After-Work-Swim in London:
Britannia, rule the waves!

Briten lieben die Freiheit! Nicht nur geopolitisch, sondern auch im Schwimmen. Die Open-Water-Community auf der Insel ist gut organisiert.

Irgendwie haben die Einwohner Großbritanniens ein Gen, das uns Mitteleuropäern fehlt. Ein Gen, das zur Ausprägung eines Merkmals führt, auf das wir zugegebenermaßen schwer neidisch sind: Briten sind kälteresistent. Und dementsprechend boomt die Freiwasserszene.

Überall im Lande gibt es Events für Open-Water-Fans, die teilweise Festivalcharakter haben und nicht nur – wie hierzulande – Vereinsschwimmer, sondern auch Freizeitsportler anziehen. Und falls das nicht reicht: Es gibt auch eine stetig wachsende Anzahl zertifizierter Freiwasser-Trainingsstätten, bei denen Schwimmer unter Aufsicht ihrem kühlen Hobby frönen können. Verantwortlich dafür zeichnet die „National Open Water Coaches Association“ kurz ­NOWCA.

Armband als Tagebuch

- Anzeige -

Aktuell stehen 28 Locations auf der NOWCA-Liste, die während der Sommersaison (die, Sie ahnen es, in ­Großbritannien auch mal ein bisschen länger dauern kann) die Möglichkeit zum Freiwassertraining anbieten – je nach Ort ein- oder mehrmals pro Woche. Der Sommer an den Royal Docks von London beispielsweise begann 2019 bereits am 29. März, als eine permanente 400-Meter-Strecke mit Bojen eröffnet wurde, die später um eine 750- und eine 1.000-Meter-Schleife ergänzt wurde. Bis zum Saisonende im tiefen Herbst konnten Schwimmer hier von Dienstag bis Freitag zwischen 17 und 20 Uhr und am Wochenende zwischen 9 und 12 Uhr ihre Bahnen beziehungsweise Runden ziehen.

Um in den Genuss der Aufsicht, des Coachings und vor allem der Gemeinschaft der Schwimmer zu kommen, muss man sich einmalig auf der Website nowca.org registrieren und ein Transponder-Armband bestellen, das dann bei der hinterlegten Wunsch-Location eingelesen und übergeben wird. Das Armband dient, verknüpft mit einer App, sowohl als eine Art Trainingstagebuch, in dem die einzelnen Schwimmlocations, Distanzen und Zeiten gespeichert werden, als auch als Sicherheitstool, denn die Streckenaufsicht hat so jederzeit einen Status, ob sich der entsprechende Schwimmer noch im Wasser aufhält oder sein Training abgeschlossen hat. Neben der freien Trainingsmöglichkeit allein oder in Gruppen werden an vielen Locations auch Einzelstunden und Kurse von speziell ausgebildeten Freiwasser-Trainern für Schwimmer und Triathleten angeboten.

„Wetsuits are for Wimps!“

Auch Rennen werden auf den Kursen ausgetragen, manche Locations bieten Events wie Nachtschwimmen, Charityveranstaltungen oder den legendären „New Year Day Dip“ an, mit dem die Briten traditionell ihr Immunsystem für das gerade begonnene Jahr stärken. Und um das mitteleuropäische Gemüt zu beruhigen: Auch wenn der aktuelle „King of the Channel“ Kevin Murphy, der mit 34 Schwimm-Überquerungen des Ärmelkanals das Ranking der Männer anführt (die „Queen of the Channel“ Alison Streeter kommt auf 43), einst im SWIM-Interview sagte: „Wetsuits are for Wimps!“, so werden auch in Großbritannien die Neoprenanzüge immer häufiger beim Freiwasserschwimmen gesichtet. Dem Auftrieb (und sicher auch den Triathleten) sei Dank.

- Anzeige -

Ganz günstig kommt das Schwimmen durch die aufwendige Organisation, die dahintersteckt, allerdings nicht: An den Royal Docks kostet eine Open-Water-Session 8 Pfund (rund 9 Euro), ein Zehner-Ticket ist für 70 Pfund zu haben. Eine Einzeltrainingsstunde kostet 75 Pfund, eine Gruppenstunde 15 Pfund pro Teilnehmer, für einen Acht-Wochen-Kurs zahlt man 96 Pfund.

Erhalte Updates direkt auf dieses Gerät – abonniere jetzt.

Das könnte dir auch gefallen

Kommentar verfassen