Bei 4,9 Grad Wassertemperatur hat Paraschwimmerin Tina Deeken auf Spitzbergen Sportgeschichte geschrieben.
Mitten zwischen treibenden Eisschollen, vor der imposanten Kulisse des Borebreen-Gletschers auf Spitzbergen, hat Tina Deeken ein neues Kapitel der Eisschwimm-Geschichte geschrieben. Die Paraschwimmerin aus Hannover absolvierte 500 Meter im nur 4,9 Grad kaltem Wasser und stellte damit einen Weltrekord im Para-Eisschwimmen unter Arctic-Polar-Bedingungen auf. Für die Distanz benötigte sie 11:44,97 Minuten – so weit ist unter diesen Bedingungen zuvor noch keine Paraschwimmerin geschwommen.
„Ich bin unglaublich glücklich und dankbar, dass alles so gut funktioniert hat. Ohne dieses großartige Team wäre diese Leistung nicht möglich gewesen“, sagte Deeken nach ihrem Rekord.
Zwischen Eisschollen und Eisbergen
Das Schwimmen fand bereits am 17. Juli statt. Einen Tag zuvor war Deeken ebenfalls ins eiskalte Wasser gegangen und hatte eine Strecke von 325 Metern zurückgelegt. Geschwommen wurde in der Borebukta-Bucht im Isfjorden auf 78 Grad nördlicher Breite. Damit die Wassertemperatur unter der vorgeschriebenen Fünf-Grad-Marke blieb, führte der Kurs direkt am Gletscher entlang. Ein Begleitboot und ein Zodiac lotsten die Athletin zwischen Eisbergen und Eisschollen hindurch. Erst kurz vor dem Ziel musste Deeken einer größeren Eisscholle ausweichen und verlor dabei etwas Zeit. Den erfolgreichen Rekordversuch feierte das gesamte Team anschließend mit großem Jubel an Bord.
Organisiert wurde die Expedition von Deekens langjährigem Coach Gerald Daringer. Zum Team gehörten außerdem die Eisschwimmerinnen und Eisschwimmer Deniz Kayadelen (Türkei) sowie Michaela Schwaiger, Silvia Rohrböck und Markus Fleck (alle Österreich).
Alle vier schwammen jeweils 1.200 Meter im arktischen Eiswasser und unterstützten Deeken während ihres Schwimmens. Weil die Athletin aufgrund ihrer Mobilitätseinschränkung keine Bootsleiter nutzen kann, entwickelte die Crew eigens eine Hebevorrichtung, mit der sie nach dem Schwimmen sicher an Bord gehoben wurde. Die anschließende Aufwärmphase verlief nach Teamangaben trotz starken Kältezitterns unter ärztlicher Aufsicht planmäßig.
Die Athletin startet international in der Para-Klasse S9/SB8 und gehört erneut dem Weltklassekader Eisschwimmen des Deutschen Schwimm-Verbandes an. Mit inzwischen 19 Weltmeister- und neun Europameistertiteln zählt sie seit Jahren zu den erfolgreichsten Para-Eisschwimmerinnen der Welt.