So finden Sie die richtige Schwimmbrille

Durchblick wie ein Meeresbewohner verspricht sich der Homo sapiens von einer Schwimmbrille. Wir zeigen Ihnen, was der Augenschutz leisten muss und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

| 7. Oktober 2016 | MATERIAL

Schwimmbrille | Die Auswahl an Schwimmbrillen auf dem Markt ist groß. Moderne Brillen sind sehr flexibel und passen sich den Gesichtskonturen an.

Die Auswahl an Schwimmbrillen auf dem Markt ist groß. Moderne Brillen sind sehr flexibel und passen sich den Gesichtskonturen an.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Man braucht wirklich nicht viel Ausrüstung für das Schwimmen: Auf Badekappe, und -latschen, Pull-Buoy, Paddles und andere Trainingsmittel können Sie zur Not verzichten. Was Sie wirklich benötigen, sind Badeanzug oder -hose und eine Schwimmbrille. Warum die wasserdichten Sichtscheiben so wichtig sind? Erstens schützen Sie Ihre Augen vor aggressivem Chlor und kleinen Partikeln im Wasser. Und zweitens ermöglicht nur eine gute Brille die Orientierung im Becken und besonders im Freiwasser.

Good news – bad news

Zuerst die schlechte oder lieber die gute Nachricht? Die schlechte? Na gut: Die perfekte Schwimmbrille gibt es nicht! Kein Modell erfüllt alle Eigenschaften für alle Athleten gleichermaßen. Das muss Ihnen aber nicht gleich im doppelten Wortsinn das Wasser in die Augen treiben. Denn schließlich gibt es so viele und unterschiedliche Modelle, dass mit ein wenig Geduld für jeden Kopf eine geeignete dabei sein dürfte. Das Wichtigste am Augenschutz ist, dass er zu Ihrer Kopf- und Augenform passt. Christian Keller, früherer Europameister im Schwimmen und seit Ende seiner Profikarriere als Freizeittriathlet aktiv, gibt als Tipp mit auf den Weg: "Das Wichtigste ist, die Brille auszupacken und vor Ort zu testen. Es muss ein angenehmes Gefühl sein, sie zu tragen. Sie sollte von allein sitzen, wenn Sie nur die Brillengläser an die Augen drücken, ohne Kopfband. Dann hat sie eine gute Passform."

Schwede oder Maskenmann?

In der Tat hängt viel davon ab, wie die beiden Gläser in oder auf den Augenhöhlen sitzen. Passen kann je nach Gesichtsform eine simple Schwedenbrille, ein aufwendig abgedichtetes Highend-Modell oder eine sogenannte Schwimmmaske. Schwedenbrillen sind auf das Nötigste reduziert: Sie haben einen harten Rand ohne Dichtung und sitzen deshalb nicht auf, sondern in der Augenhöhle. Sie sind günstig und halten trotzdem lange. Vorteilhaft sind auch die Verstellmöglichkeiten. Weil Sie Nasensteg und Kopfband selbst einsetzen, sind beide individuell anpassbar und können leicht ersetzt werden. Original-Schwedenbrillen haben allerdings keine Beschichtung gegen das Beschlagen und sind auch nicht verspiegelt. Das als Kopfband eingesetzte Gummi geht im Chlorwasser und unter Sonnenlicht meist schneller kaputt als Silikon. Die „Luxus-Variante“ der Schwedenbrille gibt es aber auch mit Silikonband, weichen Rändern und Tönungen.

Weniger tief in der Augenhöhle sitzen Brillen mit weichem Silikonrand. Diese haben sich unter Open-Water-Schwimmern und Triathleten aus verschiedenen Gründen durchgesetzt. Ohnehin sollte ein Freiwasserathlet andere Anforderungen an eine Brille stellen als der Wettkampfschwimmer, wie Christian Keller aus Erfahrung weiß: "Die Schwedenbrillen ohne Dämpfung werden nicht mehr so umfangreich verwendet wie früher, die Augenringe sind also geringer geworden. Beim Triathlon habe ich mir angewöhnt, eine größere Schwimmbrille zu tragen. Für mich ist es wichtig, meine Augen vor Schlägen oder Tritten zu schützen und auch eine bessere Orientierung im See zu haben. Bei meinem ersten Freiwasserschwimmen 1992 im Füssener Forggensee bin ich mit meiner Beckenschwimmbrille geschwommen – nach einigen Metern war sie bereits beschlagen. So misslang meine vorher festgelegte Taktik, die Bergspitze im Zielbereich als Orientierung zu nehmen, völlig."

Schutz im Startgerangel

Die Festlegung verschiedener Brillen für das Beckenschwimmen und den Einsatz draußen ist nicht nur deshalb sinnvoll. Denn die Schwedenbrillen gehen aufgrund des kleineren Profils und des Sitzes in den Augenhöhlen bei einem Startsprung weniger leicht verloren. Tönungen, besondere Bänder oder ein großes Blickfeld sind bei der unkomplizierten Orientierung im Schwimmbecken überflüssig. Genau diese Attribute allerdings brauchen Sie als Freiwasserschwimmer und Triathlet, dazu kommt der Schutz Ihrer Augen: Ein (unabsichtlicher) Fußtritt oder Schlag im Startgerangel kann deutlich unangenehmere und dauerhaftere Folgen haben, wenn Sie eine Brille mit harten Glasrändern tragen.

Optische Schwimmbrillen

Wenn Sie auf eine optische Korrektur angewiesen sind, haben Sie zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie auf Kontaktlinsen zurückgreifen und eine normale Schwimmbrille benutzen. Andererseits bieten einige Hersteller Modelle mit Korrekturgläsern an. Entscheiden Sie sich für (Wochen-)Kontaktlinsen, dann sollten Sie diese richtig pflegen, nach dem Schwimmen heraus­nehmen und mit einer All-in-one-Lösung reinigen. Eine Schwimmbrille mit optischer Korrektur ist inzwischen für relativ wenig Geld zu bekommen. Vor dem Kauf sollten Sie beim Optiker Ihre Sehkraft untersuchen lassen, um die richtige Diop­trien-Zahl für beide Augen einzeln zu ermitteln. Bei vielen Herstellern können Sie den Grad der Korrektur für beide Sichtscheiben auswählen.