Samstag, 25. Mai 2024

Premiere von Ost nach West | Martyn Webster schwimmt 64 Kilometer durch den Bodensee

Als erster Extremschwimmer ist Martyn Webster von Bregenz nach Bodman durch den Bodensee geschwommen. Der Brite benötigte dafür mehr als einen Tag.

Der Bodensee ist Deutschlands größter See und misst in seiner längsten Ausdehnung stolze 64 Kilometer. Erst drei Menschen konnten diese enorme Distanz bisher nach den Regeln des Kanalschwimmens, also nur mit Badehose, Kappe und Brille, zurücklegen, sie alle schwammen von Bodman im Westen nach Bregenz am Ostufer. Jetzt hat es erstmals ein Schwimmer in die entgegengesetzte Richtung geschafft. Der in der Schweiz lebende Brite Martyn Webster legte die Strecke Bregenz-Bodman vom 15. auf den 16. September zurück. Exakt 65,1 Kilometer zeigte der inoffizielle Tracker nach dem erfolgreichen Schwimmen. 25 Stunden und 40 Minuten war Webster im durchschnittlich etwa 22 Grad Celsius warmen Wasser ununterbrochen unterwegs. Laut Organisator Patrick Boche hielt sich der Schwimmer zu keiner Zeit am Boot fest oder erhielt sonstige Unterstützung. Lediglich für den beim Kanalschwimmern erlaubten Support wie Navigation, Verpflegung und Motivation sorgte die Begleitcrew.

„Die Nacht war extrem lang“

Für Webster war es die wohl größte sportliche Herausforderung bisher. Dreimal hat der erfahrene Schwimm-Abenteurer schon den Ärmelkanal durchquert (Bestzeit: 11:35 Stunden), dazu drei weitere Strecken der Ocean’s Seven und im Sommer nahm er noch an einem 45-Kilometer-Schwimmen in Montana (USA) teil. Die schiere Länge des Bodensees und die enorme Dauer stellen nun alles Bisherige in den Schatten. Am Freitagabend um 19:25 Uhr war der 56-Jährige, der in Rapperswil lebt, in Bregenz ins Wasser gegangen und zunächst dem Sonnenuntergang entgegengeschwommen. „Die Nacht war gefühlt extrem lang“, sagte er im Ziel. Durch den Nebel am Morgen waren vor allem die Begleiter gefragt, den Sportler durch schwierige Strömungsverhältnisse zu manövrieren. Für Webster selbst war das weniger dramatisch. „Wenn ich schwimme, orientiere ich mich am Beiboot – und das war immer da.“ Und so fiel ihm wohl gar nicht auf, dass er auf der Strecke zwischen Immenstaad und Hagnau mehrere Stunden verlor, weil er gegen die Strömung kaum vorankam.

Mit blinkender Schwimmbrille in die Nacht

Am Mittag kreuzte Webster die Fährlinie zwischen Meersburg und Konstanz. Bis dahin orientierte er sich am Nordufer des Bodensees. Danach ging es in Richtung Mainau an das Südufer des Überlinger Sees, vorbei an Dingelsdorf und Wallhausen. Als das Ziel Bodman schon zu sehen war, wurde es wieder dunkel. Für Webster der Moment, sich eine Schwimmbrille mit grünem Blinklicht aufzusetzen. Um Samstagabend um 21:07 Uhr erreichte der Abenteurer schließlich Bodman, wo er laut seines Teams auf wackeligen Beinen, erschöpft, aber überglücklich seiner Frau in die Arme fiel. „Die letzten 25 Kilometer waren unglaublich hart für mich“, so der Schwimmer. „Ich habe oft ans Aufhören gedacht, aber immer versucht, diesen Gedanken zu verdrängen, was mir glücklicherweise gelungen ist.“

„Das war eine Teamleistung“

Auch für Chef-Organisator Patrick Boche von „Bodensee Open Water“ war das Schwimmen von Martyn Webster eine Premiere. Normalerweise begleitet er deutlich kürzere Bodenseeschwimmen von Wallhausen nach Überlingen (2,5 km), von Meersburg nach Konstanz (5 km) und von Friedrichshafen nach Romanshorn (12 km). „Wir haben uns genauso akribisch auf die Betreuung vorbereitet wie Martyn auf seine Ultratour“, sagte Boche. „Es ging darum, zwei Boote und ein Team zu organisieren, die auf alle Eventualitäten vorbereitet sind.“ Am Ende standen den Begleitern ein Motorboot und eine Elektro-Segeljacht zur Verfügung. Zum Team gehörten neben Boche drei Skipper und zwei persönliche Betreuer, die den Schwimmer alle 30 Minuten mit Trinken, Bananen und Erdnussbutterbroten versorgten. „Das war absoluter Luxus“, lobte Webster seine Mannschaft. „Alle haben einen unglaublichen Job gemacht. Das war eine Teamleistung. Ohne sie hätte ich das nie geschafft.“

Die Geschichte der sogenannten Bodensee-Längsquerung geht zurück auf den Extremschwimmer Bruno Dobelmann, der nach einer doppelten Beltquerung in der Ostsee 2011 eine neue Herausforderung suchte. Sein damaliger Manager Oliver Halder entwickelte die Idee vom Bodensee und schlug Dobelmann die Längsquerung vor. Der Stuttgarter, Spitzname „Orca“, biss an, scheiterte im Jahr 2012 aber zweimal. Im Jahr darauf glückte Christof Wandratsch die Querung in 20:41 Stunden und wenige Wochen später Bruno Baumgartner in 24:20 Stunden. Als dritter Schwimmer war 2016 nach mehreren misslungenen Versuchen Hamza Bakircioglu (30:45 Stunden) erfolgreich. Alle drei führten ihr Schwimmen mit dem Veranstalter „Bodenseequerung“ durch und schwammen von Bodman nach Bregenz.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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