Samstag, 1. Juni 2024

So springt fast jedes Kind gern ins Wasser

Schwimmen können ist viel mehr als eine Lebensversicherung für den Notfall. Wer seine Kinder auf diese wunderbare Art der Fortbewegung vorbereiten will, kann den Lernprozess im Schwimmbad und zu Hause sehr effektiv unterstützen.

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Bei der Wassergewöhnung geht es nicht um irgendwelche Kraul- oder Brustbewegungen, sondern um viel grundlegendere Dinge, die für die Kleinen von Anfang an den Spaß im Wasser erhöhen und ihnen das spätere Lernen erleichtern. Auch der eine oder andere Erwachsene sollte sich immer mal wieder an diese fünf Basics erinnern.

1. Baden und planschen

Der beste Weg, Kleinkinder ans Wasser zu gewöhnen, ist auch der einfachste: regelmäßig ins Wasser! Schon Babys können und sollten in einer Wanne mit warmen Wasser gebadet werden, natürlich nicht mit dem Ziel, Schwimmen zu lernen, sondern eher der Hygiene wegen. Doch schon dabei können Spielzeuge zum Einsatz kommen oder mal ein Schwall Wasser übers Gesicht laufen. Nach ein paar Monaten kann es mit Schwimmwindel im Schwimmbad losgehen. Sicher auf Mamas und Papas Arm wird der oder die Kleine schon jetzt eine tolle Zeit haben. Je öfter, desto besser. Einmal pro Woche darf es durchaus sein.

2. Wasser im Gesicht

Beim gemeinsamen Spielen im Kinderbecken steigt die Vertrautheit mit dem Element Wasser. Auch jetzt sollten der Kopf und das Gesicht immer wieder nass werden. Am Anfang reichen dafür Wasserspritzer, mit denen man dem Nachwuchs spielerisch das Gesicht wäscht (gern auch mal andersrum). Später eignet sich dafür eine kleine Gießkanne, die das Kind selbst oder ein Erwachsener nach und nach über dem Kopf ausleert. Die meisten Kinder lachen dabei und haben einen Riesenspaß. Sie merken gar nicht, wie viel wohler sie sich schon nach wenigen Wochen fühlen, und wie sich beispielsweise auch ihre Augen an Wasserspritzer gewöhnen. Sie lernen, den Lidschlussreflex zu kontrollieren und unter Wasser die Augen zu öffnen. Ein wichtiger Punkt in einer echten Gefahrensituation.

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3. Atmen ins Wasser

Über Wasser ein, unter Wasser aus: Dieses grundlegende Prinzip beim Kraul- und Brustschwimmen müssen viele Kinder im Schwimmkurs erst erlernen. Viel besser ist es doch, sich schon frühzeitig ans Ausatmen ins Wasser zu gewöhnen. Leises und lautes Blubbern hilft dabei, gern kann auch ein Tischtennisball durchs Wasser gepustet werden. Dabei können die Kinder weiter auf dem Arm gehalten werden. Trauen sich die Kinder schon mit dem Kopf komplett unter Wasser, geht es dort mit „Stille Post“ weiter. Dabei ruft man sich abwechselnd unter Wasser Wörter, Zahlen, Namen oder kurze Sprichwörter zu. Der Clou: Während man als Rufer beim Sprechen automatisch ausatmet, muss auch der Zuhörer etwas tun, nämlich die Luft anhalten und die Atmung kontrollieren. Wer gelernt hat, im Wasser wie selbstverständlich ein- und auszuatmen, verschluckt sich nicht so schnell. Wichtig ist an dieser Stelle die Vorbildfunktion der Erwachsenen, meistens dürfte es sich um die Eltern halten. Kinder schauen ganz genau hin und ahmen nach. Deshalb sollten sich Mama und Papa Mühe geben, möglichst alle Bewegungen und Aktionen auch selbst auszuführen und nicht nur anzusagen. Vor allem die Atmung ins Wasser sollte dabei von Beginn an selbstverständlich sein.

4. Tauchen ist die halbe Miete

Tauchen ist für viele Trainer und Sportwissenschaftler der erste Riesenschritt zum Schwimmen, denn fürs Tauchen werden von den Kindern schon viele Kompetenzen verlangt. Gemeint sind die Kontrolle der Atmung, das Öffnen der Augen und ganz allgemein der Aufenthalt im eigentlich lebensfeindlichen Wasser. Für den letzten Punkt muss das Kind bereits das Vertrauen erworben haben, jederzeit von allein oder aktiv durch Schwimmbewegungen oder das Abstoßen vom Beckengrund an die Wasseroberfläche zu gelangen. Mit dem ganzen Körper unter Wasser zu sein ist ebenfalls ein Prozess, der sich nach und nach erweitern lässt. Schon die ganz Kleinen können an Mamas oder Papas Hand vom Beckenrand ins Wasser springen, wie weit sie dabei untertauchen, bis zum Bauch, zur Brust, zum Kinn, zur Nase, zur Stirn oder noch weiter lässt sich nach und nach steigern. Die Kinder tolerieren fast immer mehr als die Eltern denken. Übertreiben sollte man es aber nicht, sondern Schritt für Schritt vorgehen. Später kann man die Kinder durch kleine Spiele oder Ringe zum Tauchen animieren. Hilfreich ist auch das Abstoßen von der Wand, um unter Wasser vorwärts zu kommen.

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5. Spielen, spielen, spielen

Vom komplexen Tauchen ist es bis zum Schwimmen nicht mehr weit. Nun gilt es spielerisch, die Sicherheit im und die Vertrautheit mit dem Wasser zu stärken. Springen, Abstoßen, Rutschen, Fangen, das Spielen im Wellenbad oder mit Brettern und Reifen fördern wichtige Fähigkeiten wie Schweben, Gleiten und Fortbewegen. Die perfekte Vorbereitung für einen Schwimmkurs.

Wasser ist ein faszinierendes Element

Fast nebenbei unterstützt der regelmäßige und abwechslungsreiche Aufenthalt im Hallenbad, im Freibad, im See und sogar in der Badewanne frühzeitig den Gedanken, Wasser als einen vielfältigen Erlebnisraum zu begreifen, in dem es bitte nicht immer nur darum gehen sollte, nicht zu ertrinken. Vielmehr sollten Kinder zwar mit Respekt, aber ohne Angst vor Wasser aufwachsen und das Element als einen Ort voller Möglichkeiten erleben, sich zu entfalten und auszuleben. Wer diese Erfahrung einmal macht, wird Wasser ein Leben lang lieben. Sei es beim Schwimmen, Baden, Tauchen, Surfen, Wellenreiten, Springen, Unterwasserrugby oder einer völlig anderen Form.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.