Zweier- oder Dreier-Atmung?

Die Frage nach der optimalen Atemfrequenz stellt sich jeder Kraulschwimmer irgendwann. Wichtiger als die Entscheidung zwischen Zweier- und Dreierzug ist es, beides zu beherrschen.

Frank Wechsel / spomedis Ohne Atmen geht es nicht.

Jeder Atemzug kostet Zeit, das weiß jeder Kraulsprinter. Doch wer mehr als 50 oder 100 Meter schwimmt, ist auf regelmäßiges Luftholen angewiesen. Die auf Hochtouren arbeitende Muskulatur lechzt nach Sauerstoff. Zweier- oder Dreierzug ist deshalb die Frage, die sich jeder Schwimmer und jede Schwimmer einmal stellen muss.

Zweierzug bedeutet, dass auf jeden zweiten Armzug einmal geatmet wird. Beim Dreierzug erfolgt die Atmung auf jeden dritten Armzug und damit wechselseitig nach links und rechts. Weniger atmen, also Vierer-, Fünfer- oder Sechserzug, macht auf längeren Strecken wenig Sinn, weil die Sauerstoffversorgung dann zu gering ist. Häufiger atmen wäre nur mit Einerzug möglich. Dieser ist technisch zwar machbar. Die vielen Kopfrotationen führt in der Praxis aber zu mehr Problemen als Vorteilen.

Königstechnik Dreierzug?

Unter Schwimmern genießt der Dreierzug den besten Ruf. Meist ist es auch die Technik, die von Schwimmtrainern empfohlen wird. Die Vorteile sind:

  • Mit Dreierzug schwimmst du technisch sauberer, weil du zu beiden Seiten rotierst und die beteiligte Muskulatur in den Armen und im Rumpf gleichmäßig belastest.
  • Mit Dreierzug atmen du seltener und schwimmst schneller.
  • Beim Dreierzug hast du stets im Blick, was links und rechts von die passiert.
  • Mit Dreierzug kannst du im Freiwasser flexibel auf Sonnenstrahlen und Wellengang reagieren und die Atmung entsprechend anpassen.

Die Vorteile des Zweierzugs können da auf den ersten Blick kaum mithalten:

  • Mit Zweierzug versorgst du deinen Organismus mit mehr Sauerstoff.
  • Mit Zweierzug kannst du immer zu deiner Schokoladenseite atmen.

Weltklasse schwimmt Zweierzug

Wenn beim Dreierzug die Vorteile überwiegen, warum sieht man dann bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, dass die Topathleten fast ausnahmslos Zweierzug schwimmen? Florian Wellbrock, Katie Ledecky, Gregorio Paltrinieri oder früher Michael Phelps und Paul Biedermann: Sie alle atmen bei jedem zweiten Armzug. Entscheidend ist in diesem Fall der Energiehaushalt. Im Grenzbereich der persönlichen Leistungsfähigkeit ist die Sauerstoffversorgung wichtiger als die Möglichkeit, seine Rivalen besser im Blick zu haben oder die Muskulatur gleichmäßiger zu belasten.

Atmung
Daniel Kopatsch / spomedis Gute Schwimmerinnen und Schwimmer können rechts wie links atmen.

Schokoladenseite

Also nur noch Zweierzug? Auch das wäre nicht ratsam. Entscheidend ist, dass du körperlich und technisch in der Lage bist, zu beiden Seiten atmen zu können. Denn das bringt die größtmögliche Flexibilität. Außerdem ist Wettkampf Wettkampf und Training Training. Schwimm im Rennen ruhig Zweierzug, wenn du damit besser zurechtkommst. Doch zwinge dich im Training dazu, hin und wieder nach links und rechts zu atmen, auch wenn das vielleicht nicht deine Schokoladenseite ist. Lege auch mal längere Distanzen mit Dreier- oder Fünferzug zurück, um die beidseitige Atmung und den Atemmangel zu trainieren. Du kannst davon ausgehen, dass die Spitzenathleten dies ebenfalls beherrschen.

Übungen

Mit diesen Übungen trainierst du die beidseitige Atmung.

  • 8 x 50 m: 25 m Zweierzug nach links + 25 m Zweierzug nach rechts
  • 200 m Atempyramide: jeweils 25 m Einer-, Dreier-, Fünfer-, Siebenerzug und retour.
  • 800 m: im Wechsel 150 m Dreierzug + 50 m Zweierzug
  • 4 x 100 m: fortlaufend 1 x Zweierzug (Atmung nach rechts) + 1 x Dreierzug + 1 x Zweierzug (Atmung nach links) + 1 x Dreierzug usw.
Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

2 Kommentare

  1. Russischer Trainer Alexander Judin sagt über entscheidenden Vorteil der Zweier Atmung:
    „Für einen Schwimmer, der die höchsten Leistungen anstrebt, sollte das wichtigste Ziel darin bestehen, Schwankungen der Schwimmgeschwindigkeit innerhalb des Zyklus zu minimieren. Und alles andere ist akzeptabel, wenn es hilft.
    Die Grundlage für den Aufbau der Technik eines Sportschwimmers mit den höchsten Leistungen sollte ein fundierter Hauptpunkt sein.Deswegen sind alle „Vorteile“ des Dreierzuges gut nur für Fitnessschwimmen.“

    Gruß, Konstantin.