Die Para-Schwimm-WM in Singapur steht vor der Tür: Zehn deutsche Athletinnen und Athleten wollen nach dem Paralympics-Erfolg von Paris erneut Medaillen erkämpfen – trotz verschobener Prioritäten und neuer Konkurrenz.

Vom 21. bis 27. September steht mit der Para-Schwimm-WM in Singapur das nächste Großereignis an. Für die deutsche Nationalmannschaft ist es eine Saison nach den Paralympics von Paris – und damit ein Moment voller Spannung: Große Motivation trifft auf eine ungewisse Erwartung.
In Paris hatte das Team D herausragende Leistungen gezeigt: vier Goldmedaillen, je dreimal Silber und Bronze, dazu zwei Weltrekorde. Zehn der zwölf Paris-Starter werden auch in Singapur dabei sein – ein stabiles Rückgrat, auf das aufgebaut werden kann. Fehlen werden Johanna Döhler, die sich der Belastungssteuerung zuliebe für die European Para Youth Games entschieden hat, und Elena Semechin, zweifache Paralympics-Siegerin, die kürzlich Mutter wurde.
Taliso Engel: „Mein Ziel ist eine Medaille“
Auch für Spitzenschwimmerinnen wie Verena Schott oder Tanja Scholz ist Singapur ein Balanceakt: Sie müssen zwischen Leistung, Familie und anderen Lebensbereichen navigieren. Scholz hatte im letzten Jahr gesundheitliche Herausforderungen und ist zudem wieder im Berufsleben tätig, Schott hat erst im Januar ihr drittes Kind bekommen. Weltrekordler Taliso Engel sagt: „Grundsätzlich ist mein Ziel eine Medaille – und im besten Fall natürlich Gold. Das Wichtigste ist für mich aber, dass ich mit meinen Zeiten happy bin. Generell fühle ich mich sehr gut im Training, die Zeiten sind trotz der fehlenden Trainingswochen rund um Let’s Dance teilweise auf dem Niveau des Vorjahres.“
Bundestrainerin Ute Schinkitz, die seit 2008 im Amt ist, spricht offen über die „verschobenen Prioritäten“ im Jahr nach den Paralympics. Ausbildung, Studium, Arbeit oder einfach Erholung und Familie rücken stärker in den Vordergrund – trotzdem ist der Anspruch klar: Medaillen, Top-Platzierungen und möglichst viele Saisonbestzeiten. Platzierungen unter den besten Acht, womöglich sogar unter den Top-Fünf der Welt, sind konkrete Ziele. Bei der letzten WM vor zwei Jahren in Manchester holten die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer 17 Medaillen (6 x Gold, 7 x Silber, 4 x Bronze) und belegten Platz elf im Medaillenspiegel.
„Wir schauen auf uns“
Ein weiteres Thema sind die anderen Nationen: Wie stark sind die neuen Gegner? Welche Athletinnen und Athleten pausieren oder haben ihre Karriere beendet? Manche Nationen sind mit frischen Gesichtern und Zeiten in den Weltranglisten vertreten, die man bislang nicht auf dem Radar hatte? Dennoch lautet das Motto der deutschen Delegation: „Wir schauen nur auf uns und unsere Leistungen, denn nur das können wir beeinflussen.“
Das deutsche Aufgebot für Singapur: Gina Böttcher, Malte Braunschweig, Taliso Engel, Philip Hebmüller, Mira Maack, Tanja Scholz, Verena Schott, Naomi Maike Schwarz, Josia Topf und Maurice Wetekam.
Gleich am zweiten Wettkampftag stehen aus deutscher Sicht drei Highlights an: Dann gehen Tanja Scholz, Taliso Engel und Josia Topf auf ihren Strecken als Mitfavoriten an den Start.
Alle Ergebnisse der Para-WM gibt es hier.
