Samstag, 25. Mai 2024

Vorbereitung mit „Fliegenden Tests“

Als Athlet sind Ihnen die geläufigen Tests bekannt. Im Schnelligkeitsbereich schwimmen Sie vielleicht regelmäßig Sprints über 15 oder 25 Meter. Im Bereich der Schnelligkeitsausdauer haben sich Wettkampfsimulationen wie „50 + 50 Meter“ oder „4×50 mit 10 Sekunden Pause“, sogenannte „gebrochene Serien“, als zuverlässige Helfer in Bezug auf eine exakte Formüberprüfung bewährt. Zusätzlich bieten diese Verfahren auch sehr wettkampfnahe Trainingsbelastungen, um den Ernstfall zu proben.

Deshalb erfolgt der Start zu diesen Übungen meist vom Block. Dabei spielen der Absprung sowie der Wandabdruck bei der Wende, zusammen mit einem effektiven Übergang von Beinarbeit zur gesamten Lage leistungsrelevante Rollen. Nicht ohne Grund sind diese Tests und Trainingsinhalte für Beckenschwimmer deshalb unverzichtbar und seit Jahrzehnten etabliert.

In der Leichtathletik bewährt

Schaut man sich die Testverfahren in der Leichtathletik an, so findet dort häufig ein weiteres Verfahren Verwendung: die fliegenden Tests. Hier werden genau definierte Streckenanteile innerhalb eines Laufs gemessen. Die ermittelten Werte geben interessante Aufschlüsse zur Aufrechterhaltung der Geschwindigkeit. Im Schwimmen spielen diese freien, von Absprung und Abdruck entkoppelten, Rennanteile ebenfalls eine große Rolle. Schließlich geht es um die möglichst maximale und lange Aufrechterhaltung des hohen Tempos aus den verschiedenen Abdruckphasen vom Startblock oder der Wand.

Definieren Sie deshalb auch im Training Teststrecken, die sich im „freien Feld“ befinden. Strecken über 5 bis 25 Meter Länge geben hilfreiche Rückschlüsse für das Training und offenbaren zum Teil große Leistungspotenziale. Einige Beispiele:

Tests auf der 50-Meter-Bahn:

– Anschwimmen und maximales Tempo zwischen 15 und 30 Metern (15 m Sprint)

– Anschwimmen und maximales Tempo zwischen 15 und 40 Metern (25 m Sprint)

– Anschwimmen und maximales Tempo ab 25 oder 35 Metern mit Wettkampf-Anschlag (15/25 m Sprint)

Tests auf der 25-Meter-Bahn:

– Anschwimmen und maximales Tempo zwischen 10 und 25 Metern (15 m Sprint)

– Anschwimmen und maximales Tempo ab 25 bzw. 35 Metern mit Wettkampf-Anschlag (15/25 m Sprint)

– Highspeed-Finale: Anschwimmen und maximales Tempo ab 17,5 Metern mit Anschlag (7,5 m Sprint)

Ihrer Kreativität bei der Gestaltung der Tests sind keine Grenzen gesetzt. Die Qualität und Aussagekraft liegt aber vor allem in der Regelmäßigkeit. Dabei können Sie die genannten Tests auch in Form eines Intervalltrainings durchführen. Bis zu acht Wiederholungen mit einer Mischung aus aktiver und passiver Pause von zwei bis drei Minuten Länge ermöglicht es, jeweils das Optimum an Leistungsfähigkeit zu mobilisieren und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.

Lassen Sie die fliegenden Tests zu einem festen Bestandteil Ihres Trainings werden. Vielleicht wachsen Ihnen schon in den nächsten Wettbewerben Flügel.

Holger Lüning
Holger Lüninghttps://holgerluening.de/
Holger Lüning ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit rund 30 Jahren Erfahrung im Hochleistungssport. Er schwamm er in der Bundesligamannschaft des EOSC Offenbach und gewann im Masterbereich zahlreiche Meistertitel.

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