Henning Lambertz zieht beim SV Bayer Wuppertal einen Schlussstrich. Der frühere Bundestrainer kritisiert fehlende Konsequenz im Leistungssport. Im Verein ist man anderer Meinung.
Der SV Bayer Wuppertal und Schwimmtrainer Henning Lambertz gehen getrennte Wege. Nach zwei Jahren als Coach der ersten Leistungsgruppe hat der frühere Bundestrainer seinen Abschied erklärt. Das berichtet die Westdeutsche Zeitung. Noch bis zum Sommer will der 56-Jährige Trainingspläne für die Top-Schwimmer schreiben, danach endet seine Tätigkeit endgültig. Als Betreuer wird weiterhin Mitja Zastrow am Beckenrand stehen.
Gegenüber der Zeitung spricht Lambertz von einer freundschaftlichen Trennung, macht aber zugleich deutlich, warum er nicht weitermachen wollte. Neben seinem Beruf als Lehrer wolle er freie Zeit nur dann in den Sport investieren, „wenn es wirklich um Leistungssport geht“. Genau daran habe es ihm beim SV Bayer zuletzt gefehlt. „Ich habe versucht zu erklären, wie Leistungssport funktioniert, das wollte man aber so nicht“, sagte er.
Streit um Ausrichtung und Förderung
Der Verein reagierte überrascht – auch wegen des Zeitpunkts kurz vor den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (9.–13. Juni in Berlin) und den Jugendeuropameisterschaften. Die Bayer-Nachwuchsschwimmer Larus Thiel und Luisa Herrmann konnten sich dafür qualifizieren.
Lambertz war von 1997 bis 2008 schon einmal Trainer in Wuppertal und betreute damals international erfolgreiche Athleten wie Thomas Rupprath und Daniela Samulski. Es folgten fünf Jahre am Bundesstützpunkt, ehe er von 2013 bis 2018 den Cheftrainerposten im DSV übernahm. Seit dem Ende seiner Zeit als Trainer der Nationalmannschaft arbeitet Lambertz als Lehrer an einer Realschule in Wuppertal. 2024 übernahm er das Training der TG1 des SV Bayer.
Laut WZ kritisiert Lambertz in seinem Kündigungsschreiben unter anderem den Wegfall des Frühtrainings am Freitag sowie abgesagte Wettkampfreisen und Trainingslager. Dadurch fehle insbesondere älteren Schwimmern die Möglichkeit, sich international zu messen. Nach der bereits im April ausgetragenen Deutschen Meisterschaft seien viele Sportler ohne klare Saisonziele geblieben.
SV-Bayer-Geschäftsführerin Claudia Hastrich weist die Vorwürfe zurück. Der Verein investiere weiterhin viel Geld in den Leistungssport. Zusätzliche Reisen, die nicht Teil der zu Saisonbeginn durchgeführten Wettkampfplanung seien, seien finanziell nicht immer möglich gewesen. „Schwimmen ist nach wie vor ein Aushängeschild für uns“, betont Hastrich im Gespräch mit der WZ.
Sorge um den Nachwuchs
Auch die Nachwuchsarbeit sieht Lambertz kritisch. Aus seiner Sicht dränge derzeit kaum ein Talent aus der zweiten Trainingsgruppe nach oben. Fehlende Trainingsbeteiligung erschwere die Entwicklung zusätzlich. Der Verein müsse deshalb immer wieder Sportler von außen holen oder sei auf Ausnahmetalente angewiesen. „Wenn dem Verein das so reicht, muss man das akzeptieren, aber dafür bin ich nicht der richtige Partner“, sagte Lambertz.
Trotz der Differenzen lobt Lambertz die Bedingungen in Wuppertal grundsätzlich. Für den Schwimmsport sei die Stadt gut aufgestellt.