Für Schwimmfans ist es derzeit gar nicht so leicht, alles von den Europameisterschaften in Paris mitzubekommen. Der Sendeplan der ARD sorgt nun für Kritik – auch bei Olympiasieger Lukas Märtens.
Als sich am Mittwochabend bei der Schwimm-EM in Paris um 20:03 Uhr Denkwürdiges ereignet, bekommen die TV-Zuschauer davon zunächst nichts mit. Zu dieser Zeit läuft in der ARD traditionell die „Tagesschau“. Doch auch danach ist vom historischen 800-Meter-Finale der Männer und dem deutschen Doppelsieg durch Johannes Liebmann und Sven Schwarz erst mal nichts zu sehen.
Erst um 21:35 Uhr finden die Programmverantwortlichen während der parallel übertragenen Leichtathletik-EM in Birmingham ein Zeitfenster, um das Rennen im Re-Live zu zeigen. Wer nicht wusste, dass das Finale bereits beendet war, konnte dabei durchaus den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine Live-Schalte nach Paris. Tatsächlich lag der Höhepunkt aus deutscher Sicht zu diesem Zeitpunkt bereits eineinhalb Stunden zurück.
„Absolute Schande“
Nicht nur bei Schwimmfans sorgt diese Programmplanung für Unverständnis. Auch Olympiasieger Lukas Märtens kritisiert die Entscheidung deutlich. Der SID zitiert ihn mit den Worten: „Dass das nicht im TV übertragen wurde, ist eine absolute Schande, finde ich.“ Mit Blick auf seine Teamkollegen Liebmann und Schwarz ergänzt Märtens: „Das hat so ein Junge verdient, das hat Sven verdient, das hat einfach der ganze Schwimmsport verdient.“ Dass man „dann einfach zur Leichtathletik schaltet, obwohl da nicht so wirklich viel passiert ist“ sei für ihn „fragwürdig“. Er hoffe jedoch, „dass es sich ändert“.
Die Koordinierung zwischen Livestream und linearem Fernsehen sowie zwischen zwei parallel stattfindenden Europameisterschaften ist für ARD und ZDF zweifellos eine Herausforderung. Beide Sender agieren auf den Plattformen jeweils mit nur einem Team. Bei der ARD kommentieren Tom Bartels und Expertin Dorothea Brandt. Beim ZDF sind Volker Grube und Ex-Weltmeister Christian Keller im Einsatz.
800-Meter-Medaillen waren absehbar
Wer die Übertragungen aufmerksam verfolgt, bemerkt immer wieder, dass Rennen nicht in der tatsächlichen Reihenfolge gezeigt werden. So lassen sich vermeintlich weniger spannende Siegerehrungen oder Wettbewerbe ohne deutsche Beteiligung überbrücken.
Für Schwimmfans ist das allerdings nicht immer zufriedenstellend. Manche Rennen werden überhaupt nicht gezeigt, und auch später gibt es kein vollständiges Re-Live einer Session in der Mediathek, sondern lediglich ausgewählte Höhepunkte.
Beim 800-Meter-Finale fällt die späte Übertragung jedoch besonders schwer ins Gewicht. Denn die Spannung war im Vorfeld absehbar. Mit Johannes Liebmann und Sven Schwarz standen zwei deutsche Medaillenanwärter am Start, von denen einer aktueller und einer ehemaliger Europarekordler über diese Strecke ist. Beide hatten sich mit der schnellsten beziehungsweise drittschnellsten Zeit für das Finale qualifiziert und trafen dort unter anderem auf den amtierenden Olympiasieger.
Bessere Voraussetzungen für ein packendes Finale aus deutscher Sicht waren kaum denkbar. Umso unverständlicher wirkt es, dass ausgerechnet dieses Rennen im linearen Fernsehen erst deutlich nach seinem Ende zu sehen war.