Kreatives Schwimmtraining mit Hilfsmitteln

Prall gefüllt liegen die Netzbeutel am Beckenrand. Voll mit allerlei Trainingsmitteln, die das Training bereichern sollen. Manch Außenstehender fragt sich, was man mit den bunten Tools machen soll. Wir klären auf.

| 18. August 2016 | TRAINING

Tools | Schwimmtools am Beckenrand.

Schwimmtools am Beckenrand.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es gibt wahrscheinlich keinen Leser, der nicht selbst über mindestens ein Hilfsmittel verfügt. Sei es ein Schwimmbrett, eine Pull-Buoy oder Paddles – ganz sicher werden Sie nicht nur eines dieser Trainingstools besitzen. Vielleicht empfohlen durch einen Trainer oder einfach nur mal aus Neugier erworben. Das Angebot des auf dem Markt verfügbaren Trainingszubehörs für Schwimmer ist mittlerweile derart groß, dass man sich genau ansehen sollte, was für einen selber sinnvoll ist und was nicht.

Dabei können Sie einige Basics von vornherein auf Ihre Must-Have-Liste nehmen. Das sind Trainingsmittel, die unabhängig von der Leistungsstärke, das Training nicht nur interessanter gestalten, sondern auch effektiver machen. Zur Basisausstattung gehören das Schwimmbrett und Kurzflossen. Allein mit diesen beiden Produkten eröffnet sich eine Vielfalt an Übungen, die Sie sehr gezielt einsetzen können. Sei es das isolierte Training der Beinarbeit, die Verbesserung der Technik oder auch dasErzeugen eines stärkeren Vortriebs mittels der Kurzflossen, um in neue Tempobereiche vorzudringen.

Achtung Paddles!

Vorsicht ist dort geboten, wo sich Bewegungsmuster beim Einsatz von Trainingsmitteln zum eigenen Nachteil verändern könnten. Dies trifft vor allem auf ein Zubehör zu: Paddles. Häufig wird das Training mit Paddles immer noch gleichbedeutend mit der Verbesserung der Kraftausdauer verwendet. Hier muss man wissen, dass sich Kraftausdauerleistungen auf Streckenlängen bis zu einer Belastungsdauer von maximal zwei Minuten beschränken. Allein deshalb dürfte die Trainingsstrecke zur Verbesserung der Kraftausdauer eine Länge von maximal 150 Metern kaum überschreiten. Viel besser eignen sich sogar kurze Intervallstrecken von 25 bis 75 Meter Länge, um den Krafteinsatz auf einem guten technischen Niveau realisieren zu können.

Paddles führen wegen der Vergrößerung der Antriebsfläche zu einem erhöhten Kraftaufwand. Soweit so gut. Das bedeutet aber nicht, dass, je größer die Fläche der Paddles, umso mehr Kraft entwickelt wird. Hier kommen zwei weitere Komponenten des optimalen Einsatzes ins Spiel. Ist die Fläche der Paddles nämlich zu groß, werden Sie kaum in der Lage sein, einen technisch sauberen Zug durchführen zu können. Die Gefahr, mit nachlassender Kraft dem optimalen Weg in der Unterwasserphase sukzessive auszuweichen wächst dann mit jedem geschwommenen Meter. Fehlt es Ihnen an spezifischer Kraft, ist die Wahl der passenden Größe demzufolge eine leistungsentscheidende Kaufentscheidung.

Die Technik leidet

Je größer desto mehr Kraft? Diese Formel funktioniert in der Praxis leider nicht. Schaffen Sie es nicht mehr, den Zug in der gewünschten Linie ins Wasser zu bringen, leidet Ihre Technik zusehends. Nicht selten ist zu beobachten, dass es zu einer Verlangsamung des Zugverlaufs kommt. Transferiert man das neu erworbene Technikmuster in das normale Schwimmen, so haben Sie mehr Schaden als Nutzen produziert. Nutzen Sie deshalb Paddles, die Ihre Handfläche nur moderat überragen oder greifen Sie zu einer gemäßigten Variante, den Fingerpaddles.

Fingerpaddles haben den Vorteil, dank der leicht vergrößerten Abdruckfläche, ein Feedback über den Zugverlauf und die Druckverhältnisse zu geben. Zusätzlich behalten Sie die gewohnte Zugfrequenz bei und können zur Abwechslung sogar einmal technische Übungen oder andere Lagen als nur das Kraulschwimmen mit den kleinen Handbrettern durchführen.

Dann nämlich, fangen Sie an, Trainingsmittel variabel einzusetzen und tatsächlich davon zu profitieren. Zwei mögliche Zielrichtungen sollten Sie im Training mit den kleinen Tools beherzigen. Entweder eine Verbesserung der Kraft oder eine Sensibilisierung für technische Details, die Ihre Gesamtausführung weiter optimieren. Richtig eingesetzt, hat das Training mit den Hilfsmitteln schließlich alles andere als mit „mogeln“ zu tun.

Hilfestellung wie beim Turnen

Betrachten Sie den Einsatz Ihrer Hilfsmittel im Hinblick auf technisches Training vor allem als eins: eine Hilfestellung! Wie ist das beispielsweise im Turnsport? Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit, als der erste Aufschwung am Reck geübt wurde? Natürlich kann man diese Übung endlos lange trainieren, um sie letztlich – vielleicht - erfolgreich zu bewältigen. Je häufiger Sie aber scheitern, desto stärker verankert sich das erfolglose Bewegungsmuster in Ihren motorischen Zentren. Eine wenig Erfolg versprechende Strategie. Wird die Bewegung im entscheidenden Moment jedoch von einer Hilfestellung unterstützt und erfolgreich umgesetzt, versteht Ihr Gehirn, wie es funktioniert. Nach zwei bis drei Wiederholungen sind Sie wahrscheinlich in der Lage gewesen, den Aufschwung alleine zu realisieren. Im Wasser ist das ähnlich.

So betrachtet, gewinnen Ihre Trainingsmittel vielleicht einen völlig neuen Aspekt. Plötzlich werden unterstützende Hilfsmittel wie Pull-Buoy, Neoprenshorts, Kurzflossen oder Schwimmerschnorchel sehr wertvolle Helfer für Einsteiger wie für Profis, um neue Bewegungserfahrungen zu sammeln und/oder auf ein neues technisches Niveau zu gelangen.