Wellbrocks 10-km-Sieg
Goldrausch

Florian Wellbrock ist Olympiasieger im “Marathon Swimming”, der erste DSV-Athlet seit 2008, der erste Mann seit 1988 sogar. Hier sind die Impressionen seines beeindruckenden 10-Kilometer-Rennens.

Frank Wechsel Olympiasieger Florian Wellbrock

Donnerstag, 5. August 2021, früh am Morgen. Um 6:20 Uhr betreten die Deutschen Florian Wellbrock und Rob Muffels zusammen mit 23 anderen in einem langfristigen Qualifikationsprozess Auserwählten den Steg im Odaiba Marine Park. Es ist der Tag des Marathon-Schwimmens, wie die offizielle Bezeichnung der 10-Kilometer-Distanz bei Olympia lautet. Die Hitze brütet über der größten Stadt der Welt, darum startet man so früh.

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Ein Zuschauerspektakel ist das Marathonschwimmen nur selten. 2012 im Londoner Hyde Park konnten die Briten hautnah dabei sein. Hier ist die Strecke eher auf Anonymität ausgerichtet. Wären Zuschauer zugelassen gewesen, hätten sie gesehen: Zwei Großbildleinwände, viele Boote – und gelegentlich einen Schwimmer.

Frank Wechsel / spomedis Sekunden vor dem Start …

Doch zurück zum Geschehen: Muffels und Wellbrock gehen mit den Startnummern 10 und 12 ins Rennen. Das hat nur für die Pontonaufstellung Relevanz, danach zählt nur noch: Leistung. Der Start erfolgt pünktlich. Jedenfalls für die meisten, anders als beim Triathlon bringen manche Freiwasserschwimmer hier noch sehr viel Geduld mit.

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Frank Wechsel / spomedis

Das vierte Männerrennen in der Olympiageschichte über diese Distanz, es läuft! Niederlande, Tunesien, Niederlande lautet die Reihenfolge der Olympiasieger bei den Männer – dementsprechend viel holländisch wird auch auf unserem Fotoboot gesprochen. Von dort schießen wir die beeindruckenden Bilder, die das Freiwasser hergibt – und beobachten, wie sich Florian Wellbrock gleich nach vorn absetzt. Rob Muffels führt erst einmal die Verfolger an.

Zehn Kilometer sind eine große Energieleistung – und diese Energie wird an einer Verpflegungsstation nachgetankt. An langen Sticks reichen die Trainer die verabredete Mischung in Flaschen. Sechsmal passieren die Sportler den Steg. Die meisten greifen auf jeder Runde zu.

Florian Wellbrock nutzt die kurze Trinkpause, um sich schnell einen Überblick über die Konkurrenz zu machen. Er sieht: Die anderen sind weit auseinandergezogen. Da müssen schon ganz schöne Positionskämpfe hinter denen liegen, von denen er in seiner 30-Züge-pro-Minute-Seelenruhe gar nichts mitbekommen hat. Er beschließt ein taktisches Manöver: Warum nicht nach der Hälfte des Rennens mal einen anderen führen lassen? Mal testen, was der so kann? Der Franzose Marc-Antoine Olivier ist kurzzeitig der neue Führende im Olympiarennen. Und doch eigentlich nur ein Opfer von Wellbrock.

Schnell stellt der Deutsche die Rangordnung wieder her. Eine Lehre für Olivier und alle anderen. Und als Wellbrock dann auch noch seine Frequenz erhöht, mit 32 Zügen pro Minute weiterkrault, ist klar: Dieser Mann ist nicht zu schlagen. Nicht hier und heute. Bei seinen beiden Pool-Entscheidungen, als er Vierter über 800 und Dritter über 1.500 Meter wurde – da hätte man über Taktik diskutieren können. Doch heute diskutiert Wellbrock nicht. Er diktiert.

Frank Wechsel Der Blick von Wellbrock geht nur noch nach vorn.

Es kommt zur finalen Machtdemonstration auf der Zielgeraden. Ein Endspurt findet nur noch zwischen Kristof Rasovszky aus Ungarn, der Zweiter wird, und dem Italiener Gregorio Paltrinieri statt. Wellbrock ist aus dem Gemetzel fein raus, schwimmt sein Ding zu Ende und hat am Ende 26 Sekunden Vorsprung.

Es ist Gold! Gold für Florian Wellbrock aus Deutschland, Silber für Kristof Rasovszky aus Ungarn und Bronze für Gregorio Paltrinieri aus Italien. Die drei respektieren sich, fallen sich um den Hals, als sie alle endlich wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Frank Wechsel / spomedis Wir ordnen nach Startnummern: Florian Wellbrock (12), Kristof Rasovszky (16) und Gregorio Paltrinieri (20).

Rob Muffels muss sich derweil noch mit einem ganzen Pack um die Platzierungen auseinandersetzen. Er hatte mehr gewollt, aber den Endspurt lässt er sich nicht nehmen. Der Magdeburger schlägt als Elfter an.

Frank Wechsel Rob Muffels wird Elfter im Olympiarennen über zehn Kilometer.

Die Siegerehrung: Zum ersten Mal seit Britta Steffens Olympiasiegen in Peking 2008 wird die deutsche Nationalhymne für einen Sportler des Deutschen Schwimmverbands gespielt. Florian Wellbrock ist Olympiasieger im Marathonschwimmen. Mit den letzten Bildern zum Genießen verabschiedet sich SWIM.DE aus dem Toyko Aquatics Center und dem Odaiba Marine Park.

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