Mittwoch, 24. April 2024

„Ich bin schneller als jeder andere“ | Hafnaoui will Sun Yangs 1.500-Meter-Weltrekord attackieren

2021 gelang ihm die Olympiasensation, 2023 wurde er Doppelweltmeister – doch das reicht Ahmed Hafnaoui nicht. Er hat es auf den Weltrekord abgesehen.

Frank Wechsel

„Ich werde versuche, den Weltrekord zu brechen!“ Olympiasieger Ahmed Hafnaoui hat bei den Weltmeisterschaften in Doha Großes vor. „Ich möchte über 1.500 Meter so schnell wie möglich schwimmen, weil ich schon so nah am Weltrekord dran bin“, sagte der 21-Jährige in einem Interview mit olympics.com. Die Zeit, die es im längsten Beckenrennen zu unterbieten gilt, steht seit den Olympischen Spielen 2012 bei 14:31,02 Minuten, gehalten vom mittlerweile wegen Dopings gesperrten Chinesen Sun Yang. Gelingt Hafnaoui der Coup, würde er auf eine Reihe prominenter Schwimmer folgen. Seit der Russe Wladimir Salnikow 1980 als erster Mensch unter 15 Minuten schwamm, schraubten Jörg Hoffmann (Deutschland), Kieren Perkins, Grant Hackett (beide Australien) und eben Sun Yang an der Rekordzeit. In Doha stehen die 1.500 Meter Freistil am Samstag und Sonntag auf dem Programm.

Bei der WM 2023 verpasste der Tunesier den Weltrekord noch knapp. In 14:31,54 Minuten krönte er sich in einem spannenden Rennen zum Weltmeister, 0,05 Sekunden schlug er vor dem US-Amerikaner Bobby Finke an. Finke und Hafnaoui bestimmten in Fukuoka das Tempo und schwammen lange Zeit nebeneinander. Bis zur letzten Wende lagen sie unter Sun Yangs Weltrekord-Split, auf der letzten Bahn konnten sie dessen Schlusstempo jedoch nicht ganz standhalten. Sollte es in Doha oder bei Olympia in Paris erneut zu einem Zweikampf um den Sieg kommen, sieht sich Hafnaoui klar im Vorteil: „Ich denke, dass ich den schnellsten Zielspurt habe, denn ich habe hart an diesen letzten 50 Metern gearbeitet. Mein Speed ist höher als von jedem anderen.“

Kein Finale über 400 und 800 Meter Freistil

Erstmals auf der Weltbühne des Schwimmsports erschien Hafnaoui bei den Olympischen Spielen in Tokio. Damals sorgte er über 400 Meter Freistil für eine Sensation, als er mit der achtschnellsten Zeit ins Finale einzog und dort auf der Außenbahn in 3:43,36 Minuten zu Olympiagold kraulte. Das Nachsehen hatte dabei unter anderem Henning Mühlleitner, der nach Vorlaufbestzeit am Ende Vierter wurde. Nach einem Jahr Wettkampfpause zeigte Hafnaoui, der in Kalifornien lebt und studiert, dass sein Erfolg kein One-Hit-Wonder war. Über 800 und 1.500 Meter Freistil sicherte er sich WM-Gold, über 400 Meter Freistil musste er sich lediglich dem Australier Sam Short hauchdünn geschlagen geben.

Trotz seiner hochgesteckten Ziele will Hafnaoui die WM-Rennen locker angehen. „Ich werde die WM wie einen Wettkampf in der Mitte der Saison behandeln und einfach versuchen, auf den drei Strecken zu zeigen, was ich leisten kann“, sagte er. „Ich will einfach nur Spaß haben und schwimmen.“ Zwei seiner drei Strecken hat Hafnaoui bereits hinter sich. Ganz wie geplant lief es dabei nicht. Über 400 und 800 Meter Freistil verpasste er jeweils das Finale und musste sich mit den Plätzen 17 und 18 begnügen. Am Samstag steht der Vorlauf über 1.500 Meter Freistil auf dem Programm. Dort trifft der Tunesier unter anderem auf die beiden Deutschen Florian Wellbrock und Sven Schwarz, Gregorio Paltrinieri (Italien), Daniel Wiffen (Irland), Mykhailo Romanchuk (Ukraine) und Kristof Razovszky (Ungarn).

Jule Radeck
Jule Radeck
Jule Radeck studierte Sportwissenschaften, bevor sie als Volontärin nach Hamburg zog. In ihrer Freizeit findet man sie oft im Schwimmbecken, manchmal auf dem Fahrrad und selten beim Laufen.

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