Wie wurde Budapest zum Zentrum des Weltschwimmens? Ein Blick auf große Events, starke Traditionen – und eine strategische Entscheidung mit Signalwirkung.
Mit viel Engagement hat sich Budapest in den vergangenen Jahren zur inoffiziellen Welthauptstadt des Schwimmsports entwickelt. Kaum eine andere Metropole hat in so kurzer Zeit eine vergleichbare Dichte an internationalen Großveranstaltungen ausgerichtet.
Nach den Schwimm-Weltmeisterschaften 2017 und 2022 sowie der Kurzbahn-WM 2024 steht 2027 bereits das nächste globale Highlight bevor. Hinzu kommen die Europameisterschaften 2006, 2010 und 2020 (sowie 1926 und 1958), die ebenfalls in der ungarischen Hauptstadt stattfanden. Diese bemerkenswerte Kontinuität ist kein Zufall, sondern Ergebnis gezielter Investitionen in Infrastruktur, Organisation und internationale Vernetzung.
Kritik am World-Aquatics-Umzug nach Budapest
Ein entscheidender Schritt erfolgte 2023, als der Weltverband World Aquatics beschloss, sein Hauptquartier von Lausanne nach Budapest zu verlegen. Die Eröffnung des neuen Sitzes ist für 2026 geplant, der vollständige Umzug soll 2027 abgeschlossen werden. Präsident Husain Al-Musallam begründete die Entscheidung mit den Worten: „Budapest hat sein Engagement für den Wassersport immer wieder unter Beweis gestellt und bietet ein inspirierendes Umfeld für unsere globale Gemeinschaft.“
Allerdings soll das nicht der einzige Grund für den Umzug gewesen sein. Laut der Presseagentur AP lockte die Regierung Victor Orbáns World Aquatics unter anderem mit der Aussicht, 15 Jahre lang keine Miete für die Geschäftsräume zahlen zu müssen. Kritiker sehen darin eine problematische Abhängigkeit und warnen vor politischer Einflussnahme auf den Schwimmverband. Einige werten den Schritt von World Aquatics auch als Zustimmung zur ungarischen Politik, etwa den restriktiven Anti-LGBTQ+-Gesetzen. Dazu gehören die Abschaffung der rechtlichen Anerkennung von Transpersonen, die Verweigerung der gleichgeschlechtlichen Ehe und ein landesweites Verbot von queerer „Propaganda“.
Berühmte Bäderkultur
Im Schwimmen geht Budapests Rolle über moderne Events und neue Arenen hinaus. Die Wurzeln reichen tief in die ungarische Sport- und Badekultur. Ungarn gilt traditionell als eine der erfolgreichsten Schwimmnationen Europas, mit zahlreichen Olympiasiegern und Weltmeistern. Namen wie Kristóf Milák oder Katinka Hosszú stehen exemplarisch für diese Erfolgsgeschichte.
Eng verbunden damit ist die einzigartige Bäderkultur des Landes. Budapest ist berühmt für seine Thermalbäder, die bis in die Römerzeit zurückreichen und während der osmanischen Herrschaft weiterentwickelt wurden. Anlagen wie das Széchenyi-Heilbad oder das Gellértbad sind nicht nur touristische Attraktionen, sondern prägen bis heute den Alltag vieler Einwohner. Wasser ist hier nicht nur Sportstätte, sondern Lebensgefühl.
Die Verbindung aus Tradition, sportlichem Erfolg im Schwimmsport und dem Willen, Großevents ausrichten zu wollen, macht Budapest einzigartig. Die Stadt hat es geschafft, sich als dauerhafte Bühne für den internationalen Schwimmsport zu etablieren – und gleichzeitig ihre kulturellen Wurzeln zu bewahren. Damit ist sie heute mehr als nur Gastgeber großer Wettkämpfe: Sie ist ein globales Zentrum des Wassersports.