Mittwoch, 24. April 2024

Paddles, Flossen, Brett | Tool-Training für Masters

Schwimmbrett, Pull-Buoy, Paddles, Flossen – kaum ein Schwimmer trainiert ohne sie. Was Tool-Training für Masters bedeutet, erläutert Physiotherapeutin Margarete Esser.

Frank Wechsel

Die meisten Schwimmer kennen und lieben sie, die bunten Tools, die es bringen ­sollen. Sieht man die kunterbunten Plastikteile am Beckenrand liegen, weiß man sofort: Hier ist ein Schwimmer unterwegs (oder ein Triathlet). Aber bringen die Teile wirklich mehr als nur Farbe ins Training? Was sagen Biomechaniker und wissenschaftliche Studien dazu?

Der Klassiker für Arme und Beine

Das Schwimmbrett ist der Klassiker unter den Trainingshilfen. Viele verschiedene Formen und Größen sind erhältlich und es gibt Kombi-Geräte, sogenannte Pullkicks. Das Schwimmbrett verwenden viele Athleten, um den Beinschlag isoliert, also losgelöst von den Armbewegungen, zu trainieren. Dazu ist es grundsätzlich gut geeignet, allerdings sollte man sich darauf beschränken, mit dem Schwimmbrett erst einmal nur den Beinschlag zu lernen. Sobald dieser sitzt, sollte man sich beim Beine­schwimmen zunehmend vom großen Schwimmbrett verabschieden. Und dafür gibt es ­Gründe.

Das große, starre Brett bietet nicht nur viel Auftrieb, sondern ermöglicht auch ein gemütliches Ablegen der Arme. Aus biomechanischer Sicht ist das nicht hilfreich, denn durch das Schwimmbrett erfährt der vordere Teil des Körpers großen Auftrieb, was die gesamte Wasserlage verändert. Um einem Hohlkreuz sowie Problemen mit der Lendenwirbelsäule vorzubeugen, braucht es einen hohen Bauchmuskeleinsatz, den die meisten Hobbyschwimmer aber nicht leisten können. Hinzu kommt eine starke Belastung für die Halswirbelsäule, da der Kopf die ganze Zeit oberhalb der Wasseroberfläche ist. Dabei bietet der Beinschlag in Kraul und Rücken opti­male Möglichkeiten, die so wichtige Rumpfstabilität zu trainieren. Habe ich vorn ein starres Brett, nehme ich mir diese Möglichkeit. Fazit: Das Brett hilft mir nur bedingt für ­das Schwimmen in der Gesamtlage. ­In der wissenschaftlichen Literatur heißt es zusammengefasst: Am besten übst du den Beinschlag ohne Brett – und wenn es doch ein Auftriebskörper sein muss, gibt es sehr kleine Pullkicks oder Bretter. Mit ihnen verbindet man das Erleichternde mit dem Training der Beine und der Rumpfstabilität. Durch den geringeren Auftrieb braucht auch die Bauchmuskulatur nicht so immens dagegen halten.

Vorsicht mit Paddles

Paddles sind die besten Freunde der ambitionierten Schwimmer – und vor allem der Triathleten. Es gibt immer neue Formen und Größen auf dem Markt und hört man diesen Schwimmern zu, dann scheint es nur diese Wahrheit zu geben: größer ist besser! Aber trifft das auf die Masse der Schwimmer wirklich zu? Fakt ist, dass die großen Plastikteile den Armzug ganz schön verändern können – und zwar leider nicht im gewünschten Sinne, ihn schneller und kraftvoller zu machen. Viele Schwimmer, die mit Schulterproblemen kämpfen, sind häufig lange Strecken mit Paddles geschwommen. Bei biomechanischer Betrachtung erkennt man, wie viel Kraft nötig ist, um einen sauberen Armzug damit schwimmen zu können. Das gelingt vielleicht der durchtrainierten Elite des Schwimmsports, aber bei den meisten ist nach wenigen Zügen Schluss mit einem ordentlichen Armzug. Wenn du dann weiter schwimmst, veränderst du den Armzug unwillkürlich durch Ausweichen, was zu Fehlbelastungen in den Armen und Schultern führt. Deshalb sollten Paddles bei Schwimmern mit einer Vorschädigung und bei Masters tabu sein, um Schlimmeres zu verhindern. Zudem verändert sich auch hier die natürliche Wasserlage und die Koordination des Bewegungsablaufs. Ein weiteres Problem besteht darin, dass durch den großen Widerstand verursacht die Zugfrequenz abnimmt.

Doch es gibt auch für Paddles sinnvolle Einsatzgebiete, vorausgesetzt man verabschiedet sich von den riesigen Handbrettern und steigt um auf kleine Paddles speziell fürs Techniktraining. Diese haben nur eine Fixa­tion für einen Finger. Mit diesen Fingerpaddles übt man das Eintauchen und Wasserfassen und wenn das nicht ordentlich gelingt, klappen die Paddles einfach weg. Das ist gut zur Eigenkontrolle auf kurzen Strecken bis 100 Meter. Denn insgesamt ist die Studienlage zum Thema eindeutig: Schulterprobleme sind meist auf den Einsatz von Paddles zurückzuführen.

Problem-Tool Pull-Buoy

Sehr häufig sieht man auch Pull-Buoys. Sie bieten Auftrieb für die Beine, was gerade schlechten Beine-Schwimmern Hoffnung verleiht. Und, ja, man kommt damit schneller voran. Nur was bringen sie? Pull-Buoys sind optimal, wenn der Armzug neu erlernt oder korrigiert werden soll. Dann kann man sich voll auf diesen konzentrieren und muss sich keine Gedanken um die Beine machen. Aber bringt dir das Schwimmen mit Pull-Buoy auch ein verstärktes Armtraining? Eindeutig nein, denn dadurch, dass du das Gewicht der Beine wegnimmst, erleichterst du dir den Armzug und kannst ein höheres Tempo schwimmen.

Man könnte die Pull-Buoy also eher zum Lockerschwimmen nehmen, um die Schultern zu entlasten, wenn da nicht noch andere Faktoren zu bedenken wären. Die Pull-Buoy verändert die Wasserlage massiv, bringt den Schwimmer ins Hohlkreuz, es sei denn, er hat phänomenale Bauchmuskeln, die er aktiv dagegen anspannt. Dass das kaum jemandem gelingt, kann man jeden Tag im Pool beobachten, wenn beim Schwimmen die Beine mit Pull-Buoy hin- und hereiern. Wer die Entlastung der Arme sucht, sollte nur kurze Strecken mit einer kleinen Pull-Buoy schwimmen, für lange Strecken ist die Gefahr der Fehlbelastung zu groß. Richtig problematisch wird es, wenn die Pull-Buoy mit Paddles kombiniert wird, dann addiert oder potenziert sich der negative Einfluss auf den Körper. Und schneller macht es einen auch nicht. Es gibt eine Reihe wissenschaftlicher Studien, die sich genau mit diesem doppelten Einsatz von Tools beschäftigt haben. Die Ergebnisse bestätigen die negativen Effekte – nur herumgesprochen hat sich das noch nicht.

Flossen nur zum Einstieg

Das letzte Werkzeug, das hier besprochen werden soll, sind Flossen, die es ebenfalls in vielen Varianten gibt. Die Länge und die Härte des Flossenblatts führen unter Schwimmern oft zu leidenschaftlichen Diskussionen. Gerade Athleten mit schwachem Beinschlag lieben ihre Flossen, weil sie damit schneller vorankommen. Aber trainieren sie überhaupt den Beinschlag? Zunächst das Positive: Flossen sind ein nützliches Tool zum Erlernen des Kraul-, Rücken und Schmetterlingsbeinschlags sowie der Koordination beim Schmetterlingsschwimmen in der Gesamtlage.

Allerdings ist der Beinschlag mit Flossen ein anderer als ohne – und das ganz besonders, je länger und härter die Fußverlängerung ist. Es braucht mehr Kraft und Zeit, die Flossen zu bewegen. Außerdem muss der Beinschlag aus den Knien kommen, die Kraft der normalerweise eingesetzten Hüftmuskulatur reicht dazu nicht aus. Wenn du häufig mit Flossen schwimmst, überträgst du diesen modifizierten Beinschlag auch in dein normales Kraul- und Rückenschwimmen, was dich dann langsamer macht. Zudem erfordert das Flossenschwimmen enorm Kraft aus den Waden, die, wenn nicht ausreichend gedehnt, gern mit Krämpfen reagieren.

Tools mit Köpfchen einsetzen

Was folgt aus all diesen Erkenntnissen? Ist jetzt alles umsonst? Jein, denn mit Köpfchen an der richtigen Stelle eingesetzt können Tools sehr hilfreich sein. Sie eignen sich fürs Er­lernen der Schwimmarten und für die wenigen Schwimmer, die über eine sehr gute Schwimmtechnik und sehr gute Krafteigenschaften vor allem auch im Rumpf verfügen. Allerdings gilt auch für sie, eher kurze Strecken achtsam zu schwimmen, um böse Folgeerscheinungen zu verhindern. Masters sollten besser die Finger von ihnen lassen.

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