Donnerstag, 23. Mai 2024

36 Kilometer | Anke Höhne durchquert als erste deutsche Schwimmerin Loch Ness

Im kühlen Schottland bietet Loch Ness eine anspruchsvolle Herausforderung für ambitionierte Marathonschwimmer. Anke Höhne aus Hamburg hat sich getraut.

„This was a very wet swim!“ Observer Kevin Murphy fasst die Bedingungen zusammen, mit denen Anke Höhne im berühmten Loch Ness zu kämpfen hatte. Etwas Sonne, viel Regen und Wind bei niedrigen Temperaturen: Das Sommerwetter im Norden Schottlands enttäuschte nicht. Es bot alles auf, was man klischeehaft von dieser Gegend erwartet.

Murphy ist eine Legende unter den Extremschwimmern. 34-mal durchschwamm er den Ärmelkanal, was ihm den Titel „King of he Channel“ einbrachte. Nun beobachtete er als offizieller Begleiter vom Boot aus genau, was Anke Höhne im nicht minder legendären Loch Ness vollbrachte. Und das war enorm. Um 2:40 Uhr nachts erreichte die 53-Jährige aus Hamburg am 19. Juli das Ziel in Fort Augustus am Südufer des Sees. 16 Stunden und 25 Minuten vorher war sie ganz im Norden in Loch End gestartet. Dazwischen lagen 36 Kilometer mit vielen Aufs und Abs im zweitgrößte See Schottlands. Wie beim Extremschwimmen üblich trug Höhne keinen Neoprenanzug, sondern lediglich Badeanzug, Badekappe und Schwimmbrille.

Stundenlanger Gegenwind

„Ich bin sehr glücklich, das Schwimmen erfolgreich beendet zu haben“, sagte Höhne. „Die Zeit könnte vielleicht besser sein. Allerdings hatte ich die ersten sechs Stunden Gegenwind.“ Die von der Schwimmerin erhoffte Winddrehung ließ lange auf sich warten, laut Prognose hätte sie eigentlich „nur“ drei Stunden gegen den Wind anschwimmen sollen. Aber so sei das im Freiwasser eben, das müsse man nehmen, wie es kommt. Höhne: „Kevin Murphys Ankündigung ‚It will blow you home‘ traf leider nicht ein, da der Rückenwind nur zwei Stunden anhielt. Dann war Flaute bis zum Schluss.“ Kurz vor dem Ziel erwartete die Ausdauerschwimmerin dann auch noch eine leichte Gegenströmung.

Positiv überrascht war Höhne, wie ihr Körper die vielen Stunden im kalten Wasser verkraftete. „Ich habe nie gefroren, hatte keine kalten Füße und musste auch nach dem Schwimmen nicht zittern.“ Das Wasser im Loch Ness hat an der Oberfläche maximal 16 Grad und ist darunter noch etwas kühler. Auch über Wasser war es mit Lufttemperaturen zwischen 13 und 15 Grad nicht gerade warm.

Loch Ness ist Teil der „Toughest Thirteen“

Und warum Loch Ness? „Natürlich haben mich der Mythos gereizt und die großartige Landschaft“, sagte Höhne. „Dem See wird nachgesagt, dass er sehr dunkel sei. Umso überraschter war ich von der Klarheit des Wassers. Ich konnte meine Arme unter Wasser gut sehen. Ein weiterer Punkt für den Loch Ness war auch, dass meines Wissens noch kein Schwimmer und keine Schwimmerin aus Deutschland diesen See durchschwommen ist.“

Laut Zahlen der Longwims Database der Marathon Swimmers Federation (MSF) waren bisher 28 Schwimmerinnen und Schwimmer im 36 Kilometer langen, aber nur 1,5 Kilometer breiten Loch Ness erfolgreich, darunter sind bekannte Namen wie Kevin Murphy, Sarah Thomas und Anna-Carin Nordin. Den Rekord hält Rachel Godburn in 9:25:37 Stunden. Die MSF führt Loch Ness unter den „Toughest Thirteen“. Die Sammlung enthält 13 Freiwasserschwimmen auf der ganzen Welt, die zwar weniger bekannt, aber nicht minder schwierig sind als die Ocean’s Seven. Hier gibt es mehr Infos zu den Schwimmen.

Eine wichtige Frage beantwortete Anke Höhnes Begleiter Peter Wortelker: „Nessie wurde nicht gesehen!“.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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