Wo schwimmen? | Der Neckar ist gar nicht mehr so kalt

Alle Schwimmer – Land auf, Land ab – suchen wegen der geschlossenen Bäder nach Alternativen. Unser Autor krault im Neckar und sagt: Das Wasser ist ok, hat immerhin schon rund zehn Grad.

Vor ein paar Wochen war die (Schwimmer)Welt noch in Ordnung. Speziell im Raum Stuttgart: im Wunnebad in Winnenden trafen sich die schnellen und die langsamen Wasserfreunde nahezu täglich. Das coole Freibad ist der Knaller, es ist nämlich ganzjährig geöffnet. Seit vielen Jahren schwimme ich zudem mindestens einmal die Woche im Neckar, auch im tiefsten Winter bei u5-Wassertemperaturen.

Anfang März bin ich krank geworden. Und rund drei Wochen später ist nichts mehr, wie es war. Die Welt ist aus dem Angeln. Und ja, es gibt größere Probleme als dieses: Wo schwimme ich, wenn alle Bäder Corona bedingt geschlossen sind? Und trotzdem stellen sich die deutschen Topschwimmer und ungezählte ambitionierte Freizeitkrauler eben diese Frage: wo schwimmen? Die Flüsse und Seen sind im Frühling noch nicht wirklich warm.

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Martin Tschepe im Neckar
Martin Tschepe Bei zehn Grad Wassertemperatur lässt es sich mit Neo gut im Wasser aushalten.

Immer schön Abstand halten

Wirklich kalt sind sie aber auch nicht mehr. Unser Neckar hat bereits etwa zehn Grad. Es könnte also schlimmer sein. Für meinen Schwimmfreund Bert (er war auch krank) und für mich war nach der Genesung schnell klar, wo wie fortan trainieren werden: im Neckar. Vermutlich nicht täglich, aber öfter als gewöhnlich.

Wir werden mit Neoprenanzug schwimmen – wie es sich für echte Eisschwimmer eigentlich nicht gehört. Aber sicher ist sicher. Wir haben beratschlagt, ob wir überhaupt schwimmen müssen, wollen jedenfalls kein Risiko eingehen. Wir schwimmen zu zweit – mit dem vorgeschriebenen Abstand von etwa zwei Metern. Und wir schwimmen immer direkt am Ufer, im hüfttiefen Wasser – könnten uns also jederzeit hinstellen und notfalls raus klettern aus dem Fluss. Das kann nicht gefährlicher sein als Joggen oder Radfahren.

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Keinen Rettungseinsatz riskieren

Wir wollen nicht, dass die Rettungskräfte wegen uns ausrücken müssen, denn die haben derzeit und in den nächsten Wochen ganz bestimmt wichtiges zu tun. Kein Sport ist aber auch keine Alternative. Also rein jetzt in den Neckar!

Wir stehen am Ufer, gleiten langsam ins Wasser und schwimmen los. Zunächst gegen die Strömung. Im Neoprenanzug ist das Schwimmen wirklich angenehm. Kein Vergleich zu den Torturen im Dezember und im Januar. Damals sind wir immer dienstagabends bei Flutlicht 1.000 Meter gekrault – ausgerüstet nur mit Badehose, Bademütze, Ohrenstöpseln und Schwimmbrille.

Martin Tschepe im Neckar
Martin Tschepe Dieses Neckarschwimmen wird nicht das letzte gewesen sein.

Zweimal hin und zurück

Wir wollen die Strecke unseres Neckarschwimmens absolvieren, den Wettbewerb haben wir 2008 erstmals veranstaltet – anlässlich des 100. Geburtstags unseres SV Ludwigsburg. Einmal bis zur Boje vor der Staustufe Poppenweiler und dann wieder zurück zum Startplatz, knapp 1.500 Meter. Keine Experimente! Nach 400 Metern indes ist an diesem Tag Ende März Schluss. Denn am Ufer stehen mehrere Angler. Die Männer mit der Rute staunen nicht schlecht. Wir winken uns zu. Dann schwimmen Bert und ich notgedrungen halt wieder zurück. Schon nach 800 Metern sind wir beim Startplatz und beschließen die Strecke nochmal zu schwimmen. Wieder 400 Meter gegen die Strömung und dann gemütlich 400 Meter mit Rückenwind.

Nach 1.600 Metern frösteln die Hände und die Füße ein bisschen. Aber wirklich kalt ist uns nicht. Über das Auto mit Stand- und Sitzheizung freue ich mich trotzdem. Neckar, wir kommen bestimmt ganz bald wieder. In den nächsten Tagen will ich aber auch mal wieder die Rems bei Waiblingen testen und ein paar Seen im Schwäbischen Wald. Die Not macht erfinderisch.

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