Mittwoch, 24. April 2024

Florian Wellbrock kritisiert IOC | „Ich kann diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen“

Das IOC hat empfohlen, Athleten aus Russland und Belarus wieder zu internationalen Wettkämpfen zuzulassen. Olympiasieger Florian Wellbrock und der Deutsche Schwimm-Verband kritisieren die Entscheidung.

Jo Kleindl Florian Wellbrock trainiert in Magdeburg gemeinsam mit seinem Freund und Konkurrenten Mykhailo Romanchuk aus der Ukraine.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat empfohlen, russische und belarussische Athletinnen und Athleten wieder zu internationalen Wettkämpfen zuzulassen. Das sei allerdings an Bedingungen geknüpft. Starten dürfen nur Einzelsportler, die den Krieg in der Ukraine nicht unterstützen. Generell ausgeschlossen sind außerdem Militärangehörige. Für die Rückkehr in den internationalen Wettkampfbetrieb gelten zudem weitere Bedingungen. Dazu zählt neben strikter Neutralität auch die Einhaltung des Anti-Doping-Codes. Vor ungefähr 13 Monaten, nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, hatte das IOC den internationalen Fachverbänden empfohlen, Athletinnen aus Russland und Belarus auszuschließen. Die meisten Verbände, darunter auch der Weltschwimmverband World Aquatics (damals noch Fina), folgten dieser Empfehlung.

„Es herrscht immer noch Krieg in der Ukraine“

Nun hat das IOC jedoch seine Meinung geändert und eine Wiederzulassung empfohlen, trotz teils massiver Kritik an dieser Entscheidung. Die Organisation verweist auf die Richtlinien der UN- und olympischen Charta zur Diskriminierung und die Autonomie des Sports. Für Olympiasieger Florian Wellbrock ist das unverständlich. „Ich kann diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen und finde das mehr als fragwürdig“, sagte er dem SID. Es habe sich „doch politisch nicht viel verändert, und es herrscht immer noch Krieg in der Ukraine“. Wellbrock trainiert in Magdeburg bei Trainer Bernd Berkhahn. Seit Kriegsbeginn hat sich Wellbrocks Konkurrent Mykhailo Romanchuk aus der Ukraine der Trainingsgruppe angeschlossen, die beiden Schwimmer sind gut befreundet. „Noch vor 13 Monaten hat das IOC empfohlen, russische oder belarussische Athleten bei internationalen Großereignissen auszuschließen. Warum das IOC plötzlich seine Meinung ändert und woher die Motivation dafür kommt, ist für mich völlig unklar“, so Wellbrock.

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ist weiterhin gegen eine Teilnahme russischer Athleten an internationalen Wettkämpfen. „Der Krieg dauert an. Wir sehen daher keine Veranlassung, von unserer Haltung abzuweichen, russische und belarussische Sportler auszuschließen“, sagte DSV-Vizepräsident Wolfgang Rupieper der Deutschen Presse-Agentur. Zum Weltcup im Oktober in Berlin werde man keine Athleten aus diesen Ländern einladen. „Wir verfahren erst mal weiter so, wie wir zuletzt auch verfahren sind“, so Rupieper. Der internationale Dachverband World Aquatics hat sich bisher nicht dazu geäußert.

Jule Radeck
Jule Radeck
Jule Radeck studierte Sportwissenschaften, bevor sie als Volontärin nach Hamburg zog. In ihrer Freizeit findet man sie oft im Schwimmbecken, manchmal auf dem Fahrrad und selten beim Laufen.

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