Johannes Liebmann krönt seine EM-Premiere mit Gold über 800 Meter Freistil. Der 19-Jährige verbessert seinen Europarekord und führt Deutschland zum Doppelsieg.
Johannes Liebmann hat bei der Schwimm-Europameisterschaft in Paris das nächste Kapitel seiner rasanten Entwicklung aufgeschlagen. Der 19-Jährige vom SC Magdeburg gewann am Mittwoch die 800 Meter Freistil und sorgte dabei gleich für eine doppelte Premiere: Er holte seinen ersten EM-Titel bei den Erwachsenen und verbesserte seinen eigenen Europarekord.
In 7:37,59 Minuten schlug Liebmann deutlich vor seinem Nationalmannschaftskollegen Sven Schwarz an. Der 24-Jährige von Waspo 98 Hannover sicherte sich in 7:41,16 Minuten Silber und verwies den Ungarn Zalan Sarkany (7:41,75) im Endspurt auf Rang drei. Damit gelang den deutschen Männern auf dieser Strecke erstmals seit der Aufnahme der 800 Meter ins EM-Programm 2008 ein Titelgewinn – und zugleich der erste deutsche Doppelsieg.
Tempoverschärfung nach 400 Metern
Liebmann drückte seine im April aufgestellte Bestmarke von 7:37,94 Minuten um 35 Hundertstelsekunden nach unten. Entscheidend war dabei weniger ein spektakulärer Schlussspurt als vielmehr die Konstanz seines Tempos. Nach der Hälfte des Rennens setzte sich der Magdeburger von Sarkany und Schwarz ab und schwamm den Titel souverän nach Hause.
„Ich bin mega glücklich, das war ein richtig gutes Rennen. Mit der Goldmedaille habe ich geliebäugelt. Ich bin froh, dass es geklappt hat“, sagte Liebmann nach dem Rennen. Auch die Siegerehrung wurde für den Youngster zu einem besonderen Moment: „Es ist ein Megagefühl, da oben zu stehen und die Hymne für sich zu hören. Das ist unglaublich.“
„Es hat mich gewundert, wie ruhig ich war“
Dabei war der Druck vor seinem ersten großen Finale bei einer Erwachsenen-EM durchaus vorhanden. Liebmann selbst überraschte seine eigene Gelassenheit: „Ich war vor dem Rennen unglaublich ruhig. Das hat mir keine Angst gemacht. Es hat mich selber ein bisschen gewundert, wie ruhig ich da rangehen kann.“
Seine Taktik hatte er gemeinsam mit Bundestrainer Bernd Berkhahn festgelegt – und setzte sie konsequent um. „Ich habe hier einfach die mit meinem Trainer Bernd Berkhahn besprochene Taktik durchgezogen. Ab 400 Meter hatte ich schon Momente, in denen ich dachte: Hey, ich gewinne das hier heute. Ein bisschen Zuversicht gehört nämlich immer dazu.“
Wiederholung über 1.500 Meter?
Schwarz musste anerkennen, dass an diesem Abend gegen seinen Trainingskollegen kein Kraut gewachsen war. „Ich freue mich extrem. Man konnte Johannes heute nicht schlagen, er war einfach zu stark“, sagte der Hannoveraner. Für ihn ist Silber nach WM-Silber 2025 über 800 und 1500 Meter die nächste internationale Medaille.
Und möglicherweise bleibt es in Paris nicht bei einem deutschen Doppelerfolg über die lange Kraulstrecke. Liebmann und Schwarz treten am Freitag im Vorlauf über 1.500 Meter an, das Finale folgt am Samstag. „Natürlich würde mich das extrem freuen, wenn wir das über die 1.500 nochmal machen“, sagte Schwarz. „Noch mehr würde es mich freuen, wenn ich da oben stehen würde.“
Starkes Halbfinale von Linda Roth
In den anderen Finals blieben die deutschen Schwimmerinnen diesmal ohne Medaille. Anna Elendt wurde Siebte über 100 Meter Brust und Angelina Köhler Sechste über 50 Meter Schmetterling. Die Frauen-Staffel über 4 x 100 Meter Freistil kam ebenfalls auf Rang sieben.
Über die kürzeren Strecken erreichten am Mittwoch zwei deutsche Männer die Finals. Kaii Liam Winkler qualifizierte sich über 100 Meter Schmetterling als Fünfter des Halbfinals in 51,34 Sekunden. Lucas Matzerath zog über 200 Meter Brust als Achter in 2:10,07 Minuten ins Finale ein. Über 200 Meter Freistil wurde Linda Roth in persönlicher Bestzeit (1:56,46 min) sogar Vierte im Halbfinale.