Schneller, schwerer, leichter: Was Schwimm-Tools wirklich bringen

Ganz gleich, wie Ihr Techniktraining strukturiert ist – es gilt immer der Grundsatz: Überlegen Sie sich als Trainer oder Sportler genau, was Sie mit dem Einsatz der gewählten Methode erreichen möchten!

| 1. September 2016 | TRAINING

300713KOP19 | Ein Schwimmer trainiert mit Frontschnorchel.

Ein Schwimmer trainiert mit Frontschnorchel.

Foto >Daniel Kopatsch

Schauen Sie immer wieder über den Tellerrand heraus und fragen Sie sich regelmäßig, welche Bewegungserfahrungen Sie mit den vielfältigen Trainingshilfen produzieren können. Habe ich ein klares Ziel oder ist das Techniktraining mehr ein Alibi-Training? Oder denken Sie doch mal anders herum: So kann man das Schwimmbrett nicht nur im Wasser, sondern auch mal Überwasser führen, um neue Eindrücke und Trainingsinhalte in das Übungsprogramm zu integrieren. Erleichtern, im Sinne einer Hilfestellung, ist ein wesentlicher Einsatzbereich. Bewegungsausführungen zu erschweren oder bestimmte Anteile zu akzentuieren, könnte ein weiterer Einsatzbereich sein, den Sie vielleicht bislang vernachlässigt haben.

Dort, wo Kurzflossen und Neoprenshorts eine deutlich höhere Geschwindigkeit ermöglichen, kann das Training unter erschwerten Bedingungen ebenfalls einen Zugewinn an koordinativen Fähigkeiten erzeugen. Ergänzend führt diese Form des Overload-Trainings, also der höheren Widerstände, zu physiologischen Anpassungen, die die Gesamttechnik und die spezifische Kraft positiv beeinflussen können.

Overload-Training

Ganz einfach können Sie sich dieser Trainingsmethode annähern, wenn Sie im Training einige Intervalle mit einem T-Shirt oder einer Surfershorts schwimmen. Die simpelste Form des Overlaod-Trainings verschlechtert Ihre Widerstandswerte im Wasser derart, dass es eines hohen Kraftaufwands bedarf, um die Schwimmtechnik auf einem guten Niveau zu halten. Ziel der Übung ist es, die Fähigkeiten zu schulen, auch unter widrigen Bedingungen ein Mindestmaß an technischer Qualität aufrechtzuerhalten. Eine Fähigkeit, die nicht nur im Wettkampf unter zunehmender Ermüdung von Bedeutung sein kann. Auch für Freiwasser- oder Triathleten ist die Fähigkeit, bei ungewohnten Bedingungen (z. B. Wellen, Massenstart) eine gute technische Basis abrufen zu können, leistungsentscheidend.

In der Sportdidaktik spricht man in diesem Fall von der variablen Verfügbarkeit der Technik. Im Klartext bedeutet das, dass Sie unter allen Bedingungen auf ein stabiles technisches Grundgerüst zurückgreifen können, das Ihnen das erfolgreiche Absolvieren der geforderten Aufgabe ermöglicht. Mit dem Overload-Training kommen Sie diesem Anspruch sehr nahe. Im Handel sind dazu weitere Trainingsmittel zu bekommen. Sei es ein Bremsschirm, den Sie hinter sich herziehen oder das sogenannte angebundene Schwimmen mittels eines Gummiseils, welches Sie auf der einen Seite am Startblock befestigen und am Körper durch einen Hüftgurt fixieren. Das Schwimmen auf der Stelle hat einen besonderen Reiz und fördert neben der Kraft auf die sensorische Sensibilität an den Antriebsflächen.

Effekt auf die Wasserlage

Im Grunde ist Ihrer Kreativität kaum eine Grenze gesetzt. Befestigen Sie beispielsweise einen Schwamm oder ein altes Shirt an einem Seil und binden sich das andere Ende um Ihre Hüfte, so werden Sie schnell spüren, wie wenig Aufwand notwendig ist, um die Widerstandswerte von einem Moment auf den anderen erheblich zu verschlechtern. Auch hier erleben Sie im Umkehrschluss, wie wichtig es ist, sich um eine gute Wasserlage zu bemühen.

Bei allen Möglichkeiten, die der Einsatz von Trainingstools bietet, steht das angepeilte Ziel immer im Mittelpunkt der Überlegungen. Überlegen Sie sich deshalb genau, was Sie erreichen wollen und hinterfragen Sie den bisherigen Einsatz. Mitunter ist der routinierte Einsatz bereits so fest im Trainingsalltag verankert, dass man das tatsächliche Ziel aus den Augen verliert. Auch hier gilt: Brechen Sie Routinen regelmäßig auf und bereichern Sie Ihr Training mit neuen Ideen.

Alternative Übungen mit Schwimmtools:

  • 6 x 50 m: Beine, die letzten 15 m das Brett zur Widerstandserhöhung senkrecht ins Wasser stechen, Pause: 30 s
  • 4 x 150 m: 50 m Brett zwischen die Sprunggelenke als Stabi-Übung für die Wasserlage + 100 m ganze Lage, Pause: 30 s
  • 3 x 100 m: 25 m Brett aus dem Wasser halten und „trocken“ transportieren + 25 m Beine locker + 25 m Brett unter der Wasseroberfläche transportieren + 25 m Beine locker
  • 4 x 100 m: Kraul mit nur einem Paddle
  • 4 x 25 m: Rücken, dabei die Pull-Buoy auf der Stirn transportieren oder in der Luft von linker/rechter Hand ohne Wasserkontakt übergeben
  • 4 x 25 m: Mittig aufs Brett legen und mit stabiler Wasserlage schwimmen ohne dass das Brett herausrutscht