Freitag, 5. Juli 2024

64 Kilometer in 30 Stunden | Iris Ashman durchschwimmt den kompletten Bodensee

Viele haben es versucht, Iris Ashman hat es geschafft: Die Freiwasserschwimmerin ist als erste Frau nach den strengen Regeln des Kanalschwimmens von Bodman bis Bregenz der Länge nach durch Deutschlands größten See geschwommen.

Als Iris Ashman nach 30 Stunden, 17 Minuten und 11 Sekunden im Wasser in Bregenz ankommt und wieder festen Boden unter den Füßen hat, will die Freiwasserschwimmerin erst mal unter die Dusche „und dann so schnell wie möglich nach Hause und ins Bett.“ Zuvor hatte die 60-Jährige über die Distanz von 64 Kilometern alles aus sich heraus geholt und als erste Sportlerin den größten See Deutschlands nach den Regeln der Marathon Swimmers Federation (MSF) der Länge nach durchschwommen. Dies teilten die Veranstalter von Bodensee Openwater mit, die das Schwimmen am Sonntag und Montag organisierten, begleiteten und dokumentierten.

Vor Ashman waren vier Männer, Christof Wandratsch, Bruno Baumgartner, Hamza Bakircioglu und Martyn Webster, auf der ultralangen Strecke erfolgreich. Bei den Frauen sind die Schwimmerinnen Sandra Albrecht und Kirsten Seidel zu nennen. Albrecht durchschwamm den See im Jahr 2001 in 23 Stunden und 20 Minuten, wobei sie einen Neoprenanzug trug und zwischendurch kleinere Pausen einlegte. Beides ist nach den üblichen Regeln bei ratifizierten Open-Water-Schwimmen nicht erlaubt, weshalb das Schwimmen nicht in den Rekordlisten auftaucht. Anders verhält es sich bei Seidel, die 2012 im Badeanzug sogar zu einer See-Umrundung über 136 Kilometer startete. Zwar gab die Schwimmerin nach der Hälfte der Distanz wegen starker Strömungen auf, bis dahin hatte sie aber bereits die Strecke Bodman-Bregenz bewältigt und damit die Längsquerung geschafft. Allein, es fehlte damals noch eine offizielle Organisation, die Regeln für das Schwimmen aufstellt, deren Einhaltung überwacht und es schließlich als Rekord anerkennt.

Erfolgreiche Bodensee-Längsquerungen

DatumNameStreckeZeit
22.07.2013Christof Wandratsch (Deutschland)Bodman-Bregenz20:41 Stunden
30.08.2013Bruno Baumgartner (Schweiz)Bodman-Bregenz21:27 Stunden
17.07.2016Hamza Bakircioglu (Türkei)Bodman-Bregenz27:40 Stunden
15.09.2023Martyn Webster (Großbritannien)Bregenz-Bodman25:40 Stunden
17.06.2024Iris Ashman (Deutschland)Bodman-Bregenz30:17 Stunden

Schwimmen nach strengen Regeln

„Es ist unglaublich. Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben“, sagte Ashman laut Mitteilung von Bodensee Openwater. „Natürlich bin ich glücklich, aber auch ziemlich kaputt.“ Die Regeln der MFS sind streng und orientieren sich am Reglement des Ärmelkanalschwimmens. Demnach sind Neoprenanzüge verboten und lediglich Badeanzug oder Badehose, Badekappe und Schwimmbrille erlaubt. Das Schwimmen darf nicht unterbrochen und das Begleitboot zu keinem Zeitpunkt berührt werden. Den Angaben nach wurden alle Regeln eingehalten und das Schwimmen bei der MSF zur Ratifizierung eingereicht. Demnächst wollen drei weitere Athletinnen versuchen, den Bodensee der Länge nach zu durchschwimmen. Die Argentinierin Ailén Lascano Micaz, Conny Prasser aus Sachsen und Jennifer Spencer Dutton (USA) haben ihre Schwimmen für die nächsten Wochen und Monate angekündigt.

Verpflegungsstopp alle 20 bis 30 Minuten

Gestartet war Ashman, die aus Deutschland kommt und seit mehr als 20 Jahren im englischen Northfolk lebt, am Sonntagmittag in Bodman ganz im Westen des Bodensees. Das Luftlinie 64 Kilometer entfernte Ostufer in Bregenz erreichte sie nach einer durchschwommenen Nacht am Montag um 18 Uhr. Alle 20 bis 30 Minuten wurde sie von ihrem Team mit Essen und Trinken versorgt. Um dabei stets den Abstand zum Boot zu wahren, wurde die Verpflegung an einer Schnur befestigt und ins Wasser geworfen. „Iris ist kontinuierlich geschwommen“, sagte Patrick Boche von Bodensee Openwater. „Wenn es mal etwas schwerer ging, haben wir sie vom Beiboot immer wieder aufgebaut und motiviert.“

Erste Querung durch Christof Wandratsch

Die Geschichte der sogenannten Bodensee-Längsquerung geht zurück auf den Extremschwimmer Bruno Dobelmann, der nach einer doppelten Beltquerung in der Ostsee 2011 eine neue Herausforderung suchte. Sein damaliger Manager entwickelte daraufhin die Idee vom Bodensee und schlug Dobelmann die Längsquerung vor. Der Stuttgarter mit dem Spitznamen Orca biss an, scheiterte 2012 aber zweimal. Im Jahr darauf glückte Christof Wandratsch die Querung in 20:41 Stunden und wenige Wochen später Bruno Baumgartner in 24:20 Stunden.

Anmerkung: Die Taxtpassage über Sandra Albrecht und Kirsten Seidel haben wir nachträglich ergänzt.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.