Donnerstag, 25. Juli 2024

Studie | Schwimmunterricht schreckt viele Kinder ab

Eine niederländische Studie zeigt, dass viele Kinder ausgerechnet während des Schwimmkurs die Lust am Schwimmen verlieren. Schuld daran sei Unterricht, der wenig motiviert, sagt eine Wissenschaftlerin.

dreamstime.com (Dmosreg) Intrinsische Motivation: Kinder springen mit viel Spaß ins Wasser.

Eigentlich sollte man meinen, dass Kinder, die einmal Schwimmen gelernt haben, mit viel mehr Freude ins Schwimmbad gehen. Zu einem ganz anderen Schluss kommt jedoch eine niederländische Studie. Demnach hat Schwimmunterricht oft einen gegenteiligen Effekt: Die Kinder scheuen nach dem Kurs eher das Wasser. „Der Schwimmunterricht in den Niederlanden unterstützt die intrinsische Motivation von Kindern nur unzureichend“, sagt Bewegungswissenschaftlerin Carola Minkels von der Freien Universität Amsterdam. „Das Bedürfnis der Kinder nach Autonomie wird ausgebremst.“ Als intrinsische Motivatoren gelten zum Beispiel Neugierde oder die Bereitschaft, neue Herausforderungen anzunehmen.

Ausgangspunkt der Studie war eine Umfrage unter niederländischen Schwimmlehrern. Dabei gaben 70 Prozent an, dass sie befürchten, ihre ehemaligen Schüler würden nach Erhalt ihres Schwimmdiploms nur noch selten schwimmen gehen und sich ihre Fähigkeiten dadurch wieder verschlechtern. Minkels und ihre Kollegen beobachteten deshalb, wie Schwimmen normalerweise unterrichtet wird und bewerteten den Unterricht mit besonderem Blick auf die Selbstbestimmungstheorie. Danach haben Menschen aller Altersklassen am meisten Spaß an Aktivitäten und bleiben am Ball, wenn sie selbstbestimmt agieren.

Motivierender Unterricht ist das Ziel

„Die Selbstbestimmungstheorie geht davon aus, dass Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit zusammen die Selbstbestimmung prägen. Autonomie bezieht sich auf unser Bedürfnis, die Kontrolle über unsere eigenen Entscheidungen, Verhaltensweisen und Ziele zu behalten, ohne externe Kontrolle“, erklärt Minkels. Das Team analysierte an 42 Schwimmschulen insgesamt 128 Unterrichtsstunden. Dabei zeigte sich, dass Schwimmlehrer, die zuvor ein spezielles Programm zur Selbstbestimmungstheorie durchlaufen hatte, durchschnittlich bessere Ergebnisse erzielten.

Motivation sei die wichtigste Voraussetzung für alle Formen des Lernens, auch für motorisches Lernen, fasst Minkels zusammen. Ein motivierender Unterrichtsstil trage daher eher dazu bei, die Schwimmfähigkeiten von Kindern langfristig zu verbessern. Schwimmlehrer sollten dies bei ihrem Unterricht berücksichtigen.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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