"Für Veränderung muss man arbeiten" | Marco Troll ist neuer Präsident des DSV

Marco Troll ist neuer Präsident des Deutschen Schwimm-Verbands. Der Freiburger erhielt knapp 76 Prozent der Stimmen.

Nach zwei Jahren ohne Führungsspitze hat der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) wieder einen Präsidenten. Der Freiburger Marco Troll wurde beim online abgehaltenen Verbandstag mit knapp 76 Prozent der Stimmen gewählt. Ihm zur Seite stehen die neuen Vizepräsidenten Claudia Boßmann, Harald Walter und Wolfgang Rupieper. Zum Präsidium zählt zudem weiterhin Sportdirektor Thomas Kurschilgen als besonderer Vertreter. “Nach zweijähriger Vakanz ohne Präsidenten oder Präsidentin ist es für einen so bedeutenden Sportverband wie den DSV wichtig, dass diese Funktion wieder besetzt wird”, sagte Troll.

Zuletzt hatte Gabi Dörries von 2016 bis 2018 das Präsidentenamt inne. Sie war jedoch vor zwei Jahren zusammen mit Vizepräsidentin Andrea Thielenhaus während der Mitgliederversammlung überraschend zurückgetreten. Seitdem lag die Führung bei den Vizepräsidenten Uwe Brinkmann, Wolfgang Hein und Kai Morgenroth. Alle drei stellten sich nun nicht erneut zur Wahl.

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Einziger Kandidat

Mit Troll, Walter und Rupieper stehen die Präsidenten der Schwimmverbände Badens, Bayerns und Brandenburgs nun auch an der Spitze des gesamtdeutschen Schwimmsports. “Mit drei Landespräsidenten, die sowohl aus kleinen als auch aus einem großen Landesverband kommen, und einer Fachfrau aus dem Bankenwesen sind wir stark aufgestellt”, erklärte Troll. Gefragt nach einem Grund für seine Kandidatur, zitierte der neue Präsident Thomas von Aquin: „Für Wunder muss man beten, für Veränderung muss man arbeiten.“

Trolls Kandidatur hatte sich in den vergangenen Wochen herauskristallisiert. Einen Gegenkandidaten gab es bei der Abstimmung nicht. Dennoch fiel die Wahl nicht einstimmig aus: Troll erhielt 309 Stimmen, 95 stimmten bei 3 Enthaltungen gegen ihn. Vor der Wahl hatte Anselm Oehlschlägel für den Südwestdeutschen Schwimmverband mitgeteilt, dass er Troll nicht unterstütze und sein Verband daher nicht an der Wahl teilnehme. Troll dazu auf der Pressekonferenz nach der Sitzung: “Als Präsident bin ich neutral. Ich werde offensiv auf alle zugehen. Niemand wird Nachteile haben. Mit dem Ergebnis von 76 Prozent bin ich zufrieden.“

Breitensport als zweite Säule stärken

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Den Wettkampfsport sieht der neue Präsident mit Thomas Kurschilgen als Direktor Leistungssport derzeit gut aufgestellt Als zweite große Säule des DSV wolle er sich verstärkt dem Breitensport widmen. Hier gelte es die Finanzen zu stabilisieren und die Themenfelder Fortbildung, Wasserfläche, Schwimmausbildung und Gesundheit voranzubringen. Aktuell gelte es zunächst, den Verband erfolgreich durch die Corona-Pandemie zu bringen. “Diese Krise und ihre Auswirkungen auf den Spitzensport und die Vereine in den verschiedenen Wassersportarten stellt uns vor sehr große Herausforderungen.“

Marco Troll ist 58 Jahre alt und seit vielen Jahren als Kampfrichter und Funktionär im Schwimmsport aktiv. Seit acht Jahren leitet er den Badischen Schwimm-Verband (BSV). Für dieses Amt wolle er bei der nächsten Wahl erneut kandidieren, sagte Troll, der vom nächsten Herbst an mehr Zeit für seine Ämter haben wird. Dann plant der Polizeibeamte ein Sabbatjahr von zwölf Monaten.

Kurzprofile des neuen DSV-Vorstands

Marco Troll ist seit 2012 Präsident des Badischen Schwimm-Verbands. Er war selbst zwölf Jahre lang aktiver Schwimmer im Wettkampfsport und in dieser Zeit unter anderem fünf Mal Polizei-Europameister. Bei seinem Heimatverein SSV Freiburg war er lange Zeit Jugendtrainer und technischer Leiter. Er verfügt über die B-Trainerlizenz im Schwimmen sowie die C-Trainerlizenz im Wasserball und war zwölf Jahre internationaler Kampfrichter im Schwimmen. Im DSV war er in der Vergangenheit bereits als Wasserball-Koordinator sowie als Referent in der Aus- und Fortbildung tätig. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Claudia Boßmann aus Bedburg-Hau am Niederrhein engagiert sich seit vielen Jahren als Trainerin im Nachwuchsbereich, als Fachwartin für Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport (BFG) sowie als Ausbilderin im Anfängerschwimmen für Kinder. Seit 1990 sitzt sie im Vorstand des Bezirkes Ruhrgebiet, zunächst als Fachwartin Öffentlichkeitsarbeit und seit 2013 als Geschäftsführerin. Im Schwimmverband Nordrhein-Westfalen ist die Bankkauffrau Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzen. „Im Deutschen Schwimm-Verband möchte ich zur Stabilisierung der Finanzen beitragen, besonders in Zeiten der Pandemie, die uns alle vor große Herausforderungen stellt“, sagt sie.

Harald Walter ist seit 2019 Präsident des Bayerischen Schwimmverbandes, zuvor war er dort neun Jahre lang Vizepräsident Finanzen. Der Erlanger erklärt: „Wir sind Schwimmen. Der Leistungssport hat eine Vorbildfunktion, aber wir müssen uns um alle Mitglieder intensiv kümmern, vor allem durch eine gute Ausbildung und Angebote im Breiten- und Freizeitsport. Hier können wir neue Mitglieder für die Vereine gewinnen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass jedes Kind in Deutschland schwimmen lernt und dass das Bädersterben gestoppt wird.“

Wolfgang Rupieper komplettiert das Führungsquartett des neuen Vorstands. Er bekleidet seit 2018 das Amt des Präsidenten des Landesschwimmverbandes Brandenburg. Von 2012 bis September 2020 war der Cottbusser Vorsitzender des Polizeisportvereins Cottbus 90 mit seiner großen Schwimmabteilung. „Ich möchte meine langjährigen Erfahrungen im Bereich der Jugendarbeit, Mediation und Justizverwaltung in meine Vorstandstätigkeit einbringen“, sagt der ehemalige Richter.
Quelle: DSV

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