Mittwoch, 24. April 2024

„Ich bin so sauer!“ | Isabel Gose wird Vizeweltmeisterin und ist trotzdem gefrustet

Am Ende wurde es ganz knapp: Isabel Gose hat in ihrem dritten WM-Rennen ihr dritte Medaille gewonnen. Nur eine war über 800 Meter einen Wimpernschlag schneller.

World Aquatics Dritte WM-Medaille im dritten WM-Rennen: Isabel Gose hat in Doha ein Abo aufs Podest.

So spannend kann Schwimmen sein – und so eng liegen Freud und Leid manchmal beieinander. Acht Minuten und siebzehn Sekunden kämpften Isabel Gose und Simona Quadarella Seite an Seite um den WM-Titel, nach 16 langen Bahnen machten gerade einmal 0,09 Sekunden den Unterschied! Über 800 Meter Freistil ist die Magdeburgerin Gose bei den Weltmeisterschaften in Doha mit persönlicher Bestzeit von 8:17,53 Minuten zur Silbermedaille geschwommen. Mit dem minimal besseren Finish sicherte sich die Italienerin Quadarella (8:17,44 Minuten) nach Gold über 1.500 Meter Freistil ihren zweiten WM-Titel in Katar. Bronze holte Erika Fairweather aus Neuseeland in 8:22,26 Minuten.

Silber gewonnen oder Gold verloren? Für Gose war die Antwort auf diese Frage nach dem Zielanschlag eindeutig. „Ich bin so sauer! Das ist so knapp, so eine Chance bekomme ich nie wieder“, ärgerte sich die 21-Jährige, die in Abwesenheit von Weltrekordlerin Katie Ledecky (USA) bereits mit der schnellsten Vorlaufzeit aufhorchen ließ. Im Interview mit dem Hallensprecher dankte Gose den deutschen Fans in der Arena sowie ihren Coaches. Nach zwei Bronzemedaillen über 400 und 1.500 Meter Freistil war die Silberplakette ihre dritte Podiumsplatzierung in Doha. Mit etwas Abstand dürfte die Ausdauerspezialistin sicher mit Stolz auf diese Weltmeisterschaften zurückblicken.

Als Erste auf die Schlussbahn

Zu Beginn des 800-Meter-Finals war es die Neuseeländerin Fairweather, die die Pace bestimmte. Die 400-Meter-Weltmeisterin blieb exakt bis zu dieser Marke in Führung, ehe Gose und Quadarella die Spitze übernahmen. Kopf an Kopf schwammen die beiden Europäerinnen von nun an auf den Bahnen vier und fünf nebeneinander her, wobei Gose bei den Rollwenden ihre Füße immer einen Hauch früher an die Wand brachte. So auch beim letzten Richtungswechsel. Mit 0,08 Sekunden Vorsprung nahm die Athletin von Bundestrainer Bernd Berkhahn die abschließenden 50 Meter in Angriff. Mitte der Schlussbahn lag Quadarella leicht in Front, doch Gose kam noch einmal heran. Im Finish hatte die Italienerin ihren Arm dennoch einen Wimpernschlag schneller an der Wand. Eine Revanche der beiden wird es mit Sicherheit bei Olympia geben, wenn es in Paris um die Medaillen auf den langen Freistilstrecken geht.

Köhler zum Abschluss WM-Fünfte

Vor Gose war am Samstagabend Angelina Köhler im Einsatz. Für die 100-Meter-Weltmeisterin von der SG Neukölln ging es diesmal über die halbe Distanz. Nur mit Ach und Krach war die 23-Jährige gestern in einem Swim-Off ins Finale eingezogen. Im Endlauf steigerte Köhler ihre persönliche Bestzeit um acht Hundertstel auf 25,71 Sekunden und blieb nur 0,03 Sekunden über dem sieben Jahre alten deutschen Rekord von Aliena Schmidtke. Für eine weitere Medaille reichte es für Köhler zwar nicht, glücklich war sie dennoch. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden, ich bin Fünfte der Welt. Ich musste mich ein bisschen strecken im Anschlag, aber ich habe das Beste daraus gemacht“, sagte Köhler. Überlegen zu Gold schwamm Sarah Sjöström. In 24,63 Sekunden machte die Schwedin ihren sechsten WM-Triumph über 50 Meter Schmetterling infolge perfekt. Silber sicherte sich Melanie Henique (Frankreich) in 25,44 Sekunden vor Farida Osmann aus Ägypten (25,67 Sekunden).

Über 50 Meter Rücken zog Ole Braunschweig mit der achtschnellsten Zeit (24,74 Sekunden) aller Halbfinalisten in den Endlauf am Sonntag ein. Die Topzeit erzielte Isaac Cooper aus Australien in 24,12 Sekunden.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.