Dienstag, 14. Mai 2024

Schwimmbrillen für Kinder | Sinnvoll oder Risiko?

Schwimmbrillen halten viele von uns für unverzichtbar. Doch sollten auch schon die Kleinsten mit dem Augenschutz schwimmen und baden?

dreamstime.com (Antartis)

„Ohne Brille gehe ich nicht ins Wasser.“ Den Gedanken kennen viele Schwimmer, egal wie alt. Gründe dafür gibt es viele. Entweder fühlt sich das Wasser in den Augen unangenehm an und brennt, oder die Sicht mit den schützenden Gläsern ist einfach besser. Wieder andere haben Angst, ihre Kontaktlinsen zu verlieren oder sind ohne Sehstärke völlig aufgeschmissen. Dabei ist Chlorwasser für die Augen nicht per se schädlich.

Schon bei den Anfängern in Schwimmkursen gibt es immer wieder Kinder, die sich weigern, den Kopf ins Wasser zu tauchen. Eltern steuern hier oft sofort nach und kaufen dem Nachwuchs eine Schwimmbrille, um ihnen das Schwimmen und Tauchen zu erleichtern. Der Markt gibt es her, farbenfrohe Schwimmbrillen mit Haien, Delfinen oder Meerjungfrauen gibt es genug. Sie sind extra zugeschnitten auf die kleinen Gesichter von Schwimmanfängern. Dennoch bitten Schwimmlehrer und Trainerinnen oft darum, auf den Augenschutz zu verzichten.

Sicherheit im Wasser

Ihre Argumentation: Im Schwimmkurs sollen Kindern nicht nur die Grundlagen für den Schwimmsport vermittelt werden. Die Grundausbildung verfolgt ein viel wichtigeres Ziel: Kinder sollen schwimmerische Fähigkeiten erlernen, um Sicherheit im Wasser zu gewinnen und sich selbst retten zu können, sollte es einmal nötig werden. Eine Schwimmbrille kann dabei zum Problem werden.

Ist ein Kind im Schwimmkurs oder beim gemeinsamen Planschen mit den Eltern ständig mit Schwimmbrille unterwegs, gewöhnt es sich schnell daran, lernt jedoch nicht, mit Wasser in den Augen umzugehen. Eine wichtige Fähigkeit für die Selbstrettung im Wasser ist aber die Orientierung. Und dafür ist es nötig, unter Wasser die Augen zu öffnen. Ein Kind (oder auch ein Erwachsener), der sich nicht ohne Schwimmbrille in den Pool wagt, tut sich damit oft schwer. Dabei muss man nicht einmal vom Schlimmsten ausgehen. Oft reicht ein Blick in den Urlaubspool. Man stelle sich vor: Kinder spielen auf einer Luftmatratze oder am Beckenrand, es wird gerangelt und schließlich verliert jemand das Gleichgewicht und fällt ins Wasser. Zwar hat das Kind einen Schwimmkurs absolviert und könnte sich zum nächsten Beckenrand retten, allerdings traut es sich nicht, ohne Schwimmbrille die Augen zu öffnen.

Schwimmbrille beim Training

Was nach einem konstruierten Beispiel klingt, kommt öfter vor als man denkt. Um diese Situation erst gar nicht entstehen zu lassen, müssen Kinder (wie Erwachsene) lernen, ohne Schwimmbrille im Wasser die Augen zu öffnen, am besten direkt von Anfang an. Solange keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, gilt deswegen in vielen Schwimmschulen: Erst einmal wird ohne Schwimmbrille gelernt. Folgt später ein Wechsel ins Vereinstraining, findet die Brille fast automatisch ihren festen Platz. Aber auch dann sollte man sich immer wieder daran erinnern, dass es auch ohne geht.

Jule Radeck
Jule Radeck
Jule Radeck studierte Sportwissenschaften, bevor sie als Volontärin nach Hamburg zog. In ihrer Freizeit findet man sie oft im Schwimmbecken, manchmal auf dem Fahrrad und selten beim Laufen.