44,84 Sekunden! Mit dieser Zeit wurde am Wochenende der Kurzbahn-Weltrekord über 100 Meter Freistil egalisiert. Ist das krass?
Für viele ambitionierte Schwimmer ist eine Zeit unter einer Minute über 100 Meter Freistil ein großes Ziel. Für die absolute Weltspitze geht es natürlich viel, viel schneller: Beim lukrativen Kurzbahn-Weltcup in Baku benötigte Egor Kornev für die vier Bahnen gerade einmal 44,84 Sekunden. Damit egalisierte er den Weltrekord von Kyle Chalmers, der vor fünf Jahren ebenfalls 44,84 Sekunden geschwommen war.
Kornev war in Baku Teil einer großen und äußerst starken russischen Delegation. Von einer Sonderbehandlung der russischen Schwimmerinnen und Schwimmer war jedenfalls nichts mehr zu sehen. Russische Flaggen waren quasi allgegenwärtig, da sich häufig zwei, drei oder gar vier Athleten für die Finalläufe qualifizierten. Keiner anderen Mannschaft gelangen beim ersten Weltcupstop so viele Podestplatzierungen.
Duell mit McEvoy
44,84 Sekunden! Für Normalsterbliche ist das eine unfassbare Zeit. Gepusht wurde Kornev bei seinem Rekordrennen von Cameron McEvoy. Der Superstar aus Australien ist Weltrekordhalter über 50 Meter Freistil auf der Langbahn und tritt nach rund zehn Jahren wieder auf der Kurzbahn an. Und McEvoy erwischte zunächst sogar den etwas besseren Start, wie die Splits zeigen.
Kornev: 10,13 / 21,62 / 33,26 / 44,84 Sekunden
McEvoy: 10,12 / 21,78 / 33,76 / 45,36 Sekunden
Chalmers: 21,40 / 44,84 Sekunden (2021)
Nach 25 Metern liegt McEvoy eine Hundertstelsekunde vorn, doch nach 50 Metern hat Kornev den Rückstand in einen Vorsprung von mehr als zwei Zehnteln gedreht. Der Russe profitiert vor allem von seinen massiven Delfinkicks, mit denen er nach jeder Wende Boden gutmacht. Hinten raus hält Kornev das enorme Tempo etwas besser. Bis ins Ziel schwimmt er eine halbe Sekunde heraus.
Auch im Vergleich zu Chalmers profitiert Kornev von einer besseren Renneinteilung, sofern man bei einem Sprinttempo von mehr als 2 Metern pro Sekunde überhaupt von Einteilen sprechen kann. Von Chalmers sind keine offiziellen Zwischenzeiten über 25 und 75 Meter überliefert, doch die 50-Meter-Marke erreichte er in 21,40 Sekunden deutlich früher als Kornev. Auf der zweiten Rennhälfte kann der Russe den Rückstand aber aufholen.
1.500 Meter: Sven Schwarz schwimmt aufs Podium
Der Weltrekord war das Highlight des ersten Weltcup-Stopps in Baku. Für die fünf punktbesten Leistungen nach der World-Aquatics-Punktetabelle sorgten:
- Egor Kornev: 100 m Freistil, 44,84 Sekunden – 1.000 Punkte
- Egor Kornev: 50 m Rücken, 22,23 Sekunden – 983 Punkte
- Yu Yiting: 200 m Lagen, 2:02,80 Minuten – 971 Punkte
- Carson Foster: 400 m Lagen, 3:57,23 Minuten – 969 Punkte
- Cameron McEvoy: 100 m Freistil, 45,36 Sekunden – 966 Punkte
Aus deutscher Sicht setzte Sven Schwarz über 1.500 Meter Freistil ein Ausrufezeichen. Der Hannoveraner schlug nach 14:35,41 Minuten als Zweiter an und musste sich nur dem Belgier Lucas Pierre Henveaux (14:34,98) geschlagen geben. Über 200 Meter Freistil wurde Schwarz in 1:47,49 Minuten 13.
Maya Tobehn qualifizierte sich über 200 Meter Freistil für das Finale und belegte dort in starken 1:55,27 Minuten den siebten Platz. Außerdem startete sie über 50 Meter Freistil (24,98), 100 Meter Freistil (54,63) und 50 Meter Schmetterling (26,47).
Am 8. Oktober wird der Weltcup in Taschkent fortgesetzt.