Ein paar Sportler aus dem Nahen Osten sind schon vor dem Start der Zollhaus Open/German Championships im Erzgebirge – manche von ihnen schwimmen das erste Mal im Eiswasser.
Am Freitagvormittag wird’s kalt für alle Sportler in Hermsdorf (Erzgebirge) an der Grenze zur Tschechischen Republik. Eiskalt. Die Zollhaus Open/German Championships werden erstmals in Kooperation mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) ausgetragen. Darauf sind Gerrit Curcio und seine Söhne Aron und Noah schon ein bisschen stolz.
In Zusammenarbeit mit dem deutschen Mister Eisschwimmen, Christof „Wandi“ Wandratsch, haben die drei Curcios diese coolen Wettkämpfe erfunden, die in einem kleinen See ausgetragen werden. 2019 war die Premiere. Seither werden diese Zollhaus Open immer am letzten Wochenende im Februar ausgetragen. Tage vorher heißt es meistens: aufhacken, den dick zugefrorenen See!
Zweimal Training am Tag
In diesem Jahr sind ein paar Sportlerinnen und Sportler bereits in der Woche vor dem ersten Startschuss angereist: knapp ein Dutzend Israelis. Die Damen und Herren aus dem Nahen Osten kommen aus der Wärme, manche von ihnen schwimmen jetzt im Erzgebirge erstmals im eiskalten Wasser. Sie haben ordentlich Respekt, sind aber täglich zweimal im See, einmal gleich morgens vor dem Frühstück und dann noch mal am Nachmittag. Sie steigern ihr Pensum von Training zu Training – und hoffen, dass die kurze Vorbereitungszeit im knapp drei Grad kalten Seewasser ausreicht. Wird schon klappen, sagen sie sinngemäß und mit einem Augenzwinkern.
Die Meisterschaften sind in diesem Jahr Teil des Weltcups der International Ice Swimming Association
(IISA), deren großes Ziel es ist, dass Eisschwimmen möglichst bald winterolympisch wird. Die Kooperation mit dem DSV ist ein Schritt in diese Richtung.
In diesem Winter treten bei den erstmals zweitägigen Zollhaus Open rund 200 Sportlerinnen und Sportler an, die meisten (rund 140) kommen aus Deutschland. Gemeldet sind indes auch Frauen und Männer aus Südafrika, Rumänien, Costa Rica, aus der Tschechischen Republik, aus Großbritannien, Italien, Mexiko, Polen, Spanien, aus der Schweiz und aus Vietnam – sowie die besagten Israelis.
Der Chef schwimmt mit
Zwei Tage vor dem ersten Rennen, kurz vor neun Uhr: Team Israel ist wieder am und im See. Gerrit Curcio schaut auch kurz vorbei. Der Chef-Organisator, Jahrgang 1967, ist früher für den SV Cannstatt in der Bundesliga geschwommen. Auf den kurzen Bruststrecken ist er im Eiswasser in seiner Altersklasse nach wie vor einer der schnellsten.
Bei seinen German Championships startet er über 50 Meter Brust und 50 Meter Freistil. An diesem Morgen erklärt er, Eisschwimmen sei für ihn fast immer eine große Überwindung, speziell in solchen Momenten, in denen kein Wettkampf ansteht. Doch dann spult Gerrit zwei 25-Meter-Bahnen im Eiltempo runter und ist ganz schnell wieder raus aus dem See. Abwarten, ob der Mann, der das Hotel Zollhaus (zu dem der See gehört) betreibt, seine Rennen am Wochenende gewinnen kann.