Gemeinsam ins Ziel, und dann doch noch geschlagen: Erfolgreiches Finale beim Seebrückenschwimmen

Beim vierten und letzten Seebrückenschwimmen in der Ostsee wurden die Teilnehmer mit besten Bedingungen belohnt.

Der Wettergott meint es gut mit uns und den 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des vierten und letzten Seebrückenschwimmens in der Ostsee. Schon bei der Registrierung morgens um 9 Uhr in Haffkrug knallt die Sonne auf die Schwimmer. Die Stimmung ist gelöst, überall lächelnde Gesichter. Die Idee, die Lübecker Bucht in vier Etappen zu erschwimmen, kommt im Norden sehr gut an. Während es für die Freiwasserschwimmer im Süden den Alpen Open Water Cup mit neun Veranstaltungen gibt, fehlte ein vergleichbares Angebot an Nord- und Ostsee bislang.

Zu neunt sind wir am Morgen aus Hamburg angereist, fünf von uns treten mit gänzlich unterschiedlichen Ambitionen an. Zwei wollen eine gute Zeit erzielen und möglichst weit vorn landen, die anderen vor allem ankommen. Mein Vorhaben: Ich schwimme heute an der Seite meiner Tochter. Für sie ist es das erste richtige Freiwasserrennen.

Mit oder ohne Neopren? Beides ist möglich.

Drei von uns schlüpfen in ihre Neoprenanzüge und wir alle legen unsere Restube-Bojen an. Ich dippe noch einen Fuß ins Wasser und bin überrascht, wie kalt es ist. Bei dem Sonnenschein der vergangenen Wochen hatte ich mit anderem gerechnet. Ein kurzes Raunen geht auch durch die Menge, als Veranstalter Martin Lenz bei der Wettkampfbesprechung 17,9 Grad Wassertemperatur verkündet.

Ähnlich frisch war das Wasser vor einem Monat beim Start der dritten Etappe von der Seebrücke Sierksdorf nach Haffkrug. Das Rennen damals wurde nach rund einer Stunde abgebrochen, weil Wetter, Wind und Strömung noch während des Schwimmens für unerwartet niedrigere Temperaturen sorgten. Als immer mehr Schwimmerinnen und Schwimmer Probleme bekamen, zogen die Organisatoren und die DLRG die Reißleine und holten alle aus dem Wasser.

Kurz schmerzt die Kälte im Gesicht

Heute droht ein solches Szenario nicht. Die Sonne steht stabil am Himmel, das Meer liegt ruhig vor uns. Zudem haben die Veranstalter Konsequenzen aus den Erfahrungen gezogen: Die Wassertemperatur wird noch genauer protokolliert, das Mindestalter wurde auf 14 Jahre angehoben. Unter 14 Grad wird das Rennen abgesagt, bis 16 Grad besteht Neoprenpflicht. Außerdem wird noch einmal auf möglichst auffällige Badekappen hingewiesen.

Schon beim Start zeigt sich, worum es beim Seebrückenschwimmen geht. Hier treffen ambitionierte Wettkampfschwimmer auf Freiwasserliebhaber. Während die Schnellsten bereits beim Lauf durchs flache Wasser Tempo machen, schlendern wir gemütlich ins tiefere Wasser. Nach rund 100 Metern muss dann aber doch der ganze Körper ins kühle Nass – jetzt beginnt das eigentliche Schwimmen. Kurz schmerzt die Kälte im Gesicht. Danach ist sie kein Problem mehr.

Der Kurs ist denkbar einfach: Zunächst geht es entlang der Seebrücke hinaus aufs Meer, dann scharf rechts und parallel zum Strand Richtung Scharbeutz. Die Gesichter der Zuschauer auf der Brücke sind beim Atmen gut auszumachen, einige Menschen klatschen und rufen uns zu. Nur die Ostseeurlauber dürften sich fragen, was hier heute eigentlich los ist. Insgesamt sind 3,2 Kilometer zu schwimmen. Die Scharbeutzer Seebrücke ist schon vom Start aus zu erkennen.

Nach dem Gedränge an der ersten Boje verschaffen wir uns etwas Platz und halten uns weiter außen. Doch das Feld zieht sich schnell auseinander. Meine Tochter schwimmt rechts und gibt das Tempo vor, ich bleibe links und habe beim Zweierzug alles im Blick. Schon bald passieren wir die ersten gelben Bojen, die den Kurs markieren. Gelegentlich kreuzt eine glibberige Qualle unseren Weg oder verfängt sich in unseren Fingern. Ist das eklig? Egal, weiterschwimmen!

Zug um Zug lassen wir die Seebrücke von Haffkrug hinter uns. Links sehen wir DLRG-Boote und ganz viel Meer, rechts könnten wir die weißen Strandkörbe zählen. Ich freue mich, dass die vorbeiziehenden Häuser und Bäume an der Promenade gut zu erkennen sind, denn das gibt mir das Gefühl, gut voranzukommen. Erfahrene Freiwasserschwimmer kennen das Dilemma: Ist ein Ziel schon von Weitem zu sehen, scheint es im Wasser so, als schwimme man auf der Stelle. Unter Wasser gibt es ohnehin wenig Abwechslung. Sand und Seegras wechseln sich ab.

Sebastian Barsch schwimmt am schnellsten

Vom Zieleinlauf bekommen wir nichts mit. Bei den Neoprenschwimmern ist Sebastian Barsch in 41:49 Minuten der Schnellste. Der Ahrensburger gewann bereits im Juni die erste Etappe von Rettin nach Pelzerhaken und war auch beim zweiten Schwimmen von Pelzerhaken bis Neustadt vorn. Dahinter folgen diesmal Pitt König (47:56) und Jesper Matzen (50:12). Bei den Frauen ist Barbara Eller nicht zu schlagen. Sie gewinnt in 53:04 Minuten vor Sarah Ziegler (56:25) und Anne-Katrin Helmke (58:49).

Ohne Neopren siegt Lene Frenzel in 57:24 Minuten vor Lena Durek (58:13) und Petra Seemann-Becker (58:20). Bei den Männern gewinnt Enrico Marin (49:35) vor Lasse Jacob (56:59) und Stefan Fiedler (57:52). Alle Ergebnisse gibt es hier.

Applaus in Scharbeutz

Auch meine Tochter und ich werden mit viel Applaus in Scharbeutz empfangen. Schon an der letzten roten Boje, an der wir Richtung Strand abbiegen, sind die Menschen am Ufer und auf der Seebrücke deutlich zu hören. Als wir im flachen Wasser aufstehen, sehe ich das Strahlen in ihrem Gesicht und ich meine, eine Mischung aus Stolz und Erleichterung zu erkennen. Gemeinsam gehen wir die letzten Meter – und dann werde ich doch noch ausgetrickst. Zwei schnelle Schritte, und in der Ergebnisliste steht ihr Name jetzt für alle Ewigkeit vor meinem.

Ob es das Seebrückenschwimmen im kommenden Jahr wieder geben wird, steht noch nicht fest. Im Gespräch mit den Organisatoren wird deutlich, wie viel Kraft der Abbruch der dritten Etappe und die anschließende Aufarbeitung gekostet haben. Doch wer sich im Zielbereich unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern umhört, bekommt eigentlich überall dieselbe Antwort: Hoffentlich ja.

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Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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