King of the Ice | Andreas Waschburger: „Die Hände und Füße werden taub“

Der „King of the Ice“ hat wieder zugeschlagen und bei der EM in Italien mehrere Titel abgeräumt: Andreas Waschburger über 1.000 Meter in zwei Grad kaltem Wasser, neue Pläne für den Sommer und Schwimmen bei den Winterspielen.

Hylo (Aaron Lombardozzi) Andreas Waschburger posiert mit seiner Medaillenausbeute in Molveno. Der Saarländer holte viermal Edelmetall in der offenen Klasse, dazu drei Plaketten in der Altersklassenwertung.

Andreas, herzlichen Glückwunsch! Zuallererst zur Geburt eurer Tochter vor ein paar Tagen. Alles gut? Ja, alles gut. Die Kleine kam gerade noch rechtzeitig zur Welt, sonst hätte ich die EM abgesagt.

Und dann: Glückwunsch zu den Titeln bei der Eis-EM in Molveno. Über 500 und 1.000 Meter Freistil konnte dich keiner schlagen. Dazu hast du über 250 Meter Freistil Silber und mit der deutschen Staffel Bronze gewonnen. Welche Leistung ist dir am wichtigste? Ganz klar die Königsdisziplin, die 1.000 Meter. Mit meiner Zeit bin ich zufrieden, 11:46 Minuten – mein Weltrekord steht zwar bei 11:24 Minuten, den bin ich aber bei 3,8 Grad Wassertemperatur geschwommen, jetzt in Molveno hatten wir bei den 1.000 Metern 2,5 Grad.

Der 1.000-Meter-Gewinner ist King of the Ice. Wie fühlt sich das an: einen Kilometer weit schwimmen bei zwei Grad Wassertemperatur? Das ist hart. Zumal ich ein bisschen angeschlagen ins Rennen gegangen bin. Ich lag vom Start weg immer vorn und habe bei 500 Metern ein bisschen Tempo rausgenommen. Im Laufe so einer langen Strecke im Eiswasser geht das Wassergefühl verloren, die Hände und die Füße werden taub.

Hylo (Aaron Lombardozzi) Zusammen mit Alisa Fatum-Böker, Marie Therese Bartl und Kilian Gräf (von rechts) gewinnt Andreas Waschburger (links) Bronte mit der 4×250-Meter-Staffel.

Du bist Weltmeister und Europameister im Eisschwimmen und hast 2024/2025 einen sagenhaften Ocean’s-Seven-Weltrekord aufgestellt. Hast du jetzt, unmittelbar nach der EM, die Motivation, weiter voll zu trainieren? Ich trainiere immer voll. In der Woche nach der EM werde ich aber nur einmal am Tag im Wasser sein. Dann habe ich mehr Zeit für meine kleine Familie.

Was kann noch kommen? Was sind deine Pläne für den anstehenden Sommer? Im Juni will ich rund um Manhattan schwimmen, 48 Kilometer.

In einer neuen Rekordzeit? Das wäre das Ziel. Wichtiger ist mir aber der Rekord in der Triple-Crown-Wertung: Dazu zählen der Ärmelkanal und der Catalina Channel, die ich beide schon geschwommen bin. Jetzt fehlt nur noch das 20 Bridges Swim um Manhattan.

Du bist in London bei den Olympischen Spielen gestartet. Jetzt hat die International Ice Swimming Association das große Ziel, mit Eisschwimmen winterolympisch zu werden. Ist das aus deiner Sicht realistisch? Längerfristig ja.

Wann? Ich denke, nicht vor 2034.

Mit dem Weltmeister Waschburger? Vermutlich nicht mehr als Sportler. Dafür ist 2034 zu weit weg. Wenn Eisschwimmen tatsächlich olympisch wird, dann wird auch die Konkurrenz deutlich stärker werden – und ich werde bis 2034 nicht schneller.

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Martin Tschepehttp://www.bahn9.de/
Martin Tschepe ist freier Autor, Swimguide, Freiwasser- und Eisschwimmer des SV Ludwigsburg.

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