Die Deutschen schwimmen vorne mit, doch bei ARD und ZDF sieht man nichts

Zwei Kameras verfolgen bei den Olympischen Spielen in Tokio das Geschehen im Becken.

Es ist wirklich traurig! Da zeigen die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer bei den Weltmeisterschaften in Budapest eine starke Leistung nach der anderen und im deutschen Fernsehen sieht man davon so gut wie nichts. Keine Live-Bilder von Anna Elendts Überraschungssilber über 100 Meter Brust, keine TV-Interviews mit Vize-Weltmeister Lukas Märtens am Beckenrand. Allenfalls gibt es kurze Häppchen in den Nachrichtensendungen. Und die großen Rennen von Florian Wellbrock kommen ja erst noch.

ARD und ZDF haben für diese WM keine Fernsehrechte erworben und auch Eurosport überträgt nicht. Wer dennoch Live-Bilder sehen möchte, ist auf den englischsprachigen Stream des Schwimm-Weltverbands angewiesen, der sich mit etwas Mühe auf der Website der Fina finden lässt (oder hier). Der Stream funktioniert für das rein Sportliche soweit gut, liefert aber natürlich keine speziellen Hintergrundinformationen über einzelne Schwimmerinnen und Schwimmer.

Nicht mal einen Stream mit deutschem Kommentar

Ist Schwimmen für die deutschen TV-Zuschauer nach den großen Zeiten von Michael Groß, Franziska van Almsick, Britta Steffen und Paul Biedermann nicht mehr interessant? Es scheint fast so. Denn trotz der jüngsten Erfolge insbesondere von Sarah und Florian Wellbrock bei der WM 2019 und den Olympischen Spielen in Tokio erwarten die Fernsehsender offenbar keine Einschaltquoten, die den Aufwand einer Reise nach Budapest rechtfertigen würden. Zugegeben, in der Breite lassen die Leistungen der deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer seit gut einem Jahrzehnt zu wünschen übrig. Seit den Olympischen Spielen 2012 gab es bei vier Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen nur neun Medaillen.

Allerdings sind die Probleme auch hausgemacht. Die extreme Fokussierung auf deutsche Athleten (nicht nur im Schwimmen) hat die Sender abhängig von deutschen Stars und deutschen Spitzenleistungen gemacht. Als ob dramatische Rennverläufe und individuelle Höchstleistungen von Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Ländern keine Übertragung wert seien. Etwa vom 100-Meter-Rücken-Weltrekord des Italieners Thomas Ceccon, dem 13. WM-Gold von Ausnahmeschwimmerin Katie Ledecky oder den Auftritten von Sprintstar Caeleb Dressel, die einen immer wieder staunen lassen. Und sollte es für ein mit Milliarden subventioniertes öffentlich-rechtliches TV-System nicht zumindest möglich sein, in einer Kernsportart einen kommentierten Livestream anzubieten? Meinetwegen mit dem einfachen Weltbild und einem Kommentator oder einer Kommentatorin in Deutschland, aber in der Mediathek von ARD oder ZDF.

Paradoxerweise sind die nächsten Live-Schwimmbilder gar nicht weit weg. Am Wochenende übertragen die beiden Hauptsender „Die Finals“ aus Berlin, in deren Rahmen auch die Deutschen Meisterschaften stattfinden. Fehlen werden dann einige der besten deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer. Florian Wellbrock etwa schwimmt dann noch in Budapest.

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Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.