall alle drei bis vier Wochen einen visuellen Abgleich zu machen. Am besten in einer Kombination aus Überwasser- und Unterwasseraufnahmen, um die antriebsrelevanten Momente zu erfassen. So kann der Sportler die gedankliche Vorstellung seiner Bewegung objektivieren und den Weg für Technikveränderungen ebnen. Gönnen Sie sich den zeitlichen und den materiellen Mehraufwand. Zu wissen, was man tut, ist ein äußerst lohnender Return-on-Investment.

Holger Lüning (50) ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit über 25 Jahren Erfahrung im Hochleistungssport. Er schwamm er in der Bundesligamannschaft des EOSC Offenbach und gewann im Masterbereich zahlreiche Meistertitel. Lüning ist Dozent in der Trainerausbildung und Autor von Fachbüchern und DVDs.