Mittwoch, 22. Mai 2024

„Ikonisches Schwimmen“ | Matthias Kaßner schwimmt 33 Kilometer durch die US-Hauptstadt

Ein ganz besonderes Langstreckenschwimmen absolvierte Matthias Kaßner Anfang Oktober in den USA. Der Berliner schwamm das kleine, aber feine DC Marathon Swim durch die US-Hauptstadt Washington.

Das 33-Kilometer-Schwimmen durch den Potomac River führt die kleine Athletenschar von der Fletcher‘s Cove im Norden der Stadt, bis Mount Vernon im Süden und führt vorbei an einigen der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes wie dem Lincoln Memorial. Weiter nördlich ist ein Schwimmstart nicht möglich, da der Fluss hier noch zu wild ist. Nach Passieren der Innenstadt und dem Hauptstadt-Flughafen wird der Potomac River breiter. Als Ziel dient ein kleiner Leuchtturm am ehemaligen Wohnsitz von George Washington. „Das DC Marathon Swim ist wirklich ein tolles Schwimmen“, sagt Kaßner. „Man kann es optimal mit einem Urlaub verbinden und die Organisation ist super. Absolut empfehlenswert.“

„Absolut empfehlenswert“

Ausgedacht haben sich das Event die beiden Langstreckenschwimmer Denis Crean und Jim Loreto, einem Freund von Kaßner. Die erste Austragung fand 2019 statt. Diesmal sind zwei Schwimmerinnen und drei Schwimmer sowie eine Staffel mit von der Partie. Alle Teilnehmer werden von Kajaks begleitet. „Mich hat meine amerikanische Freundin Courtney Paulk auf das Schwimmen aufmerksam gemacht“, erzählt Kaßner. „Sie hat mir im Sommer in einem Trainingscamp davon erzählt und gleichzeitig angeboten, mich mit dem Kajak zu begleiten.“

Vorbei am Lincoln Memorial

„Am Anfang schwimmt man durch wunderschöne und naturbelassene Landschaft“, berichtet Kaßner. „Dann erreicht man Washington DC und schwimmt unter anderem am Lincoln Memorial und am Washington Monument vorbei. Das war ziemlich cool.“ Die Strömung des Flusses wird von der Tidenströmung dominiert. So kann ein schneller Schwimmer, der die Distanz in weniger als acht Stunden schafft, die gesamte Zeit über profitieren. Wer länger braucht, muss zum Ende hin gegen die Strömung anschwimmen, je mehr Zeit man benötigt, desto stärker wird die Gegenströmung. Heather Roka ist an diesem Tag die Schnellste. Sie benötigt 8:06 Minuten. Kaßner erreicht das Ziel in 11:49 Stunden.

Bericht von Matthias Kaßner:

„Wir sind früh morgens mit den beladenen Booten von einem Jachthafen in Washington zum Fletcher‘s Cove gefahren. Um 6:30 Uhr ging es ins Wasser für den Start. Die Wassertemperatur von 18-19 Grad ließ sich gut aushalten. Allerdings hatte das stürmische Wetter der letzten Tage viele Äste von den Bäumen gelöst, die nun im Wasser trieben. Meine Begleiterinnen sind sehr erfahren. Im Kajak paddelt Courtney Paulk neben mir. Sie hat unter anderem die Triple Crown des Open-Water-Swimming im Doppel-Schwimmen absolviert. Observerin ist Caroline Block, die Queen des North Channels.“

„Das Schwimmen startet wunderschön und ich genieße trotz Aufregung die tolle Natur. Dann kommt die erste Brücke und danach die Monumente von Washington DC. Es gibt viel zu sehen und das macht das Schwimmen deutlich leichter. Dann kommt auf der rechten Seite der Ronald Reagan Airport. Der Flughafen ist riesig und will einfach kein Ende nehmen. Das ist mental sehr herausfordernd. Mehr als eine Stunde schwimme ich neben den startenden und landenden Flugzeugen.“

„Beeindruckend sind die riesigen Brücken, unter denen wir durchschwimmen. Die letzte ist die Woodrow Wilson Memorial Bridge, an der ich ungefähr die Hälfte des Schwimmens geschafft habe. Natürlich tut mir längst alles weh, aber das sind nur Muskelschmerzen und keine echten Probleme. In der Vergangenheit hat mir mein Magen schon des Öfteren das Leben schwer gemacht, diesmal läuft es gut.“

„Nach der Brücke wird der Fluss breiter und es gibt nicht mehr so viel zu sehen. Das Schwimmen wird für mich mental deutlich anstrengender. Manchmal passiere ich eine Boje und daran kann ich sehen, dass ich noch mit der Strömung schwimme. Bis zur zehnten Stunde läuft es gut, ab da geht leider einiges schief. Courtney gibt mir immer wieder Infos, wo wir sind und ich rechne schon bald mit dem Ende. Wir besprechen das letzte Feeding, aber dann kommt noch eins und noch eins. Es dauert immer länger. Ich bin frustriert komme nur noch sehr langsam voran, weil sich die Strömung dreht und mir jetzt entgegenkommt. Um der Gegenströmung auszuweichen, schwimme ich ganz dicht am Ufer. Der Nachteil daran: An den Anlegestellen, die ich passiere, kann ich sehen, wie langsam ich vorankomme. Für die letzten 500 Meter brauche ich noch eine halbe Stunde, a ber wenigstens habe ich jetzt Begleitung, denn Jim Loreto, der Organisator, mit mir mit. Irgendwie schaffe ich es nach 11:47 Stunden ins Ziel. Von den fünf Soloschwimmern bin ich damit zwar Letzter geworden. Zufrieden bin ich damit trotzdem. Ich hatte einen tollen Tag im Wasser und konnte als erster Nicht-Amerikaner dieses ikonische Schwimmen finishen.“

Mehr infos gibt es auf der Website des DC Marathon Swim.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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