Jeder Atemzug kostet Zeit, das weiß jeder Kraulsprinter. Doch wer mehr als 50 oder 100 Meter schwimmt, ist auf regelmäßiges Luftholen angewiesen. Die auf Hochtouren arbeitende Muskulatur lechzt nach Sauerstoff. Zweier- oder Dreierzug ist deshalb die Frage, die sich jeder Schwimmer einmal stellen muss.
Zweierzug bedeutet, dass auf jeden zweiten Armzug einmal geatmet wird. Beim Dreierzug erfolgt die Atmung auf jeden dritten Armzug und damit wechselseitig nach links und rechts. Weniger atmen, also Vierer-, Fünfer- oder Sechserzug, macht auf längeren Strecken wenig Sinn, weil die Sauerstoffversorgung zu gering ist. Häufiger atmen wäre nur mit Einerzug möglich. Dieser ist zwar technisch machbar. Das viele Atmen führt in der Praxis aber zu mehr Problemen als Vorteilen.
Königstechnik Dreierzug?
Unter Schwimmern genießt der Dreierzug den besten Ruf. Meist ist es auch die Technik, die von Schwimmtrainern empfohlen wird. Die Vorteile:
- Mit Dreierzug schwimmen Sie technisch sauberer, weil Sie zu beiden Seiten rotieren und die beteiligte Muskulatur in den Armen und im Rumpf gleichmäßig belasten.
- Mit Dreierzug atmen Sie seltener und schwimmen schneller.
- Beim Dreierzug haben Sie stets im Blick, was links und rechts von Ihnen passiert.
- Mit Dreierzug können Sie im Freiwasser flexibel auf Sonnenstrahlen und Wellengang reagieren und die Atmung entsprechend anpassen.
Die Vorteile des Zweierzugs können da kaum mithalten:
- Mit Zweierzug versorgen Sie die Lungen mit mehr Sauerstoff.
- Mit Zweierzug können Sie immer zu Ihrer Schokoladenseite atmen.
Weltklasse schwimmt Zweierzug
Wenn beim Dreierzug die Vorteile überwiegen, warum sieht man dann bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, dass die Topathleten fast ausnahmslos Zweierzug schwimmen? Florian Wellbrock, Katie Ledecky, Gregorio Paltrinieri oder früher Michael Phelps und Paul Biedermann: Sie alle atmen bei jedem zweiten Armzug. Entscheidend ist in diesem Fall der Energiehaushalt. Im Grenzbereich der persönlichen Leistungsfähigkeit ist die Sauerstoffversorgung einfach wichtiger als die Möglichkeit, seine Rivalen besser im Blick zu haben oder die Muskulatur gleichmäßiger zu belasten.
Schokoladenseite
Also nur noch Zweierzug? Auch das wäre nicht ratsam. Entscheidend ist, dass Sie körperlich und technisch in der Lage sind, zu beiden Seiten atmen zu können. Denn das bringt die größtmögliche Flexibilität. Außerdem ist Wettkampf Wettkampf und Training Training. Schwimmen Sie im Rennen Zweierzug, wenn Sie damit besser zurechtkommen. Doch zwingen Sie sich im Training dazu, hin und wieder nach links oder rechts zu atmen, auch wenn das jeweilige nicht Ihre Schokoladenseite ist. Legen Sie auch mal längere Distanzen mit Dreier- oder Fünferzug zurück, um die beidseitige Atmung und den Atemmangel zu trainieren. Sie können davon ausgehen, dass die Spitzenathleten dies ebenfalls beherrschen.
Übungen
Mit diesen Übungen trainieren Sie die beidseitige Atmung.
- 8 x 50 m: 25 m Zweierzug nach links + 25 m Zweierzug nach rechts
- 200 m Atempyramide: jeweils 25 m Einer-, Dreier-, Fünfer-, Siebenerzug und retour.
- 800 m: im Wechsel 150 m Dreierzug + 50 m Zweierzug
- 4 x 100 m: fortlaufend 1 x Zweierzug (Atmung nach rechts) + 1 x Dreierzug + 1 x Zweierzug (Atmung nach links) + 1 x Dreierzug usw.
Russischer Trainer Alexander Judin sagt über entscheidenden Vorteil der Zweier Atmung:
“Für einen Schwimmer, der die höchsten Leistungen anstrebt, sollte das wichtigste Ziel darin bestehen, Schwankungen der Schwimmgeschwindigkeit innerhalb des Zyklus zu minimieren. Und alles andere ist akzeptabel, wenn es hilft.
Die Grundlage für den Aufbau der Technik eines Sportschwimmers mit den höchsten Leistungen sollte ein fundierter Hauptpunkt sein.Deswegen sind alle “Vorteile” des Dreierzuges gut nur für Fitnessschwimmen.”
Gruß, Konstantin.
Ich, Triathlet, bevorzuge im Wettkampf durchaus auch den 2er und den 3er-Zug im Wechsel, also 2 x links und 2 x rechts. Damit komme ich mit der höheren Intensität zurecht, kriege trotzdem mit was bds. los ist und schwimme keine Girlanden.