Freitag, 19. Juli 2024

Saisonstart Winterschwimmen | Eiskalt erwischt

Langsam nähern sich die Temperaturen im Freiwasser den Wettkampfbedingungen fürs Eis- und Winterschwimmen. Die ersten Rennen stehen an. Unseren Autor hat’s vor knapp zehn Jahren eiskalt erwischt, er ist wieder dabei.

Martin Tschepe Eiskaltes Wasser und Schnee: Bedingungen, wie sie Eisschwimmer lieben.

Er habe da etwas für mich. Diese Worte und ein freches Grinsen im Gesicht von Oliver werde ich nicht vergessen. Ein Wintertag vor knapp zehn Jahren. Oliver Halder aus Winnenden bei Stuttgart veranstaltet Schwimmwettbewerbe, und er hat sich damals was Neues ausgedacht: Die ersten Ice Swimming German Open. Im Wöhrsee in Burghausen. Anfang Januar. Wassertemperatur: unter fünf Grad. Ich sei willkommen, sagt der Oliver. Und grinst. Nein danke, das ist meine schnelle Antwort. Doch er schenkt mit einen Start. Und bald stehe ich bibbernd am Wöhrsee – und schwimme. 25 Meter Freistil, der See hat vier Komma irgendwas Grad. Wie cool ist das denn! Seither bin ich Winter für Winter dabei. Schwimmen mal hier einen Wettkampf, mal dort. Seit ein paar Jahren auch die Königsdisziplin, die 1000 Meter. Einen Kilometer bei zwei Grad! Völlig verrückt, sagen viele. Wir Eisschwimmer antworten dann meistens: ja, schwimmverrückt. Und Grinsen. Warum wir das machen? Kurze Antwort: Weil wir es können. Die etwas längere: weil Schwimmen im eiskalten Wasser Spaß macht, die gefühlt eintausend Nadelstiche auf der Haut bringen den Körper ordentlich in Schwung. Schlechte Laune ist nach so einer eiskalten Schwimmeinheit wie weggeblasen. Seit ich im Eiswasser schwimme, bin ich nur noch selten krank.

Jetzt also beginnt wieder mal so eine eiskalte Saison. Ich frage mich im Spätsommer und im Herbst oft: Tue ich mit das wieder an? Wie soll ich nur bei vier, drei oder zwei Grad kaltem Wasser schwimmen? Wenn sich das Wasser im Neckar oder in der Nordsee schon bei 13 oder 14 Grad richtig kalt anfühlt. Aber dann bleib ich dran: jede Woche mindestens einmal rein, besser öfter. Wiederholungstäter wissen: der Körper gewöhnt sich an fast alles. In diesem Winter will ich nur wenige Wettkämpfe schwimmen, aber abwarten, wer weiß.

Start im Silbersee

Einer der ersten Wattkämpfe im Winter 2023/24 ist der Silbersee Ice-Cup Anfang Dezember. Der Veranstalter Florian Battermann sagt: „Traditionell eröffnen wir den Eisschwimmwinter in Deutschland.“ Auf dem Programm stehen Strecken von 50 bis 1.000 Meter. Battermann rechnet mit knapp vier Dutzend Startern aus vier Ländern. Der Ice-Cup ist eine kleine, überschaubare Veranstaltung. Ich werde auch in diesem Jahr nicht dabei sein, leider. Sorry, Florian. Vielleicht im nächsten Winter.

Ganz neu im Kalender ist der Veitsbad Cup, der am 6. Januar im Veitsbronn ausgetragen wird. Motto: Traut Euch mit uns ins kalte Wasser! Die Organisatoren sind erfahrene Macherinnen und Macher, die im Veitsbad mehrmals die German Open auf die Beine gestellt haben.

Im selbst ernannten Mekka des Eisschwimmens in Deutschland, in Burghausen, werden am 20. Januar die 5. Stadtmeisterschaften ausgetragen. In diesem Jahr stehen laut Auskunft des Trainers, Stefan Hetzer, in erster Linie Staffeln auf dem Programm. Zudem würden in Wöhrsee wieder offene Trainingswochenenden angeboten.

1.000 Meter im Erzgebirge

Einer der letzten Wettkämpfe im deutschen Eiswasser sind die Zollhaus Open, die am Samstag, 24. Februar 2024, in einem winzigen See im Erzgebirge ausgetragen werden. Auf etwa 800 Höhenmetern dürfte es wieder bitter kalt werden. Die Zollhaus Open sind längst in meinem Kalender eingetragen und markiert. Ich bin wieder dabei! Für viele Eisschwimmer ist der Cup, der neben dem Hotel Altes Zollhaus stattfindet, einer der coolsten Wettkämpfe überhaupt. Auch hier werden Strecken zwischen 50 und 1.000 Meter angeboten.

Alle, die es mal wieder richtig krachen lassen wollen im Eiswasser, können bei zig weiteren Wettkämpfen im In- und Ausland starten. Die Rennen sind auf den Internetseiten dieser zwei Verbände gelistet sind: International Iceswimmen Association und International Winterswimming Association. Ausgeschrieben sind unter anderem Weltmeisterschaften und Europameisterschaften.

Einer der fleißigsten Starter im kalten Wasser ist Lars Mack. Der Münchener hat in Vorjahr den Weltcup im Winterschwimmen gewonnen – und er hat bewiesen, dass es möglich ist auch ohne Training im kalten Wasser die 1.000 Meter schnell zu schwimmen. Lars hat den Kilometer beim Winterschwimmen in Argentinien gewonnen, im August! Lars war für ein paar Tage aus dem europäischen Hochsommer in den südamerikanischen Winter geflogen. Und er hat eiskalt zugeschlagen.

Martin Tschepe
Martin Tschepehttp://www.bahn9.de/
Martin Tschepe ist freier Autor, Swimguide, Freiwasser- und Eisschwimmer des SV Ludwigsburg.

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