Von van Almsick bis Haughey
Welche Schwimmerin schafft 1:49,99 Minuten über 200 Meter Freistil als Erste?

Früher undenkbar, ist eine Zeit von 1:50,00 Minuten über 200 Meter Freistil heute für die schnellsten Frauen der Welt im Bereich des Möglichen. Gerade wurde der Kurzbahn-Weltrekord weiter in diese Richtung verbessert.

FINA (Derencsenyi) Siobhan Haughey ist neue Weltrekordlerin über 200 Meter Freistil.

Als Anfang der 1990er-Jahre Weltrekorde auf der 25-Meter-Bahn eingeführt wurden, war Franziska van Almsick die erste Rekordhalterin über 200 Meter Freistil. Die Berlinerin schlug am 9. Januar 1993 beim Weltcup in Peking in der Zeit von 1:55,84 Minuten an. 14 Jahre war “Franzi” damals alt, es war das Jahr nach ihren drei Olympiamedaillen in Barcelona und die Zeit, in der ihr endgültig der sportliche Durchbruch gelang: Weltcup-Gesamtsieg, sechsmal EM-Gold, Weltschwimmerin des Jahres.

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In den 27 Jahren seit van Almsicks Rekord hat sich viel getan. Die Schwimmerinnen sind athletischer geworden, gehen die Rennen schneller an und holen auch durch besseres Material die eine oder andere Hundertstel heraus. Dazu zählen neben Schwimmanzug, Kappe und Brille auch weiterentwickelte Startblöcke und Schwimmleinen. Dennoch wäre van Almsick mit ihrer Zeit von damals auch bei der gerade laufenden Kurzbahn-WM in Abu Dhabi noch beste Deutsche geworden. Für einen Startplatz im Finale hätte sie jedoch mehr als eine Sekunde schneller sein müssen. Das zeigt: Mit einer 1:55er-Zeit ist auf der Kurzbahn heute kein internationaler Titel mehr zu holen, die Schnellsten der Welt sind bis zu fünf Sekunden schneller. Das entspricht einem virtuellen Vorsprung von etwa zehn Metern.

2 x 55,00 Sekunden

Inzwischen stellt sich die Frage: Welche Frau schafft es als Erste unter die Schallmauer von 1:50,00 Minuten? 1:50,00 Minuten, das bedeutet zweimal 55,00 Sekunden über 100 Meter oder viermal 27,50 Sekunden über 50 Meter – zu van Almsicks Zeiten eine kaum vorstellbare Leistung! Doch Schwimmstars wie Lisbeth Lenton, Coralie Balmy und Federica Pellegrini brachten den Rekord immer dichter an diese Marke heran. Zuletzt war es Sarah Sjöström, eigentlich eine Spezialistin für die 50 und 100 Meter, die den Rekord auf 1:50,78 Minuten (2014) und 1:50,43 Minuten (2017) verbesserte.

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Bis gestern. Denn seit dem 16. Dezember 2021 heißt die neue schnellste 200-Meter-Frau der Welt Siobhan Haughey und kommt aus Hongkong. Die 24-jährige zweifache Silbermedaillengewinnerin von Tokio (100 und 200 Meter Freistil) holte in Abu Dhabi WM-Gold in 1:50,31 Minuten. Nach 100 Metern sah es sogar aus, als könne Haughey schon jetzt die Marke knacken. Nach 53,81 Sekunden wendete sie zur Halbzeit, mehr als eine halbe Sekunde unter der Durchgangszeit von Sjöström. Am Ende konnte Haughey das hohe Tempo nicht ganz halten, dennoch reichte es, um weitere zwölf Hundertstel von der Bestmarke abzuknapsen. Die traumhaften 1:49,99 Minuten sind jetzt nur noch ein bis zwei Armzüge entfernt.

Groß und Biedermann

Bei den Männern war der Rekord übrigens zunächst in deutscher Hand und ist es nun seit vielen Jahren wieder. Als erster Rekordhalter gilt Michael Groß, der 1981 in Bremen 1:44,50 Minuten schwamm. Seit 2009 ist Paul Biedermann unerreicht. Der Hallenser schraubte die Rekordmarke beim Weltcup in Berlin auf 1:39,37 Minuten. Die erste Zeit unter 1:50,00 Minuten auf der Langbahn gelang 1979 Sergey Kopliakov aus der Sowjetunion.

200 Meter Freistil, Weltrekord (Kurzbahn)

ZeitNameJahr
1:55,84Franziska van Almsick (Deutschland)1993
1:55,42Claudia Poll (Costa Rica)1995
1:54,17Claudia Poll (Costa Rica)1997
1:54,04Lindsay Benko (USA)2002
1:53,29Lisbeth Lenton (Australien)2005
1:53,18Coralie Balmy (Frankreich)2008
1:51,85Federica Pellegrini (Italien)2008
1:51,17Federica Pellegrini (Italien)2009
1:50,78Sarah Sjöström (Schweden)2014
1:50,43Sarah Sjöström (Schweden)2017
1:50,31Siobhan Haughey (Hongkong)2021

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