Aktivensprecher Ole Braunschweig | „Der ist verrückt. Ich kann nicht mehr“

Olympia-Startplatz verteidigt, deutschen Meistertitel geholt: Für Ole Braunschweig stand in Berlin über 100 Meter Rücken viel auf dem Spiel. Der Neuköllner lieferte ab.

Frank Wechsel / spomedis Ole Braunschweig ist derzeit Deutschlands bester Rückenschwimmer.

Ole Braunschweig, man sieht dich hier in Berlin bei jedem Rennen wie Rumpelstilzchen am Beckenrand auf- und abspringen. Du gehst richtig mit. Gehört das zu den Aufgaben des neuen Aktivensprechers? Das hat mit dem Sprecher nichts zu tun, das habe ich schon immer so gemacht. Ich freue mich riesig für die Leute. Es ist einfach etwas Besonderes, wenn einer wie Luca, der noch nie bei den Spielen dabei war, das hier schafft. Und Lukas? Schwimmt fast Weltrekord über 400 Meter. Der ist doch verrückt. Ich kann nicht mehr.

Wie zufrieden bis du mit deinem Rennen? Du hast den 100-Meter-Rücken-Titel geholt, bist in 54,21 Sekunden aber deutlich über den 53,48 Sekunden geblieben, mit denen du letzte Woche die Olympia-Norm geschafft hast. Das war nicht gut heute. Aber scheißegal, ich hatte die Norm schon. Den Olympiaplatz habe ich verteidigt, den deutschen Meistertitel geholt. Grundsolide.

Frank Wechsel / spomedis Shakehands mit dem Zweitplatzierten, Marek Ullrich (links).

Mit Marek Ulrich (54,43 S), Cornelius Jahn (54,48 s) und Christian Diener (55,38 s) hattest du im Finale drei starke Rivalen, die auch um Paris schwimmen wollten. Hattest du Sorge um deinen Olympiaplatz? Da war ich guter Dinge. Ich habe ein starkes Mindset und gehe jedes Rennen voll an. Ich mache keine Faxen wie morgens chillen und nur nachmittags schnell, sondern versuche, jedes Rennen schnell zu schwimmen. Das musst du bei Olympia oder WM auch. Deswegen war ich relativ befreit.

Du bist deine Norm letzte Woche bei den Berlin Swim Open im Vorlauf geschwommen und warst danach im Finale einen Tick langsamer. Sollte es nicht andersherum sein? Das war mir eigentlich egal, ob Vorlauf oder Finale. Hauptsache ich habe die Norm für einen Einzelstartplatz und schwimme auch die Staffel. Ich bin zufrieden.

Du schwimmst bei Olympia, dein Bruder Malte kurz danach bei den Paralympics. Werdet ihr euch gegenseitig anfeuern? Er wird leider safe nicht bei mir zusehen können, weil er dann in der Vorbereitung steckt. Aber ich werde safe bei ihm zuschauen.

Was kommt jetzt noch? Die 50 Meter Rücken am Samstag und dann die 200 Meter Rücken. Puh, da werden wir mal sehen. Ich bin ja nicht so der 200-Meter-Schwimmer.

Frank Wechsel / spomedis Bei Olympia im Einzel und in der Steffel gesetzt: Ole Braunschweig.

Guter Punkt. Du bist Sprinter. Wie kommt dein Name über 200 Meter in die Startliste? Ich brauche das Wettkampffeeling und ich will Spaß haben mit den Jungs, auch wenn es übel wehtun wird und ich keine Chance habe gegen die anderen. Mir macht es einfach Freude, mich mit so leistungsstarken Athleten wie Lukas und Corny zu batteln. Und Christian natürlich, den darf man nicht vergessen, das ist ja unser alter 200-Meter-Mann. Ich habe Bock auf die Rennen und danach geht’s wieder ins Training.

Dein deutscher Rekord über 50 Meter Rücken ist erst wenige Tage alt. Geht da noch was unter 24,57 Sekunden? Ich werde alles geben und wenn’s klappt, ist es geil. Und wenn nicht, ist es schade, aber nicht schlimm. Der Fokus liegt aber auf den 100 Metern.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.