Sonntag, 25. Februar 2024
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WM-Analyse | So schwammen Wellbrock und Klemet zu Gold und Bronze

Den Titel gewonnen, zwei Medaillen geholt, Olympia gesichert: Besser hätte es für Florian Wellbrock und Oliver Klemet bei der WM in Fukuoka nicht laufen können.

Frank Wechsel / spomedis Mit langen Zügen unterwegs: Florian Wellbrock.

Es war mal wieder eine beeindruckende Vorstellung, mit der Florian Wellbrock in Fukuoka zum Weltmeistertitel über 10 Kilometer schwamm. Gegen die besten Freiwasserschwimmer der Welt setzte sich der Magdeburger nicht einfach nur durch. Nein, er dominierten das Rennen vom Start weg und ließ niemals Zweifel aufkommen, wer an diesem Tag das Gold mit nach Hause nehmen würde. Während Leonie Beck am Vortag nach fast zwei Stunden Rennzeit mit vier Sekunden Vorsprung das Ziel erreichte, bereits das ist eine kleine Welt in diesem Sport, in dem es oft um Zehntelsekunden geht, machte es Wellbrock noch deutlicher. Der Magdeburger schlug an, als die anderen gerade erst den geleinten Zielbereich erreichten. 18 Sekunden schneller war der neue Weltmeister, dessen Triumph ein wenig an seinen dominierenden Auftritt bei Olympia erinnerte. Perfekt machte den glänzenden WM-Auftakt Oliver Klemet, der als Dritter Bronze holte und sich damit wie Beck und Wellbrock das Olympiaticket sicherte.

Florian Wellbrock: Mit Technik zum Titel

Nur selten sieht man im Freiwasser eine derart dominante und selbstbewusste Performance wie die von Florian Wellbrock in Fukuoka. Der 25-Jährige übernahm nach wenigen Hundert Metern die Führung und hielt die Spitzenposition fast durchgängig bis ins Ziel. Nur der am Ende zweitplatzierte Ungar Kristof Rasovsky löste Wellbrock zwei- oder dreimal bei der Führungsarbeit ab. Jeweils aber nur für wenige Meter. Bemerkenswert ist wieder einmal die Zugfrequenz des Freistil-Stilisten: 63,8 einzelne Armzüge führte Wellbrock im Durchschnitt pro Minute aus. Das sind deutlich weniger als die Konkurrenz, die eher mit 70 bis 80 Zügen pro Minute unterwegs ist. Dank seiner herausragenden Technik schwimmt Wellbrock besonders effizient und spart auf diese Weise Körner für das Finale. Denn mit Beginn der letzten Runde dreht der Olympiasieger Stück für Stück an der Frequenzschraube. Laut Zahlen von Omega macht er im Endspurt auf den letzten 400 Metern die meisten Armzüge. Dann sind es bis zu 72 pro Minute.

privat Gold und Bronze für Deutschland: Florian Wellbrock und Oliver Klemet.

Oliver Klemet: Talent mit viel Speed

Der 21-Jährige von der SG Frankfurt, der zusammen mit Wellbrock bei Bernd Berkhahn in Magdeburg trainiert, überraschte in Fukuoka mit der WM-Bronzemedaille. Sein Können ließ das Talent aber schon mit starken Zeiten im Pool über 800 und 1.500 Meter aufblitzen, außerdem konnte er bei der internen WM-Qualifikation den zweimaligen Team-Weltmeister Rob Muffels hinter sich lassen. Ganz aus dem Nichts kommt Klemets Leistung damit nicht: Er weiß sich in einem Feld zu behaupten und hat auch den nötigen Schwimmspeed, wenn’s drauf ankommt. Sogar gegen die Besten der Welt. In Fukuoka hielt sich Klemet lange Zeit zurück und schwamm um eine Position zwischen fünf und zehn. Erst auf der zweiten Rennhälfte arbeitete er sich etwas vor und schließlich gelang es ihm, zusammen mit Kristof Rasovszky die Italiener Domenico Acerenza (am Ende Platz vier) und Gregorio Paltinieri (Platz fünf) abzuschütteln und als Duo die Verfolgung von Wellbrock aufzunehmen, freilich ohne diesen jemals wieder einzuholen. Wie der Weltmeister erhöhte Klemet im Finish die Zugfrequenz um rund zehn Züge von 65 auf 75 pro Minute. Beim Anschlagfinale mit Rasovszky stellte sich der erfahrene Ungar dann etwas cleverer an.

Paltrinieri abgehängt

Gerade im Vergleich zu den mit hohen Frequenzen schwimmenden Italienern Paltinieri und Acerenza zeigen sich Wellbrock und Klemet mit ihren langen Zügen im Vorteil. Beide sind gegen Ende des Rennens, wenn es um die Medaillen geht, in der Lage, die Zahl der Züge und damit ihr Schwimmtempo zu erhöhen. Vor allem bei Paltrinieri, der ohnehin schon mit rund 80 Zügen pro Minute schwimmt, ist im Finish kaum noch eine Steigerung möglich. Abschreiben sollte man Italiens Freiwasserschwimmer mit Blick auf Olympia trotzdem niemals. Dazu haben sie in der Vergangenheit zu oft ihre Klasse bewiesen.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.
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